Explosionskatastrophe von Bad Bodenteich jährt sich zum 70. Mal / Gedenk-Andacht am 25. März

„Der schwärzeste Tag des Krieges“

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Stumme Mahnung: Dieses Gräberfeld auf dem Bad Bodenteicher Friedhof erinnert an die Explosionskatastrophe vom 25. März 1945. Dort sind viele Opfer des Unglücks beerdigt.

Bad Bodenteich. Der 25. März 1945 ist ein schöner Frühlingstag in Bodenteich. An diesem Sonntagvormittag scheint der Krieg weit weg zu sein. Die Vögel zwitschern, die Kirchenglocken läuten, es ist 11. 10 Uhr. Plötzlich zerreißt eine gewaltige Detonation die Stille.

Am Bahnhof fliegen drei mit Munitionspulver beladene Waggons in die Luft. Die ungeheure Wucht der Explosion reißt einen bis zu 80 Meter breiten Krater in die Erde, der gesamte Bahnhof und zahllose umliegende Häuser werden zerstört. Vermutlich bis zu 80 Menschen kommen bei dem Unglück ums Leben, viele weitere werden schwer verletzt.

Anlässlich des 70. Jahrestages der Explosionskatastrophe lädt die Kirchengemeinde Bad Bodenteich alle Interessierten für Mittwoch, 25. März, zu einem Gedenkgottesdienst mit mehreren Stationen ein. Der Treffpunkt ist um 17 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz. Von dort begeben sich die Teilnehmer auf die Spuren der Verwüstung: die Bahnhofstraße entlang und durch den Seepark zur Gedenkstätte auf dem Friedhof, wo in einem Gräberfeld 29 Opfer des Unglücks beerdigt sind. Vor Ort wird Pastor Lars Neumann eine Andacht halten.

„Der schwärzeste Tag des Krieges ist der 25. März 1945“, schrieb der damalige Lehrer und Zeitzeuge Otto Beese in der Bodenteicher Schulchronik. Diese Einschätzung teilt Harro Blunk, aktuell zweiter Vorsitzender des Förderkreises Burg Bodenteich. „Für die heutigen Bodenteicher, die damals schon gelebt haben, war das ein einschneidendes Erlebnis“, sagt er im AZ-Gespräch. Den betroffenen Familien sei die Katastrophe mit Sicherheit noch im Gedächtnis, denn sie hätten Angehörige, Freunde und Bekannte verloren.

„Viele wollen aber nicht mehr daran erinnert werden oder darüber sprechen“, weiß Blunk.

Das jüngste identifizierte Opfer war erst zwei Jahre alt, drei weitere zählten vier beziehungsweise fünf Jahre. Zu den Getöteten zählte auch der Bahnhofsvorsteher. „Von ihm hat man nur den Ehering gefunden“, schildert Blunk.

Über die Ursache des Unglücks herrschte lange Zeit Rätselraten. Am wahrscheinlichsten scheint folgende Version der Katastrophe: Im Bahnhof standen damals auf einem Nebengleis offene Waggons und warteten darauf, in die „Muna“, die nahe gelegene Heeresmunitionsanstalt, abtransportiert zu werden. Die Güterwagen hatten Kisten mit „Beutepulver“ aus Polen geladen – Munitionspulver, das deutsche Soldaten im Krieg erbeutet hatten. Vermutlich wurde die Ladung durch den Funkenflug eines bremsenden Zuges auf dem Nachbargleis entzündet.

Die Spuren der Explosion sind bis heute sichtbar, erklärt Blunk. So gibt es in der St.-Petri-Kirche ein Fensterbild über der Oberkanzel, das am 25. März 1945 teilweise zerstört wurde. Später wurden einige Platten neu eingesetzt, doch die Motiv-Übergänge stimmen nicht mehr. Unermesslich ist aber das Leid der Menschen, die damals ihre Liebsten verloren. Viele seelische Wunden der Katastrophe sind noch immer nicht verheilt.

Von Bernd Schossadowski

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