Abschiedskonzert am 20. Januar

Nach 92 Jahren löst sich der Spielmannszug Langenbrügge auf

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Seit 1989 musiziert der Spielmannszug Langenbrügge regelmäßig auf Dorffesten bei der befreundeten Feuerwehr in Höddelsen/Neuekrug (Altmark). Doch aufgrund stetig sinkender Mitgliederzahlen muss der Spielmannszug im Januar 2018 aufgelöst werden.

Langenbrügge. Sie traten bei Schützenfesten im Kreis Uelzen und im Isenhagener Land auf. Seit 1989 waren sie bei Dorffesten in Höddelsen/Neuekrug (Altmark) zu Gast, wo sie gemeinsam mit der dortigen befreundeten Feuerwehr feierten.

Und sie musizierten bei Feuerwehrbällen, gaben Ständchen zu runden Geburtstagen und Hochzeiten ihrer Mitglieder. Die Rede ist von den Musikern des Spielmannszuges der Feuerwehr Langenbrügge. All das wird es in rund drei Wochen aber nicht mehr geben, denn das Ensemble steht kurz vor der Auflösung.

„Alle Leute im Ort sind traurig, dass ein Stück Tradition verloren geht“, sagt Michael Porsch, musikalischer Leiter des Zuges. Doch dieser Schritt, so schwer er auch falle, sei unumgänglich. Denn schon seit Jahren habe der 1926 gegründete Spielmannszug immer weniger Mitglieder. „Zuletzt hatten wir nur noch um die 15 Musiker“, berichtet Porsch. Das reiche aber nicht aus, um spielfähig zu sein.

Ganz anders sah es noch in den 1980er-Jahren aus, als die geburtenstarken Jahrgänge im Teenager-Alter waren. „Damals sind 28 Jungs zu uns gestoßen. Zwölf von ihnen sind bis heute dabeigeblieben“, erinnert sich Porsch, der zugleich Langenbrügges Ortsbrandmeister ist. Doch der demografische Wandel und die Veränderungen im Berufsleben haben nicht vor dem Spielmannszug haltgemacht. „Die Teenager von damals sind heute 45 oder 46 Jahre alt und haben nach der Arbeit keine Zeit mehr, gemeinsam zu üben und etwas Neues zu entwickeln“, bedauert Porsch.

Anders als in früheren Jahrzehnten leben die meisten Mitglieder des Spielmannszuges nicht mehr in Langenbrügge. Sie sind aus beruflichen Gründen nach Uelzen, Ebstorf, Hamburg oder Wolfsburg gezogen. „Wenn sie abends nach Hause kommen, möchten sie lieber etwas mit ihrer Familie und den Kindern unternehmen“, erzählt der 56-jährige Porsch, der seit 1977 der Langenbrügger Wehr und dem Spielmannszug angehört.

Verändert haben sich auch die Freizeit-Interessen der Jugendlichen. Nahm Musizieren früher einen größeren Stellenwert ein, beschäftigen sich viele Teenager heute lieber mit dem Computer. Daher melden sich kaum noch junge Leute im Langenbrügger Spielmannszug an – anders als in der Ortswehr, deren Mitgliederzahl seit Jahren stabil ist.

„Wir hatten immer gedacht, dass wir unser hundertjähriges Bestehen noch schaffen“, sagt Porsch. Aber die Hoffnung werde sich nicht erfüllen. Auf zwei Versammlungen habe sich die große Mehrheit der Mitglieder für die Auflösung des Spielmannzuges entschieden. „Wir gehen diesen Schritt, um unsere Kameradschaft und das Miteinander nicht auf den Prüfstand zu stellen“, erklärt Porsch.

Am 20. Januar, beim Festkommers vor dem Feuerwehrball in der Langenbrügger Festscheune Brink, wird der Spielmannszug sein Abschiedskonzert geben. Danach werden die Instrumente für immer verstummen.

Von Bernd Schossadowski

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