Freikämpfe und Gaukler

Tausende Besucher kamen zum Burgspektakel nach Bad Bodenteich.

Bad Bodenteich - Von Jürgen Köhler-Götze. In der Walpurgisnacht ist manches erlaubt und vieles merkwürdig. Seltsame Gestalten bevölkern die Bodenteicher Burg, holde Maiden und edle Ritter, aber auch zarte Feen, Kobolde, Hobbits und andere Fabelwesen. Neckische Nymphen flüchten vor lüsternen Faunen und die Gaukler und Musikanten heizen die Stimmung noch mehr an.

Allenthalben wird geflirtet und geschäkert, das Volk der Fogelvreien ergibt sich dem Tanz und dem derben Amüsement, und die Besucher des Burgspektakels, ob nun gewandet oder nicht, sind eingeladen, die mittelalterlichen Tanzschritte zu erlernen, um nach Einbruch der Dunkelheit mitzutun beim Tanz ums Feuer, bis die Glocke die Mitternacht verkündet.

Ganz trocken blieb das Vergnügen auf der Bad Bodenteicher Burg auch in diesem Jahr nicht. Der Himmel öffnete bisweilen seine Schleusen, doch wer den Schirm öffnete, zog den Spott der Gaukler auf sich: „Mein Herr, Ihr seid der Einzige, der sein Regendach aufgespannt hat – der Grund aber kann nicht sein, dass Ihr eine schöne Frisur schützen wollt…“

Eine klamme Nacht in den Zelten des Heerlagers ist es denn aber doch geworden. Weswegen sich die Rittersleut‘ am folgenden Sonnabend auch gleich sportlich betätigten.

Die Langbogner maßen ihre Treffsicherheit beim Bogenturnier, oftmals übrigens mit selbst gefertigten Bögen. Das gemeine Volk durfte gegen kleines Geld mittun und sich auch beim Werfen der Axt erproben.

Ein Höhepunkt des Burgspektakels sind in jedem Jahr die Freikämpfe der Ritter. Bei denen ist das Mittun der Gemeinen allerdings mit gutem Grund verboten. Waffenmeister Genrik versichert, dass er bei den vielen Kämpfen, die er ausgefochten hat, bislang nur einen angebrochenen Finger zu beklagen hatte, „aber blauen Flecken gibt es immer.“

Allerdings müssen sich dafür auch alle an die Kampfregeln halten, in diesem Fall den Belly-Code. Und ohne Handschuhe, Kettenhemd und Helm geht gar nichts. Genrik versichert, dass, anders als etwa beim Fechten, wie es die Schauspieler erlernen, „wir hier voll durchziehen. Aber seid versichert: Handball ist viel gefährlicher.“ Da mag er recht haben.

Gar viele der Gewandeten versuchen, dem historischen Original so nahe wie möglich zu kommen. Da wird auf die Brille verzichtet, weil die ein Stilbruch wäre. Pommes gibt es an den Ständen nicht, weil die Kartoffeln im Mittelalter noch nicht nach Europa gelangt waren.

Stephan M. Rother, der als ehemaliger Magister Rother durchaus dem Mittelalter zugetan ist, sieht das lockerer. Er erscheint im Fantasiegewand mit umgedrehter Scarlett-O-Hara-Kappe und Brille und schwenkt neckisch die Pelzpuschel um seinen Hals. „Bei mir sieht man wenigstens gleich, dass es nicht stimmt.“ Trotzdem hat er den gleich Spaß am Burgspektakel wie viele tausend andere Besucher.

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