Nachwuchs für Familie Adebar

Erstmals seit über 60 Jahren gibt es in Lüder Jungstörche – Nest von der AG Natur

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2017 hat die Arbeitsgruppe Natur, hier mit ihrem Sprecher Wolfgang Schulze (4. von rechts), das Stochennest in Lüder aufgestellt. Jetzt gab es erstmals Brut-Erfolg.

Lüder – Es ist bekannt als Dorf der tausend Eichen, doch inzwischen hat Lüder noch einen zweiten Beinamen: Es ist nun Storchendorf.

Denn vor Kurzem wurden in einem Nest, das die Arbeitsgruppe (AG) Natur auf dem Grundstück ihres Sprechers Wolfgang Schulze aufgestellt hatte, zwei Jungstörche geboren.

Zwei junge Störche – auf dem Bild versteckt sich einer gerade – sind im Nest auf dem Grundstück von Wolfgang Schulze in Lüder geschlüpft. Es ist der erste Storchennachwuchs im Ort seit Mitte der 1950er-Jahre.

In Lüder ist es der erste Storchennachwuchs seit langer Zeit. „Das letzte bekannte Brutpaar hat hier 1954 oder 1955 gelebt“, erzählt Jürgen Trumpf, Mitglied der Naturgruppe. Umso glücklicher ist er über den Brut-Erfolg: „Wir sind stolz darauf. Das bedeutet, dass die Natur in Ordnung ist und sich die Störche hier wohlfühlen.“

Dass es irgendwann Jungstörche in Lüder geben könnte, hatte sich schon 2018 angedeutet. Damals hatten zwei Störche für kurze Zeit das Nest genutzt, darin aber nicht gebrütet. In diesem Frühjahr kam nun erneut ein Storchenpaar. Und diesmal klappte es mit der Brut.

Anfang Juni waren die beiden Jungstörche erstmals im Nest zu sehen. Sie sind schon deutlich gewachsen. „Die Eltern versorgen ihre Jungen fleißig mit Futter und beschatten sie bei zu starker Sonnenstrahlung“, schildert Schulze. An Futter mangele es nicht, denn 2019 sei ein mäusereiches Jahr. Zudem hat Schulze im Umfeld des Nests kleine Fische und Wildschweinfleisch-Stücke ausgelegt, die von den Elterntieren gefressen werden. Übrigens ist nur das Weibchen beringt.

Die Arbeitsgruppe Natur hatte das Storchennest 2017 gebaut. Es besteht aus einem Weidenkorb, der mit altem Heu ausgepolstert wurde. „Wir haben mit weißer Kalkfarbe extra noch Kleckse ins Nest gemacht, damit es aussieht wie Storchenkot“, erläutert Schulze. Das sollte den Eindruck erwecken, als ob darin schon einmal gebrütet wurde. In solchen Nestern lassen sich Störche nämlich gerne nieder. Und es gab noch einen weiteren Anreiz: Neben einem Teich unweit des Nests hat Schulze einen Plastikstorch platziert. „Das könnte sie angelockt haben“, meint er schmunzelnd.

Der Weidenkorb wurde auf einen hölzernen Telegrafenmast gesetzt und dieser mithilfe der Hubbühne eines örtlichen Landwirtes auf den Wiesen von Schulze aufgestellt. Ein weiteres Storchennest hat die AG Natur am Ortsrand nahe einer Biogasanlage – in Richtung Wentorf – errichtet. Doch darin haben sich noch keine Störche niedergelassen.

Damit Familie Adebar nicht gestört wird, darf niemand das Grundstück von Schulze betreten. Abends setzt er sich aber gerne auf eine Bank in seinem Garten und beobachtet die Störche aus der Entfernung mit einem Fernglas. Nun überlegt die Arbeitsgruppe, den Elterntieren Namen zu geben. Schulze blickt auch schon auf das kommenden Jahr voraus: „Ich hoffe, sie kommen dann wieder.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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