Anbieter verlangt 1178 Euro für eine kleine Anzeige

Bad Bodenteicher Geschäftsfrau wird Opfer einer betrügerischen Firma aus Serbien

Eine Frau hält einen Telefonhörer in der Hand.
+
Abzocke am Telefon: Eine Bad Bodenteicherin ist einer betrügerischen Firma, die ihr eine völlig überteuerte Anzeige verkauft hat, auf den Leim gegangen.
  • Bernd Schossadowski
    vonBernd Schossadowski
    schließen

Eine Geschäftsfrau aus Bad Bodenteich ist von einer dubiosen Firma mit Anschrift in Serbien abgezockt worden. Für eine kleine Anzeige in einer angeblichen Bürger-Infobroschüre soll die Frau 1178 Euro zahlen.

Bad Bodenteich – Der Anrufer war freundlich, doch er hatte unlautere Absichten. Diese leidvolle Erfahrung hat jetzt eine Geschäftsfrau aus Bad Bodenteich gemacht. Sie ist auf eine betrügerische Firma hereingefallen, die Gewerbetreibende mit völlig überteuerten Preisen für gewerbliche Anzeigen abzockt.

Der Mann am Telefon sei äußerst geschickt vorgegangen, berichtet die Bad Bodenteicherin, die der AZ bekannt ist, ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte. „Er hat gesagt, er rufe für eine Bürger-Infobroschüre an“, erzählt sie. Daraufhin habe sie geantwortet: „Sie meinen das Aue-Journal?“ Der Anrufer habe so getan, als handele es sich tatsächlich um dieses Printprodukt. Und dann fragte er sie, ob sie ihren bestehenden Anzeigenvertrag verlängern möchte.

Auf Verbraucher- und Anwaltsportalen im Internet wird ausdrücklich vor den betrügerischen Praktiken dieser Firma gewarnt. Doch das wusste die Bad Bodenteicherin nicht. „Ich gebe zu, ich habe das Kleingedruckte nicht gelesen“, sagt sie im AZ-Gespräch. „Die Aufmachung der Anzeige war genauso wie bei C. Beckers.“ Offenbar hatten die Betrüger die in der Ausgabe 2019/2020 des Aue-Journals veröffentlichte Anzeige der Frau dreist kopiert.

Die Summe wird gleich mehrmals fällig

Unglücklicherweise schloss die Bad Bodenteicherin bei der serbischen Firma einen Auftrag ab. Doch als sie später die Rechnung erhielt, glaubte sie ihren Augen nicht zu trauen. „Ich sollte 1178 Euro für die Anzeige bezahlen“, empört sich die Geschäftsfrau. Und nicht nur das: Diese Summe soll drei Mal pro Werbejahr fällig werden, und zwar für zwei Jahre in Folge.

Der Trick der Abzockerfirma: In ihrem Angebot nannte sie einen Netto-Anzeigenpreis von 369 Euro. Dieser bezog sich aber nur auf ein Anzeigenfeld von 30 Quadratzentimetern Größe. Doch die Annonce bestand aus zwei Anzeigenfeldern, somit wurde die doppelte Summe fällig. Hinzu kamen eine sogenannte Farbpauschale und eine Satzpauschale – jeweils im dreistelligen Euro-Bereich.

Bezahlen will sie auf keinen Fall

„Ich werde das auf keinen Fall bezahlen“, sagt die Geschädigte, die die Angelegenheit ihrem Anwalt übergeben hat. „Das ist eine ausgesprochen raffinierte Betrugsmasche. Ich kann andere Anzeigenkunden nur warnen, nicht darauf hereinzufallen.“

Bei der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen ist diese Abzocke nicht unbekannt. „Das ein alter Trick,“, sagt Hans-Dieter Wilhus, Leiter des Fachkommissariats für Betrugsdelikte. Er rät Geschäftsleuten, Anzeigenangebote ganz genau zu lesen und sich notfalls durch einen telefonischen Rückruf zu versichern, dass das Angebot auch seriös ist. „Man sollte vorsichtig sein und nicht leichtfertig etwas abschließen oder Geld überweisen, gerade wenn es sich um Angebote aus dem Ausland, speziell aus Nicht-EU-Ländern, handelt“, empfiehlt er. Stattdessen sollten sich die Anzeigenkunden an die bekannten lokalen Anbieter wenden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare