Junge aus Lüder bekommt nach Verwaltungsgerichtstermin nun Förderung für den Schulweg

Engpass: Die Gefahr ist erkannt

Dr. Alfred Stein, Anwalt der Lüderer Familie, zusammen mit Richterin Regina Preßler-Elsing und Thomas Pöggel vom Kreis Uelzen begutachteten die Gefahrenstelle. Foto: Hasse

Lüder. Unübliches Arbeitsgerät hat die Richterin Regina Preßler-Elsing kürzlich zur Hand genommen.

Mit einem Entfernungsmessrad hat sie zusammen mit einem Mitarbeiter des Landkreises Uelzen sowie dem Vater eines heute zwölfjährigen Jungen aus Lüder samt Anwalt den gesamten Weg von Lüder nach Bad Bodenteich zurückgelegt.

Die Richterin vom Verwaltungsgericht Lüneburg sollte entscheiden: Nach Meinung der Familie des Jungen aus Lüder müsse es vom Landkreis Geld für die Schülerbeförderung des Jungen von Lüder zu seiner Schule in Bad Bodenteich geben. Der Kreis lehnte das ab. Denn eine solche Förderung gibt es erst ab vier Kilometer Schulweg – der Weg des Jungen beträgt 3,8 Kilometer. Seit dem Marsch der kleinen Gruppe steht das fest. Allerdings kann es eine Förderung auch geben, wenn der Weg gefährlich ist. Ergebnis der Aktion: Der Weg hat eine gefährliche Stelle, der Landkreis wird nun zumindest für die Hälfte des Jahres die Schülerbeförderung geben. Der Landkreis selbst hat den Vorschlag zur Einigung gegeben und betont, dass es sich um einen Einzelfall handele.

Der Vater ist den Schulweg mitgegangen. Von der Genauigkeit, mit der die Richterin den Weg in ein kleines Diktaphon protokolliert hat, war er überzeugt. Preßler-Elsing beschrieb jede Ungenauigkeit des Weges und des Verlaufs. Sie beschrieb die Beschaffenheit des Wegrandes und relevante Schilder am Wegesrand.

So bei Meter 2562 Richtung Schule: Hier warnt ein Schild den Autofahrer vor Radfahrern. Das ist bitter nötig, denn nur etwa 50 Meter weiter ist eine Bahnüberführung. Das Bett der Bahnschiene reicht dabei so nah an die Fahrbahn, dass der Radweg aufhört. Der Radler muss nun direkt auf der Fahrbahn fahren. 50 Stundenkilometer sollen die Autos hier höchstens fahren. Aber daran, meinen die Eltern, würden sich kaum Leute halten. Außerdem, meint die Mutter, sei der Baumbewuchs am Straßenrand, speziell auch Richtung Lüder kommend, so dicht, dass man schwer sehen könne.

Auch den Bewuchs am Straßenrand beschreibt Richterin Preßler-Elsing, das Diktaphon am Mund. An der Unterführung angekommen, verliert sie für einen Moment ihr sonniges Gemüt und schaut skeptisch. Die Mutter hatte schon vor der Wanderung von Richterin, Kreisvertreter, Anwalt und Vater auf die Stelle hingewiesen. Sie sei selbst mehrmals dort entlanggefahren. Der jüngere Sohn werde ebenfalls bald eine weiterführende Schule besuchen – möglicherweise auch die Schule in Bad Bodenteich. Auch er hätte dann diesen Schulweg. Bisher nutzt die Familie eine Fahrgemeinschaft, damit niemand mit dem Rad fahren muss.

Ob die Unterführung eine Gefahrenstelle für den Zwölfjährigen aus Lüder sein könnte, muss Regina Preßler-Elsing letztlich nicht entscheiden: Thomas Pöggel vom Schul- und Kulturamt, der den größten Teil des Weges selbst das Messrad geschoben hat, einigt sich noch am selben Tag mit den Eltern: Zumindest während der „dunklen“ Monate, von Oktober bis März, werde es eine Förderung geben, aber nur, bis der Junge 14 ist. Dies gelte auch rückwirkend ab dem Oktober 2010.

Die Familie hat dem Vorschlag zugestimmt. Die Eltern sind zufrieden. Seitens des Landkreises heißt es, bei dieser Entscheidung gebe es einen „Ausnahmetatbestand wegen besonderer Verkehrsgefährdung“.

Von Kai Hasse

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