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DRK setzt in Bodenteich auf „Heimvorteil“ - Vertrag zunächst für sechs Monate

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Von: Lars Becker

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Die alte KGS-Sporthalle, in der die Erstunterkunft für Menschen aus der Ukraine eingerichtet worden ist, wird nach dem 30. September abgerissen.
Der DRK-Kreisverband Uelzen hat in der Flüchtlingsarbeit viel Erfahrung gesammelt - nicht nur in der alten KGS-Sporthalle in Bad Bevensen (Foto). © Lars Becker

Die ersten 100 Kriegsvertriebenen aus der Ukraine ziehen am Mittwoch in die alte BGS-Kaserne an der Stadenser Straße in Bad Bodenteich ein. Die betreibt als Dienstleister fürs Land das DRK - zunächst für sechs Monate.

Bad Bodenteich – „Die Entwicklung ist wie so Vieles in der Ukraine-Krise sehr kurzfristig. Insofern ist ein langsames Anfahren der Liegenschaft in moderaten Schritten geplant. Im Gegensatz zur kommunalen Unterbringung ist das Leistungsspektrum anders: Wir passen unsere Strukturen an und wachsen mit der Belegung.“

Das sagt Tim Meierhoff, Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbandes Uelzen, mit Blick auf den Einzug der ersten 100 Vertriebenen aus der Ukraine im Transfercamp Bad Bodenteich am Mittwoch (14. September).

„Viel Erfahrung aus der Flüchtlingsarbeit seit 2015/2016“

Das Deutsche Rote Kreuz ist zunächst einmal für ein halbes Jahr im Wege der Dringlichkeit als Dienstleister in der alten BGS-Kaserne gesetzt. Und das hat Vorteile, wie Meierhoff betont: „Wir haben eine schlagkräftige Truppe, viel Erfahrung aus der Flüchtlingsarbeit seit 2015/2016 und aktuell an der Nothmannstraße in Uelzen sowie in der KGS-Halle in Bad Bevensen. Das ist eine unserer Kernkompetenzen. Und wir haben den großen Standort-Vorteil, die Liegenschaft in Bad Bodenteich sehr gut zu kennen. Wir wollen und werden unseren Beitrag leisten, dafür zu sorgen, die Vertriebenen so gut wie in Bad Bevensen in das soziale Umfeld zu integrieren.“

Bis zum Ende der Woche sollen rund 20 Mitarbeiter des DRK im Transfercamp arbeiten. Aktuell sucht der Kreisverband zudem Personal – vom Rettungssanitäter für die Krankenstation über Sozialpädagogen und Erzieher bis zu Sprachmittlern und Hausmeistern. „Wir haben schon jetzt eine positive wie interessante Resonanz. Es gibt viele Menschen, die Spaß daran haben, mit den Flüchtlingen zu arbeiten“, freut sich der DRK-Chef.

„Wir sind wirklich dankbar für jedes Angebot“

Grundsätzlich wolle man die Öffentlichkeit und Gesellschaft sehr gerne in die Arbeit vor Ort einbeziehen. Entsprechende Angebote hatten Ehrenamtliche und Vereine bereits am Montagabend bei der Informationsveranstaltung in der Grundschule Bad Bodenteich gemacht. „Wir sind wirklich dankbar für jedes Angebot. Es kommt die dunkle, kalte Jahreszeit – da wollen wir Angebote in den Gebäuden schaffen. Spielen, Sport und Bewegung sind da beispielsweise wichtig“, betont Tim Meierhoff.

Das Catering mit drei Mahlzeiten samt Menüauswahl läuft dabei wieder über eine externe Firma.

Die Informationsveranstaltung zur Reaktivierung der alten Kaserne am Montagabend hatten knapp 80 Bürger, aber auch Kommunalpolitiker besucht – unter ihnen Martin Feller (Samtgemeindebürgermeister Bevensen-Ebstorf) und Volker Leddin, Leiter Ordnungswesen der Hansestadt Uelzen, der die dauerhafte Unterbringung von Ukrainern in den Gemeinden des Landkreises Uelzen steuert. Aktuell gilt es, 25 Vertriebene pro Woche unterzubringen, obwohl der Landkreis sein Soll bereits mehr als erfüllt hat.

TuS Bodenteich bietet Sporteinheiten an

Die Signale der Bevölkerung an LAB-Leiter Klaus Dierker und Susanne Graf, Leiterin der Migrationsabteilung im Innenministerium, waren positiv: Es meldeten sich erste potenzielle ehrenamtliche Paten, die den mehrheitlich Frauen und Kindern helfen möchten.

Der TuS Bodenteich kündigte seine Bereitschaft an, den Bewohnern Sportangebote zu machen. Auf dem Kasernengelände gibt es eine Sporthalle, die Dierker „grandios“ nannte. Auch die weitere Infrastruktur sei intakt, sodass die Verhältnisse für die Menschen sehr viel besser seien als etwa in Hannover-Laatzen, wo lediglich Trennwände für ein Minimum an Privatsphäre sorgten, wie Dierker erläuterte.

Müller: Areal eignet sich nicht als Dauerunterkunft

Wolf Laufer, Bodenteicher Gynäkologe und Psychotherapeut, bot Hilfe bei der frauen- und hausärztlichen Versorgung an, weil seine Frau Tetyana – ebenfalls Gynäkologin – aus Kiew stammt. Hinweise der aus der Flüchtlingskrise 2015/16 erprobten Bodenteicher, etwa ausreichend Schilder mit Hinweisen aufzuhängen, wurden vom Land gerne registriert.

„In dieser Situation wehren wir uns nicht, dass das Areal belegt wird. Es eignet sich nur nicht als Dauerunterkunft“, betonte Michael Müller, Samtgemeindebürgermeister Aue, auch im Namen von Landrat Dr. Heiko Blume.

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