Steigende Verkehrsbelastung in Kritik

Anwohner in Schostorf und Schafwedel ärgern sich: „Hier fährt alles durch“

Eine beliebte Abkürzung: Weil die L 270 in der Bad Bodenteicher Ortsdurchfahrt wegen Bauarbeiten derzeit gesperrt ist, weichen zahlreiche Fahrzeuge auf die Verbindungsstraße zwischen Schostorf und Schafwedel aus.
+
Eine beliebte Abkürzung: Weil die L 270 in der Bad Bodenteicher Ortsdurchfahrt wegen Bauarbeiten derzeit gesperrt ist, weichen zahlreiche Fahrzeuge auf die Verbindungsstraße zwischen Schostorf und Schafwedel aus.

Schostorf/Schafwedel – „Das ist doch nicht normal“, ruft Timo Siwak den vorbeifahrenden Autos hinterher. Er steht gestern Mittag am Rand der Schostorfer Ortsdurchfahrt und schimpft.

„Hier fährt alles durch: Lastwagen, Wohnmobile, Autos, Trecker, Motorräder“, zählt der Schostorfer auf. Zwei Minuten zuvor hat er seine Schwiegermutter über die Straße begleitet – allein hätte sie es wegen des dichten Verkehrs nicht geschafft.

Die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Schostorf und Schafwedel wird derzeit stark als Abkürzung genutzt – sowohl von auswärtigen als auch einheimischen Fahrern. Weil die L 270 in der Bad Bodenteicher Ortsdurchfahrt noch immer gesperrt ist, führt die Umleitung eigentlich über Reinstorf, Röhrsen, Lüder und Langenbrügge (AZ berichtete). Doch dieser Weg ist vielen Fahrern offenbar zu weit. Stattdessen biegen sie in Bad Bodenteich auf die L 265 ab, fahren durch Schostorf und weiter über die Verbindungsstraße nach Schafwedel. Von dort geht es auf der L 266 über Abbendorf zurück auf die L 270 südlich von Bad Bodenteich.

In 30 Minuten fahren 60 Autos vorbei

Und das sind die Folgen: An vielen Stellen sind die Fahrbahnkanten der Verbindungsstraße abgebrochen und die Seitenräume durch die Reifen ausgefahren.

Anwohner in den kleinen Orten sind von der Verkehrsbelastung genervt. Am Donnerstagmorgen hat Siwak, der direkt an der Schostorfer Ortsdurchfahrt wohnt, eine halbe Stunde vor seinem Haus Sand abgeladen. „In dieser Zeit habe ich 60 Autos gezählt, darunter auch mehrere 40-Tonner“, berichtet er.

Ähnlich sieht es in Schafwedel aus. „Das ist hier wie auf einer Autobahn“, wettert Helmut Demming, der an der Straße „Am Heuberg“ wohnt. Sein Schlafzimmer geht zur Straße raus. Den Verkehrslärm hört er Tag und Nacht. „Es ist unmöglich, mit offenem Fenster zu schlafen. Das geht frühmorgens schon los“, klagt er. Und ab 15 Uhr setze in Schafwedel der Feierabendverkehr ein. Eigentlich ist „Am Heuberg“ die Durchfahrt von Fahrzeugen über 7,5 Tonnen per Verkehrsschild verboten. „Aber daran hält sich niemand“, hat Demming festgestellt. Ein entsprechendes Verbotsschild am Ortseingang von Schostorf, aus Richtung Bad Bodenteich, existiert indes nicht.

Und es gibt noch ein weiteres Problem: Durch den Begegnungsverkehr auf der nur etwa vier Meter breiten Verbindungsstraße sind die Asphaltkanten an vielen Stellen abgebrochen, der unbefestigte Seitenraum ist von den Reifen der ausweichenden Fahrzeuge ausgefahren. Dadurch ist eine teilweise 15 bis 20 Zentimeter hohe Kante zur Fahrbahn entstanden. „Der Schwerlastverkehr fährt die Straße völlig kaputt“, ärgert sich Alexander Kahlert, Leiter des Bau-Fachbereichs der Samtgemeinde Aue.

Straßensperrung ist rechtlich nicht möglich

Diese hat jetzt an den Stellen mit den größten Schäden Warnbaken aufgestellt. Mittelfristig muss die Fahrbahn dort erneuert werden. Eine Sperrung der Straße sei rechtlich nicht möglich, sagt Kahlert. Wohl aber hat die Samtgemeinde beim Landkreis eine Begrenzung auf 50 km/h beantragt. Denn die gefahrene Geschwindigkeit ist dort häufig zu hoch.

„Es ist wegen des nicht zu akzeptierenden Verhaltens der Verkehrsteilnehmer genau das eingetreten, was wir mit der Sperrung der Kanalstraße zwischen Bad Bodenteich und Lüder verhindern wollen“, erklärt Kahlert. Wie berichtet, hatte die Samtgemeinde die Verbindung am Elbe-Seitenkanal vor Kurzem für zunächst vier Wochen gesperrt, um Fahrbahnschäden durch den Ausweichverkehr zu verhindern. „Hätten wir das nicht gemacht, würde die Kanalstraße in Schutt und Asche gefahren“, befürchtet Kahlert. VON BERND SCHOSSADOWSKI

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare