Die Angst vor Schlägen sitzt tief / Ausstellung über Vertreibung

14 Flüchtlinge besuchen Oberschule Bodenteich – viele sind traumatisiert

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Der Bildungsreferent des Volksbundes, Karl-Friedrich Boese (rechts), und der Geschäftsführer des Bezirksverbandes, Jan Effinger (2. von rechts), erläuterten Lehrern und Schülern die neue Ausstellung in der Oberschule Bad Bodenteich über Flucht und Vertreibung.

Bad Bodenteich. „Es ist hilfreich, auf die Geschichte zu schauen und sich zu fragen: Was können wir daraus lernen? Und wie können wir die Menschen, die zu uns geflüchtet sind, abholen?“ So beschreibt Jan Effinger, Geschäftsführer des Bezirksverbandes Lüneburg/Stade im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, den Hintergrund der Wanderausstellung über Flucht und Vertreibung, die zurzeit in der Pausenhalle der Oberschule Bad Bodenteich zu sehen ist.

„Geflohen, vertrieben – angekommen!?“ lautet der Titel der Schau, die Aspekte der Migration beleuchtet.

„Das ist wirklich ein aktueller Bezug“, sagt Schulleiterin Mingo Hartmann. Das bezieht sie nicht nur auf die große Zahl der Asylsuchenden, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sind. Auch die Tatsache, dass zurzeit 14 Flüchtlinge – sie sind alle männlich und stammen zumeist aus Afghanistan, Syrien und Irak – die Oberschule besuchen, schlage einen inhaltlichen Bogen zur Ausstellung des Volksbundes.

Alle Flüchtlinge an der Oberschule nehmen am regulären Unterricht innerhalb eines Klassenverbandes teil – und nicht in einer gesonderten Gruppe. „Viele von ihnen sind allein reisende Jugendliche. Auf der Flucht haben sie Traumatisierendes erlebt“, erklärt Mingo Hartmann. Die Integration in den Bad Bodenteicher Schulalltag funktioniere deshalb bei manchen besser, bei anderen schlechter.

Das bestätigt Deutschlehrer Bernhard Steinert, der den Neuankömmlingen Sprachunterricht gibt. „Die Mehrzahl der Flüchtlinge an unserer Schule verhält sich auffällig. Sie haben ein hohes Aggressionspotenzial und Probleme, sich an soziale Verhaltensregeln zu gewöhnen“, berichtet er. Das sei aber auch nachvollziehbar, denn in ihrer Heimat seien Schläge in der Schule weit verbreitet. „Die Flüchtlinge müssen lernen, dass sie Konflikte bei uns nicht mit Schlägen austragen, dass sie andere Schüler im Unterricht ausreden lassen und sie ohne Angst vor Schlägen die Regeln einhalten“, erläutert Steinert.

Doch es gibt ein großes Problem: Zwar kümmern sich derzeit zwei Schulsozialpädagogen um die Flüchtlinge, doch auf den Besuch eines Schulpsychologen wartet die Oberschule noch immer. „Wir brauchen dringend einen“, betont Steinert. Einen Termin habe die Landesschulbehörde noch nicht anbieten können. Das sei aber demnächst geplant. Bis dahin müsse die Schule eben noch warten.

Von Bernd Schossadowski

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