Hauseinfahrt in Langenbrügge dicht

Gefangen im Schnee: Rollstuhlfahrer kann nicht zur Krebstherapie

Horst Isberner aus Langenbrügge blickt aus dem Rollstuhl auf seine völlig zugeschneite Hauseinfahrt.
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So sieht derzeit die Hauseinfahrt von Horst Isberner in Langenbrügge aus. Der 84-jährige müsste dringend zur Bluttransfusion ins Klinikum Dannenberg. Doch er kann sein Haus nicht verlassen, weil er im Rollstuhl sitzt.
  • Bernd Schossadowski
    vonBernd Schossadowski
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Während vor allem Kinder den vielen Schnee genießen, stellt dieser für Horst Isberner ein Problem dar. Der Langenbrügger ist auf den Rollstuhl angewiesen, müsste dringend zur Krebstherapie. Doch seine Hauseinfahrt ist zugeschneit.

Langenbrügge – Für Kinder ist der jüngste Wintereinbruch ein Segen. Sie bauen Schneemänner, toben in der weißen Pracht herum und haben Spaß beim Rodeln. Auch Spaziergänger genießen das sonnige Wetter. Dagegen betrachtet Horst Isberner aus Langenbrügge die Schneemassen der vergangenen Woche mit sorgenvoller Miene. Und das hat einen Grund.

Der 84-Jährige ist wegen einer Wirbelsäulen-Erkrankung auf den Rollstuhl angewiesen. Zudem ist er an Blutkrebs erkrankt und muss regelmäßig mit dem Taxi zur Bluttransfusion ins Klinikum Dannenberg gefahren werden. Doch weil seine 18 Meter lange Hauseinfahrt zum Teil hüfthoch zugeschneit ist, kann Isberner seit Tagen die eigenen vier Wände mit dem Rollstuhl nicht mehr verlassen. Seine dringend benötigte Behandlung im Klinikum wurde deshalb erst einmal verschoben.

„Das Taxi kommt bei dem vielen Schnee einfach nicht die Grundstückseinfahrt rauf“, schildert Isberner, der seit dem Tod seiner Frau im Jahr 2013 allein lebt. Zu Fuß schafft er es aber nicht zum Taxi. „Ich kann ja nicht mehr laufen oder stehen.“ Der aufgetürmte Schnee bereitet auch den Pflegedienst-Mitarbeitern, die sich täglich um Isberner kümmern, Probleme. Ihr Auto muss auf der Straße parken, weil die Zufahrt dicht ist. Dennoch ist die medizinische Versorgung des 84-Jährigen gesichert, weil der Pflegedienst zu Fuß ins Haus kommt.

Auch Einkaufen ist aktuell nicht möglich

Und noch etwas beschert Isberner, der aus Berlin stammt und seit 30 Jahren in Langenbrügge lebt, Unannehmlichkeiten. „Bei dem Sonnenschein würde ich so gerne mal wieder raus an die frische Luft, aber wegen des vielen Schnees geht das nicht“, bedauert er. Auch Einkaufen ist ihm zurzeit unmöglich. Normalerweise fährt er mit seinem Elektro-Rollstuhl über den Radweg neben der L 270 nach Bad Bodenteich – vier Kilometer hin und vier zurück. „Um Schrippen zu kaufen“, wie Isberner mit unüberhörbarem Berliner Akzent verrät. All das fällt zurzeit aus. Zum Glück hat er sich zu Hause einen kleinen Lebensmittelvorrat angelegt.

Bis vor einiger Zeit hat ein Bekannter aus Langenbrügge das Schneeschippen in Isberners Hauseinfahrt übernommen. Doch das schafft der Mann körperlich nicht mehr. „Er ist schon über 70 Jahre alt, das will ich ihm nicht zumuten“, erklärt Isberner. Vielleicht gebe es ja jemand im Ort, der bereit sei, ihm den Schnee von der Einfahrt zu schippen. „Es soll auch nicht umsonst sein“, betont er. Ihm geht es darum, bald wieder mit dem Taxi zum Dannenberger Klinikum fahren zu können. Denn es geht um seine Gesundheit – auf seine Bluttransfusionen kann und darf er nicht verzichten.

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