Füttern einstellen ist keine Lösung

Von einem Katzendrama sprechen einige Katzenfreunde in Bad Bodenteich und Umgebung. Eine Fütterung sollte zu festen Zeiten stattfinden. Auch ortsansässige Hauskatzen wie dieses Exemplar lassen sich dann füttern. Foto: Nolting

Bad Bodenteich. „Katzendrama“ und nicht „Katzenplage“ – das ist für die Tierrechtsorganisation Peta der passende Begriff für die Situation in Bad Bodenteich. Die Organisation hat deshalb die Samtgemeinde Bodenteich angeschrieben, um die Einführung eines Kastrationsgebotes für Katzen in Privatbesitz zu erbitten. „Nur so werde sich die Katzen-Population langfristig verringern. Zusätzlich müssten weiterhin Kastrationsaktionen stattfinden und die wildlebenden Tiere betreut werden“, fordert die Tierschutzorganisation. Die heimatlosen Tiere hätten auf sich allein gestellt kaum eine Überlebenschance. Das Füttern einfach einzustellen sei keine Lösung.

Das sieht auch Rosemarie Bischoff so. Die Uelzenerin ist eine der Personen, die täglich die Katzen füttert. Dafür nimmt sie den langen Weg in Kauf. „Im Sommer fahre ich mit dem Fahrrad, im Winter nehme ich den Zug.“

In Bad Bodenteich angekommen kauft sie Katzenfutter und lactose-freie Milch. Dann fährt sie zum Kurpark. Dort hat sie einen festen Platz, wo sie ihre Katzen füttert. Acht Stück kommen regelmäßig. „Ich habe ihnen Namen gegeben“, sagt die Uelzenerin. Insgesamt gibt es ihres Wissens vier Populationen im Ort. „Jede Gruppe besteht aus 15 Kätzchen“, überschlägt sie und unterstreicht, dass es sich um Familienverbände handelt, die keine fremden Tiere in ihre Gruppe lassen. „Die Katzen, die ich betreue, sind kastrierte Tiere“, schildert Rosemarie Bischoff. Sie wurden vor einigen Jahren im Auftrag des Fleckens kastriert.

„Wenn wir die Tiere nicht mehr füttern, dann würden die Katzen im Kurpark ihre Nahrung suchen“, weiß die Uelzenerin. Die Katzen werden darüberhinaus auch von Patienten der Seepark-Klinik gefüttert und von Bewohnern des Altenheims. „Mir täte es leid, wenn ich aufhören müsste, die Katzen zu füttern“, sagt Bischoff und spricht von „ihren“ Tieren. Die einzige Lösung, die die Uelzenerin sieht, ist die Kastration der anderen herrenlosen Katzen, denn sonst vermehren sie sich unkontrolliert. Eine unkastrierte Katze kann im Jahr zweimal Babys bekommen und diese sind wiederum ab dem fünften Lebensmonat geschlechtsreif. Da wird schnell klar, wie verheerend das Problem ist. So können eine einzige Katze und ihre Nachkommen potenziell in nur sieben Jahren 420 000 weitere Katzen in die Welt setzen.

„Einfach nichts tun und die Tiere ihrem Schicksal zu überlassen ist keine Lösung“, sagt Kampagnenleiterin Nadja Kutscher von Peta. „Die Stadt Paderborn hat vorgemacht, was die einzig zukunftsfähige Lösung aller Städte sein muss.“ In Paderborn gibt es seit 2008 ein Kastrationsgebot für alle freilaufenden Katzen, auch andere Städte, wie Bünde, Bremen, Delmenhorst und Oer-Erkenschwick, haben das tierfreundliche Gebot bereits verabschiedet. In Österreich ist das Gebot sogar fest im Tierschutzgesetz verankert. Der Eingriff ist für die Katze unbedenklich und auch die Bundestierärztekammer rät zur Kastration von Freigänger-Katzen.

Rosemarie Bischoff will auch weiterhin den täglichen Weg nach Bad Bodenteich antreten. „Es ist verständlich, dass die Gemeinde kein Geld hat. Aber es kann eine Katastrophe werden“, befürchtete sie.

Von Jörn Nolting

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