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DRK betreibt „Transfercamp“: Bis Donnerstag ziehen schon 300 Ukrainer in Bad Bodenteich ein

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Von: Lars Becker

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Knapp 80 Bürgerinnen und Bürger kamen am Montagabend in die Aula der Grundschule, um sich über die Reaktivierung der alten BGS-Kaserne informieren zu lassen.
Knapp 80 Bürgerinnen und Bürger kamen am Montagabend in die Aula der Grundschule, um sich über die Reaktivierung der alten BGS-Kaserne informieren zu lassen. © Lars Becker

In der Aula der Grundschule Bad Bodenteich haben sich am Montagabend knapp 80 Bürger rund eine Stunde lang darüber informieren lassen, wie die Reaktivierung der alten Bundesgrenzschutz-Kaserne in Bad Bodenteich für die Unterbringung von Geflüchteten aus der Ukraine ablaufen soll.

Bad Bodenteich – Klaus Dierker, Leiter der Landesaufnahmebehörde (LAB) Niedersachsen, und Susanne Graf, Leiterin der Migrationsabteilung im Innenministerium, standen zusammen mit Landrat Dr. Heiko Blume und Michael Müller, Bürgermeister der Samtgemeinde Aue, Rede und Antwort. Jörg Formella, Bürgermeister des Fleckens Bodenteich, fehlte krankheitsbedingt. Ihn vertrat Antje Rodewald-Schulz.

Klar ist jetzt: Bereits am Mittwoch (14. September) werden die ersten 100 Kriegsvertriebenen aus der Ukraine – vor allem Frauen mit Kindern und Ältere – aufgenommen. Und schon am Donnerstag steigt die Zahl auf 294 Personen.

In der sogenannten ersten Ausbaustufe sollen 500 Personen nach Bad Bodenteich kommen, in der zweiten (nach der Installation von Fluchttreppen als zweiter Rettungsweg aus den Obergeschossen) dann bis zu 800. Das sind 200 mehr als bisher öffentlich bekannt war. Auf die Erfüllungsquote des Landkreises könnte diese Zahl angerechnet werden, deutete Klaus Dierker vorsichtig an.

Ukrainer bleiben fünf bis zwölf Tage

Derweil erklärte Michael Müller stellvertretend für die Gemeinden des Landkreises, dass man sich in Verhandlungen mit einem zweiten Hotelbetreiber befinde, um Menschen aus der Ukraine unterbringen zu können. Bislang wird schon ein Hotel in Bad Bevensen genutzt, weil ansonsten kaum noch Wohnraum zur Verfügung steht (AZ berichtete).

Sie standen Rede und Antwort: (von links) Landrat Dr. Heiko Blume, Klaus Dierker (Leiter der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen), Susanne Graf (Leiterin der Migrationsabteilung im Innenministerium) und Michael Müller, Bürgermeister der Samtgemeinde Aue.
Sie standen Rede und Antwort: (von links) Landrat Dr. Heiko Blume, Klaus Dierker (Leiter der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen), Susanne Graf (Leiterin der Migrationsabteilung im Innenministerium) und Michael Müller, Bürgermeister der Samtgemeinde Aue. © Lars Becker

Alle Ukrainer sollen zwischen fünf und zwölf Tagen in Bad Bodenteich bleiben. „Wir werden also eine hohe Fluktuation haben“, sagte Dierker, der die BGS-Kaserne als „Transfercamp“ bezeichnete. Von hier aus werden die Vertriebenen, die in Bussen aus Hannover-Laatzen in den Landkreis Uelzen gebracht werden, auf ihre Zielkommunen im Land verteilt.

Als Dienstleister wird zunächst bis zur erforderlichen öffentlichen Ausschreibung der Kreisverband Uelzen des Deutschen Roten-Kreuzes (DRK) eingesetzt. Und aufs DRK – am Montagabend nicht vertreten – wartet eine echte Mammutaufgabe:

Von Corona-Teststraße bis Brandwache

Gestemmt werden müssen (auch mit Dolmetschern) neben der Vollverpflegung die medizinische Versorgung und soziale Betreuung der Menschen. Eine Corona-Teststraße, Separierungsbereiche für Corona-Infizierte, ein Informationspunkt, ein Notrufmanagement und Brandwachen sind aufzubauen und sicherzustellen.

Zudem sollen für die Menschen aus der Ukraine Corona-Schutzimpfungen angeboten werden. Entsprechend umfangreich wird der Personaleinsatz sein. Die Impftermine für die Bürger des Landkreises werden auf andere Örtlichkeiten verlegt.

Polizei soll mit auf das Gelände

Auf dem Gelände soll auch die Polizei dauerhaft präsent sein. In Sachen grundsätzlicher Verstärkung der Polizeistation Bad Bodenteich für die Dauer der Nutzung der alten Kaserne sei er im Gespräch mit der Polizeidirektion in Lüneburg, versicherte Landrat Heiko Blume. Er kündigte zudem an, dass man die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Kanalstraße von 100 auf 70 Stundenkilometer reduzieren werde.

Das Gelände soll nun rasch mit WLAN ausgestattet werden, um den Ukrainern, die auch kostenlose Mobilfunk-Chipkarten für ihre Handys erhalten, zu ermöglichen, den Kontakt in die Heimat zu halten. Klaus Dierker sagte, er rechne mit einem einem „längeren Zeitraum“, den das Gelände genutzt werde.

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