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Land reaktiviert BGS-Kaserne: Platz für bis zu 600 Geflüchtete in Bad Bodenteich

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Von: Lars Becker

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Die ehemalige BGS-Kaserne in Bad Bodenteich: Aufs eingezäunte und bewachte Gelände darf beispielsweise nur, wer sich eine Corona-Schutzimpfung abholt. Schon bald sollen hier vor allem Ukrainer unterkommen - bis zu 600, so das Land.
Die ehemalige BGS-Kaserne in Bad Bodenteich: Aufs eingezäunte und bewachte Gelände darf beispielsweise nur, wer sich eine Corona-Schutzimpfung abholt. Schon bald sollen hier vor allem Ukrainer unterkommen - bis zu 600, so das Land. © Lars Becker

Was nach Informationen der AZ bereits Dienstagabend im Kreisausschuss des Landkreises Uelzen besprochen wurde, ist jetzt offiziell: Die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen (LAB) reaktiviert die ehemalige Kaserne des Bundesgrenzschutzes in Bad Bodenteich.

Uelzen/Bad Bodenteich – Dort sollen bereits ab nächster Woche bis zu 600 Erstaufnahmeplätze für Flüchtlinge – „nahezu ausschließlich aus der Ukraine“ – geschaffen werden. Das erklärte das Innenministerium auf eine AZ-Anfrage.

Anlass dafür sei der anhaltende Zugang von Vertriebenen aus der Ukraine und der insgesamt erhöhte Zugang von geflüchteten Menschen nach Niedersachsen. „Wir werden unsere Kapazitäten kurzfristig mit bis zu 1400 weiteren Erstaufnahmeplätzen in der ehemaligen Kaserne Bad Bodenteich und an weiteren Standorten erweitern“, verkündete Innenminister Boris Pistorius (SPD). „Auch für die Kommunen gilt natürlich, dass sie ihre Kapazitäten zur Unterbringung jetzt noch einmal erweitern müssen“, so Pistorius weiter.

Landkreis hatte mit dem Land über Nutzung gesprochen

Die ehemalige BGS-Kaserne in Bad Bodenteich war schon 2015 und 2016 für die Unterbringung von geflüchteten Menschen genutzt worden und dient seither als Reserveliegenschaft der LAB. Mehrfach waren nach Beginn des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine Rufe laut geworden, dass das Land dort Vertriebene unterbringen solle.

Der Landkreis selbst hatte – als er noch zuständig war – darüber Gespräche mit dem Land geführt. Wegen hoher Kosten – etwa für den Bereich Brandschutz – hatte die Kreisverwaltung aber von einer Nutzung abgesehen. Nun nutzt die LAB das Gelände zeitnah zunächst wieder selbst.

Unterbringung zunächst in den Erdgeschossen

„Im ersten Schritt ist die Nutzung der Erdgeschosse geplant. Die Nutzung der Obergeschosse ist nach der Klärung offener Brandschutzfragen voraussichtlich bereits kurzfristig möglich. Die erforderlichen Baumaßnahmen wurden und werden durch das Land beauftragt“, so das Innenministerium. Bislang hat Niedersachsen über 100.000 Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen.

Uelzens Landrat Dr. Heiko Blume sagte gestern in einer Reaktion auf die Nachricht aus Hannover: „Die Entscheidung des Landes zur Nutzung der Liegenschaft in Bad Bodenteich ist in der aktuellen Notsituation grundsätzlich nachvollziehbar. In der praktischen Umsetzung sind Innenministerium und Landesaufnahmebehörde gefordert. Dabei denke ich neben weiteren Punkten zum Beispiel an das Thema hauptamtliche Sozialarbeit.“

In Kürze öffentliche Informationsveranstaltung

Er sei im Gespräch mit Aues Samtgemeindebürgermeister Michael Müller. Man fordere von Ministerium sowie LAB eine sehr zeitnahe erste gemeinsame Besprechung ein. „Wichtig ist, dass auch die vom Ministerium zugesagte öffentliche Informationsveranstaltung in Kürze durchgeführt wird.“

Im Übrigen halte er die Anlage als dauerhafte Flüchtlingsunterkunft für nicht geeignet – „auch vor dem Hintergrund der Einwohnerzahl Bad Bodenteichs und der verkehrlichen Anbindung.“ Welche Organisation den Standort für das Land betreiben wird, steht noch nicht fest. „Aufgrund laufender Verhandlungen können hierzu zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben gemacht werden“, so das Innenministerium gegenüber der AZ.

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