Bad Bodenteicher organisiert seit 30 Jahren den Transport von Hilfsgütern nach Polen

Berni Nowak kennt keine Grenzen

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Ein Dankeschön für die Unterstützung: Rund 50 Helfer hatte Berni Nowak (knieend) im Laufe der 30 Jahre, in denen er die Transporte von Spenden organisiert. Bei einem großen Wiedersehen im TuS-Treff bedankte sich der Bodenteicher bei ihnen.

Bad Bodenteich. Berni Nowak war Gärtner, Florist, BGS-Beamter und zuletzt bis zu seiner Pensionierung drei Jahrzehnte lang Leiter des Kinder- und Jugendzentrums in Bad Bodenteich. In der Fleckengemeinde kennt ihn jedes Kind.

Bevor er „JuZler“ wurde, war er 1981 als Referent für Jugendarbeit beim DRK Uelzen tätig und unter anderem zuständig für die Koordinierung der Spendeneingänge und Hilfstransporte. Einer dieser Hilfstransporte führte ihn erstmals in die Heimat seiner Vorfahren nach Oberschlesien.

Es waren die schlechte soziale Lage in Polen, die politischen Unruhen und das über das Land verhängte Kriegsrecht, die den damaligen Spieß der 6. BGS-Hundertschaft in Bad Bodenteich, Viktor Kleinmichel, vor dreißig Jahren veranlassten, mit seinem Ex-Kameraden ein gut gemeintes Wort zu sprechen: „Berni, fahr‘ doch mal wieder in unsere ehemalige Heimat.“

Eigentlich wollte Nowak nach dem ersten Hilfstransport nicht mehr in den damaligen Ostblock fahren. „Das stundenlange Warten an den Grenzen zur DDR und nach Polen, die Kontrollen auch im Hinterland, die katastrophalen Straßenverhältnisse, das alles konnte ganz schön nerven.“ Bis es dann zur „verhängnisvollen“ Begegnung mit seinem ehemaligen Spieß kam.

Der ehemalige Grenzschützer kannte dann keine Grenzen mehr, fasste sich ein Herz und organisierte 1982 erstmals eigenverantwortlich einen Hilfstransport jenseits des Eisernen Vorhangs nach Polen und kann nun nach dreißig Jahren auf einen regelmäßigen deutsch-polnischen Hilfsdienst zurückblicken. Früher nur mit einem Kleinbus ausgerüstet, bringt er heute mit seinem Transporter mitsamt Anhänger jedesmal gut anderthalb Tonnen Hilfsgüter zu Alten- und Kinderheimen, zu kirchlichen Einrichtungen und zu kinderreichen Familien.

Berni und seine Helfer organisieren aus privaten Haushalten gebrauchte Kleidung und Möbel für jung und alt, dazu werden ihnen Medikamente aus Arztpraxen oder Apotheken überlassen. Ganz besonders stolz ist Nowak auf seine „Fusselgirls“. So nennt er gern die Damen, die vor den Reisen die Kleidung ehrenamtlich auf ihren Gebrauchswert hin sortieren. Der Bedarf an Hilfsgütern wird in der Regel durch persönliche Kontakte in Polen ermittelt. Auch hier kann sich Nowak auf einen guten Freundeskreis verlassen. Und dann geht es zwei bis drei Mal im Jahr auf die Reise. Immer zu unterschiedlichen Orten und Jahreszeiten. Da ist man flexibel. In Abständen führt der Weg nach Schlesien, Masuren, an die Ostseeküste oder nach Westpommern, immer abhängig zwischen einer festgesetzten Nord- oder Südroute.

„In den ersten Jahren waren wir vier bis fünf Tage unterwegs, haben die Güter auch nachts angeliefert. Heute läuft alles etwas ruhiger ab, sind wir schon mal bis zu zehn Tagen unterwegs und denken nach getaner Arbeit auch an den Besuch touristischer Ziele“, erzählt Berni Nowak.

Und mit „wir“ meint er meistens bis zu zwei weitere Personen, die ihn auf den Reisen begleiten. Rund 50 waren es schon in den vergangenen dreißig Jahren, die natürlich keine kostenlose Erholungsfahrt vor sich hatten. „Bis zum letzten Jahr musste ich mir für die Reisen Urlaub nehmen“, grient Berni, der seit einigen Monaten seinen (Un)Ruhestand genießt. Die Kosten für die Fahrten, für die Unterkunft und Verpflegung werden von allen Transportteilnehmern selbst getragen. Und mit anpacken können sollten die Mitfahrer schon. Begegnungen hat es eine Menge gegeben. Und trotz der anfänglichen Armut mitten in Europa, die es heute noch in einigen polnischen Landstrichen gibt, hat es ebenso viel Lebensfreude gegeben, ehrliche Gastfreundschaft und Einladungen zum Essen. Die oberschlesische Heimat des Fürsten Donnersmarck ist auch die Heimat des Reinstorfers Hans Delakowitz, der als Mitfahrer in seinem Geburtsort ein wenig Ahnenforschung betrieb. Innerhalb weniger Minuten fand sich der Hilfstross an einem gedeckten Tisch wider, an dem mit den Einheimischen das „Wiedersehen“ gefeiert wurde.

Durch die direkten und persönlichen Kontakte zu vielen Menschen in Polen habe man Land und Leute kennengelernt und auch viel über die deutsch-polnische Geschichte erfahren, weiß Nowak zu berichten und stellt abschließend fest: „Polen hat sich gut entwickelt“. Vielleicht haben er und seine Freunde ja ein wenig mit dazu beigetragen.

Von Ulrich Bleuel

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