Er zieht Konsequenz aus politischem Streit

Bad Bodenteichs Bürgermeister Edgar Staßar: Rückzug nach 28 Jahren Ratsarbeit

So kennen ihn viele Bad Bodenteicher: Edgar Staßar – hier vor der Fontäne im Seepark – hat die Politik im Flecken über fast drei Jahrzehnte geprägt.
+
So kennen ihn viele Bad Bodenteicher: Edgar Staßar – hier vor der Fontäne im Seepark – hat die Politik im Flecken über fast drei Jahrzehnte geprägt.

Bad Bodenteich – Er ist in Bad Bodenteich bekannt wie nur wenige andere Einwohner. Seit 1968 lebt Edgar Staßar im Flecken, gehört seit 28 Jahren dem Rat an und war seit 2007 Bürgermeister.

Doch zuletzt hatte er sich immer öfter frustriert über den Umgang in den politischen Gremien gezeigt. „Man hat ein Ehrenamt, und dann passiert so was. Das ist nicht haltbar“, kritisiert der 70-Jährige die aus seiner Sicht mitunter aggressive Debattenkultur.

Jetzt hat der CDU-Politiker die Konsequenzen daraus gezogen und seinen Rücktritt als Bürgermeister und Ratsmitglied zum 31. Dezember 2019 verkündet. Auch auf seine Ämter in der Samtgemeinde Aue – das Ratsmandat und den Posten des ersten stellvertretenden Bürgermeisters – wird Staßar verzichten.

„Meine Entscheidung fiel im letzten halben Jahr“, erzählt er im AZ-Gespräch. „Das war keine Sachpolitik mehr. Es gab nur noch Streit und persönliche Angriffe. Ich muss auch an meine Gesundheit denken.“ Dabei habe er einiges für den Flecken erreicht, so Staßar. Als Beispiele nennt er den Umzug des Grenzmuseums ins Brauhaus der Burg, die Neuverteilung der Entschuldungshilfe zugunsten Bad Bodenteichs und den Bau des Drachenspielparks, für den er die Fäden im Hintergrund gezogen habe.

Staßars Rücktritt habe ihn überrascht, gibt Aues Samtgemeindebürgermeister Michael Müller zu. Er verweist jedoch auf die rechtlichen Vorgaben: Auch wenn Staßar seine Ämter als Fleckenbürgermeister und als Stellvertreter in der Aue abgegeben hat, gehört er vorerst weiter beiden Räten an. „Der Mandatsverlust erfolgt erst nach Feststellung durch den jeweiligen Rat“, betont Müller. Dazu seien demnächst entsprechende Sitzungen geplant.

Gemäß der Stimmenzahl bei der Kommunalwahl 2016 stehen Staßars Nachrücker schon fest: In den Fleckenrat würde Thomas Grams als neues Mitglied einziehen, in den Samtgemeinderat Sabine Bauck. Beide gehören der CDU an. Sie hätten sich dazu aber noch nicht schriftlich geäußert, sagt Müller.

Verständnis für Staßars Entscheidung hat Jörg Formella, Vorsitzender der Bodenteicher CDU-Fraktion. Zugleich bedauert er den Rücktritt. „Das ist ein Riesenverlust für den Flecken“, meint er. „Herr Staßar ist hier sehr angesehen und hat ein großes Netzwerk. Er hinterlässt riesige Fußspuren. Es wird nicht einfach sein, in diese zu treten.“ Die CDU-Fraktion werde nun intern über einen Nachfolgekandidaten für das Bürgermeisteramt beraten.

Kritik an Staßars Entscheidung übt hingegen die Bad Bodenteicher Ratsfrau Dr. Birgit Janßen (Grüne). „So Knall auf Fall zurückzutreten, finde ich wirklich unglücklich“, sagt sie. Auch sie selbst werde die Auswirkungen zu spüren bekommen. „Das ist für seine Stellvertreter eine Belastung“, meint Janßen, die zusammen mit Werner Schulz (CDU) gleichberechtigte Vize-Bürgermeisterin des Fleckens ist.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare