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Bodenteicher Jürgen Wolpers baut Fahrgeschäft von Hugo Haase nach

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Von: Lars Lohmann

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Jürgen Wolpers (rechts) baut aus unzähligen Einzelteilen ein Modell der großen Achterbahn von Hugo Haase.
Jürgen Wolpers baut aus unzähligen Einzelteilen ein Modell der großen Achterbahn von Hugo Haase. © Lohmann, Lars

Zehntausende Teile und hunderte Stunden hat der 86-jährige Jürgen Wolpers bereits in den Nachtbau einer historischen Achtbahn des Fahrgeschäft-Revolutionärs Hugo Haase investiert. Der Bodenteicher war selbst noch 1955 mit der großen Achtbahn als Schausteller in Deutschland unterwegs.

Bad Bodenteich – Es ist eine schier unglaubliche Detailarbeit, der Jürgen Wolpers zurzeit seine volle Aufmerksamkeit widmet. Der 86-jährige Tischlermeister aus Bad Bodenteich baut zusammen mit dem Elektriker Bernd Köhle ein Modell der großen Achterbahn von Hugo Haase nach. Ein Name, der heute nur noch wenigen etwas sagt, dabei galt Haase zu Lebzeiten als Pionier und Revolutionär der Schaustellerbranche. Auch Bad Bodenteich spielt eine Rolle in der Geschichte seines Unternehmens.

„Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, Ende der 1940er, sind die Schausteller mit ihren Fahrgeschäften aus der damaligen DDR nach Bad Bodenteich geflüchtet“, weiß Wolpers. Mit dabei hatten sie unter anderem neben der großen auch die kleine Achterbahn sowie einen Zeppelin. „Was wir heute Achterbahn nennen, wurde damals Achtbahn genannt“, erklärt er. Die Fahrgeschäfte waren auf dem ehemaligen Muna-Gelände untergebracht. Haase selbst war bereits 1933 verstorben.

„Haase war gelernter Schlosser und ein Tüftler und Erfinder“, sagt Wolpers. So baute der 1857 in Winsen/Luhe geborene Haase für den Dom in Hamburg eine Dampfmaschine, um Strom zu erzeugen und als einer der ersten die Fahrgeschäfte mit Elektrizität zum Leuchten zu bringen. 1897 gründete er ein Unternehmen in Rossala im Harz. „Bald hat er seine Fahrgeschäfte in der ganzen Welt verkauft“, berichtet Wolpers. Haase war dann auch der Erste, der Elektrizität als Antrieb für seine Fahrgeschäfte nutzte. Ein Karussell, das „El Dorado“, das ursprünglich in einem Freizeitpark auf Coney Island in den USA stand, steht inzwischen in Japan.

1912 baut Haase die große Achterbahn, die Wolpers gerade nachbaut. „Die Bahn war komplett aus Holz“, erinnert sich der Bodenteicher, der 1955 ein Jahr lang mit den Schaustellern und dem Fahrgeschäft in Deutschland unterwegs war. „Ich war 19, Urlaub gab es nicht – und ich wollte die Welt sehen“, blickt er zurück. Beleuchtet wurde die Bahn von unzähligen Glühbirnen. Es sei eine seiner Aufgaben gewesen, die defekten Birnen auszutauschen. Außerdem machte der Tischler jeden Morgen mit einem Kollegen einen Kontrollgang, um eventuell defekte Schienen oder andere Teile auszuwechseln. „Die Schienen waren aus Ahorn. Heute würde man wohl Kunststoff verwenden“, sagt Wolpers. Bis zu zehn Schlitten konnten bei der Bahn eingesetzt werden. Sie wurden mit einer Kette auf die Spitze gezogen. Abgebremst wurden die Gefährte am Fahrtende mit eingelassen Holzbohlen.

Das Ende von Haase in Bodenteich wurde laut dem 86-Jährigen durch Stahlachterbahnen wie die „Wilde Maus“ Ende der 1950er-Jahre eingeläutet. Außerdem seien die Erben Haases, der keine eigenen Kinder hatte, nicht an der an der Firma interessiert gewesen. „Sie haben nach und nach die Fahrgeschäfte verkauft. Die große Achtbahn ging nach Spanien.“

Das Modell des Fahrgeschäfts, in das der Tischlermeister schon mehr als 900 Arbeitsstunden investiert hat, baut er für eine Ausstellung über Hugo Haase im Winser Marstall. Der Kontakt sei über Darijana Hahn zustande gekommen, die die Ausstellung organisiert und ein Buch über Hugo Haase geschrieben hat. „Sie hat hier vor Jahren einen Vortrag gehalten und da habe ich ihr von der Zeit in Bodenteich berichtet“, schildert Wolpers. Das Modell ist zur Ausstellungseröffnung nicht rechtzeitig fertig geworden.

„Sobald es so weit ist, laden wir es auf und bauen es in Winsen wieder auf“, sagt der 86-Jährige. Noch seien einige Arbeiten zu erledigen. So müssen noch unzählige Querstreben angebracht und das Holz lackiert werden. Wie die Achterbahn aussieht, weiß Wolpers aus der Erinnerung und von Fotos, die er 1955 geschossen hat. „Es ist mein Hobby und eine Beschäftigung“, sagt er über den imposanten Nachbau.

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