An Oberschule Bad Bodenteich: Unterricht mit Sprachbarriere

Gaby Rodewald bringt Flüchtlingskindern Deutsch bei

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In einem speziellen Kursus an der Oberschule Bad Bodenteich bringt Gaby Rodewald den Flüchtlingskindern die deutsche Sprache bei. Das Ziel ist, die Mädchen und Jungen fit für den Regelunterricht zu machen.

Bad Bodenteich. Gaby Rodewald hält einen roten Buntstift hoch, blickt in die Runde und sagt: „Das ist Rot. “ Dann schreibt sie das Wort „Rot“ an die Tafel.

So geht die integrative Lerntherapeutin alle Farben mit den Flüchtlingskindern durch, die derzeit an der Oberschule Bad Bodenteich Deutschunterricht bekommen. Neun Kinder aus Montenegro und der russischen Republik Tschetschenien, die überwiegend in Nettelkamp wohnen, nehmen seit einigen Wochen an diesem speziellen Kurs teil.

Dreimal in der Woche für jeweils vier Schulstunden erhalten die jungen Flüchtlinge Sprachförderung in Bad Bodenteich. An zwei weiteren Wochentagen bekommen sie im Rahmen des Ganztagsunterrichts der Oberschule jeweils zwei Schulstunden lang lebenspraktischen Unterricht. Dabei werden sie zum Beispiel in alltäglichen Dingen und in Hauswirtschaft fit gemacht.

Das Ziel sei, die Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis 16 Jahren bis zum Ende des Jahres in den Regelunterricht der Oberschule zu integrieren, erläutert deren Leiterin Mingo Hartmann. Dafür sollen sie in diesem Kurs fit gemacht werden. Zuvor seien Flüchtlingskinder direkt nach ihrer Ankunft in Bad Bodenteich auf die jeweiligen Klassen der Oberschule verteilt worden. Das habe aber nicht so gut geklappt, schildert Hartmann.

„Wir greifen nur im Notfall auf Dolmetscher zurück und arbeiten ansonsten auf Deutsch mit Bild- und Textmaterial“, sagt die Schulleiterin. Die Kinder seien engagiert dabei und dankbar für die Unterstützung, die sie erfahren. „Ich habe den Eindruck, das läuft sehr gut“, zieht Hartmann eine positive Zwischenbilanz des Deutsch-Unterrichts.

Den tschetschenischen Kindern bringt Gaby Rodewald die lateinischen Buchstaben bei, denn bisher kannten sie nur das kyrillische Alphabet. Ihre Hände zu einem kleinen Dach geformt, erklärt Rodewald, was ein Haus ist. Anschließend setzen sich alle in einen Kreis, werfen sich einen Ball zu und wiederholen das Gelernte – immer in ganzen Sätzen. Die Fortschritte sind enorm: Ein tschetschenisches Mädchen schreibt die Zahlen von 1 bis 20 an die Tafel. Nur ab und zu fehlt mal ein Buchstabe, ansonsten ist alles korrekt und geht sehr schnell.

Außerdem helfen sich die Kinder gegenseitig, wenn sie konzentriert die Aufgaben erledigen. Derjenige von ihnen, der etwas weiß, erklärt es den anderen Schülern. Dabei soll vor allem der Spaß nicht zu kurz kommen. „Die Kinder sollen sich untereinander helfen. Aber vor allem sollen sie frei denken, sie selbst sein und locker werden“, betont Gaby Rodewald.

Von Lars Lohmann und Bernd Schossadowski

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