Anwohner der L 270 in Langenbrügge machen sich für Ortsentlastungsstraße stark

Angst vor Lkw im Haus

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Links die Lärmschutzwand, rechts eine Leitplanke: Die Langenbrügger stehen vor dem Haus von Heinz-Ludwig Jütte und haben dem Schwerlastverkehr den Kampf angesagt.

Langenbrügge. „Die leeren Lkws sind die schlimmsten“, sagt Friedrich Fischer, „denn die klappern besonders laut, wenn sie über die Löcher in der Straße fahren.“ Friedrich Fischer wohnt an der Lindenstraße – so heißt die Landesstraße 270 in der Ortschaft Langenbrügge.

Der Verkehr und besonders der Schwerlastverkehr rauben ihm die Nerven. Aber eben nicht nur ihm, sondern eigentlich allen Anwohnern der Lindenstraße.

Das Haus von Heinz-Ludwig Jütte beispielsweise steht mitten im Ort direkt in einer Linkskurve, wenn man von Bad Bodenteich hineinfährt. „Innerhalb der letzten zwölf Jahre sind sechs Leute mit ihren Autos in unser Haus gefahren“, beklagt sich Jütte und zeigt auf seine neue Haustür. Die meisten der Anwohner der Langenbrügger Lindenstraße sind sich einig: Eine Ortsentlastungsstraße muss her.

„Es darf nicht nur aus Bad Bodenteicher Sicht gesehen werden, sondern auch aus Langenbrügger Sicht“, betont Marie-Luise Stünkel. Bei ihr versammelte sich gestern ein Kreis von Anwohnern, um zu überlegen, wie das Vorhaben beschleunigt werden könnte. Mit dabei: der Bad Bodenteicher Ratsherr Heinz-Joachim Priebe. „Ich bin nur aus diesem Grund noch mal in den Rat gegangen“, so Priebe, der in keiner Partei aktiv ist. Sein Plan: Bei der Ortsentlastungsstraße sollen, so weit es geht, bestehende Wege und Straßen genutzt werden. Doch die Zeit drängt, denn die Entlastungsstraße muss an einer Stelle die Trasse der Autobahn 39 kreuzen. „Seine“ Ortsentlastungsstrecke führt von Uelzen aus kommend in Höhe Häcklingen nach Osten an Schostorf vorbei und knickt kurz vor Schafwedel ab. Von dort führt sie wieder hinter Langenbrügge auf die ursprüngliche L 270.

Der Rat der Gemeinde Bad Bodenteich will nun einen Arbeitskreis ins Leben rufen (die AZ berichtete). Doch das geht Priebe alles nicht schnell genug. „Wir müssen jetzt die Leute überzeugen und am besten mit einer Verkehrszählung starten, um den zuständigen Behörden Zahlen vorlegen zu können“, motiviert Priebe die Langenbrügger. Friedrich Fischer hat sich bereits die Mühe gemacht, eine Stunde lang die Fahrzeuge zu zählen. Insgesamt waren es 180, davon 21 Lkws.

Ulla Labbé ist vor zwölf Jahren nach Langenbrügge gezogen: „Wir haben gedacht, es ist nur eine Landesstraße.“ Ihr geht es wie Heinz-Ludwig Jütte. Wenn der Langenbrügger abends Fernsehen guckt und ein Lkw am Haus vorbeifährt, dann hört er nichts mehr. „Wir freuen uns immer schon, wenn der Sonntag kommt. Dann ist Ruhe“, sagt Stünkel.

Jütte hat sich schon selbst beholfen. Er hat sich eine Lärmschutzwand gebaut – für 14 000 Euro. Eine Angst bleibt ihm aber immer noch: „Wenn ein Lkw ins Haus fährt, dann ist der Bock fett.“

Von Jörn Nolting

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