Die Job-Coaches Robert Kötter und Marius Kursawe sprechen in Bad Bodenteich über Traumberufe

„Das ist eher eine Typ-Sache“

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Marius Kursawe (links) und Robert Kötter arbeiten als Coaches, Berater und Vortragsredner und sagen, viele Jobs gleichzeitig seien ihr Traumberuf.

Bad Bodenteich. Die Job-Coaches Robert Kötter und Marius Kursawe sind am 13. Juni zu Gast beim GedankenGut-Netzwerkabend der IHK in der Burg Bad Bodenteich.

Im Interview sprechen sie mit Anne Klesse über Traumjobs, die perfekte „Work-Life-Romance“ – und warum beides nicht allgemeingültig sein kann.

Interview

Ihr Slogan lautet „Design your life!“ – Lässt sich das eigene Leben am Schreibtisch planen?

Robert Kötter: Wir kommen ja beide aus der klassischen „Design Thinking-Welt“. Dort werden in kreativen Prozessen Probleme der Produktentwicklung und Dienstleistungswelt gelöst. Wir dachten uns, diese Methode muss doch auch für Menschen anwendbar sein. Design Thinking ist ja gerade menschenzentriert und legt großen Wert auf Empathie, außerdem macht es Spaß und jeder gewinnt an Knowhow. Beim Design Thinking wird visuell und spielerisch gearbeitet, um konkrete Probleme zu lösen. Am Schreibtisch im stillen Kämmerlein passiert das eher nicht – man muss in die Welt hinausgehen, aktiv sein, ko-kreativ sein, immer im Team. Je unterschiedlicher die Teilnehmer, je buntgemischter das Team, desto besser ist es für die Ergebnisse. Das sagen wir auch den Unternehmen, die uns für Mitarbeiterschulungen buchen.

Sie beschäftigen sich in Ihren Workshops viel mit der Zukunft der Arbeit. Wie sieht die aus?

Marius Kursawe: In den vergangenen Jahren haben wir den Schritt von der Dienstleistungsgesellschaft in das Informations- und Wissenszeitalter vollzogen. Arbeitsprozesse und -inhalte werden digital gesteuert, durch Innovationen fallen bestimmte Jobs weg. In der Arbeitswelt werden Vielseitigkeit, Flexibilität, Mobilität wichtiger. Den Menschen ist außerdem der Sinn ihrer Arbeit wichtiger denn je. Wir alle wollen etwas tun, was uns erfüllt.

Was verstehen Sie unter „Job-Crafting“?

Kötter: Arbeitnehmer wollen in ihren Bedürfnissen ernst genommen werden. Sie wollen gestalten und sich entfalten – warum also nicht auch die Arbeitsbeschreibung designen? Wir wissen aus vielen Studien, dass Menschen heute mehr von ihrer Arbeit erwarten als den Broterwerb – und dass Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter eine ganz besondere Herausforderung für Arbeitgeber sind. Unsere Jobcrafting-Workshops fußen dabei auf Untersuchungen, aus denen hervorgeht, dass Mitarbeiter oft viel mehr können als die engen Parameter ihrer Aufgaben vermuten lassen.

Haben Arbeitgeber auch etwas davon?

Kursawe: Auf jeden Fall. Denn dann freuen sich die Mitarbeiter auf den Montag, anstatt dem Wochenende entgegen zu fiebern. Dann sind sie gesünder, motivierter und kreativer. Auf diese Weise werden Unternehmen tatsächlich produktiver als durch Rationalisierungsmaßnahmen. Ganz ehrlich: Die meisten Menschen werden nicht nachhaltig zufriedener durch eine Gehaltserhöhung oder einen hübschen Dienstwagen. Heute sind andere Faktoren wichtig. Mitarbeiter legen Wert darauf, eigenständig Entscheidungen treffen zu können, auf Gestaltungsfreiraum, und darauf, die größeren Zusammenhänge zu verstehen, stolz auf ihren Job sein zu können. Viele Unternehmen kommen zu uns und wollen etwas tun, bevor sich Mitarbeiter abwenden und womöglich aus Unzufriedenheit kündigen.

Am Ende kommt es also darauf an, einen Job positiv zu besetzen?

Kursawe: Ein Teil der Wahrheit ist: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Arbeitszeit ist Lebenszeit, deshalb ist es für die eigene Zufriedenheit wichtig, zu definieren, was einem wichtig ist. In einer aktuellen Harvard-Studie heißt es, einige Reinigungskräfte in einem Krankenhaus sagten bei einer Befragung: „Ich putze in einer Klinik, das ist ätzend.“ Andere beschrieben ihren Job viel positiver: „Ich sorge mit dafür, dass Menschen gesund werden.“ Die Antworten zeigen, dass es bei der Zufriedenheit darauf ankommt, wie man seinen Job selbst sieht und ihn ausfüllt. Es gibt keine guten oder schlechten Jobs. Das bedeutet auch: Man muss nicht den Arbeitsplatz wechseln, um im Beruf glücklicher zu werden und seine persönliche Work-Life-Romance zu leben. Wenn ich die Chance erhalte, meinen Job mit zu gestalten und ernst genommen werde, bin ich automatisch zufriedener und motivierter.

Sie selbst arbeiten unter anderem als Coaches, Berater, Vortragsredner und Autoren. Steckt das Geheimnis der Work-Life-Romance darin, sich nicht festzulegen?

Kötter: Das ist eher eine Typ-Sache. Uns beiden liegt es, mehrere Jobs gleichzeitig zu machen. So haben wir gerade mit TwentyoneSkills eine Börse gegründet, auf der die Fähigkeiten, die für das Arbeiten im 21. Jahrhundert wichtig sind, vermittelt werden. Aber für viele andere wäre das überhaupt nichts, viele wollen lieber einen einzigen Job haben, Spezialist sein. Vielen ist Sicherheit und Beständigkeit wichtiger als uns – und das ist auch gut so. Wir denken, dass gerade die Unterschiedlichkeit von Menschen ein wichtiger Grund für Unternehmen ist, in ihrer Personalentwicklung individueller und auch lebensphasen-spezifischer zu arbeiten. Wir jedenfalls finden es super, mit so vielen spannenden Menschen zusammen zu arbeiten und sie dabei zu unterstützen, zufriedener und erfolgreicher bei ihrer Arbeit zu sein.

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