Posse um Tierhaltung in Bad Bodenteich

Amt entscheidet: Papageien Buffy und Chicco dürfen sich nicht vermehren

Ottmar Brandt hält Papagei Buffy auf dem Arm, daneben sitzt Chicco auf einem Ast in seiner Voliere.
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Hobbyhalter Ottmar Brandt mit seinen Kongo-Graupapageien Chicco (rechts) und Buffy. Weil sich die Herkunft des männlichen Tieres nicht mehr nachweisen lässt, hat der Landkreis Uelzen angeordnet, dass sich die beiden Tiere nicht vermehren dürfen.
  • Bernd Schossadowski
    vonBernd Schossadowski
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Bad Bodenteich – Ottmar Brandt aus Bad Bodenteich ist stolz auf sein Graupapageien-Pärchen Buffy und Chicco. Doch weil für das männliche Tier kein Herkunftsnachweis vorliegt, hat der Landkreis Uelzen jetzt angeordnet, dass sich die beiden Tiere nicht vermehren dürfen. Dafür fehlt Brandt jegliches Verständnis.

Bad Bodenteich – Vom Trubel, der um ihn entstanden ist, ahnt Chicco nichts. Entspannt sitzt der Kongo-Graupapagei in seiner Voliere im Garten von Ottmar Brandt in Bad Bodenteich und beäugt Besucher mit klugem Blick. „Na, Chicco, du bist ein Illegaler“, sagt Brandt mit leisem Spott. Wäre die Angelegenheit nicht so traurig, müsste er eigentlich darüber lachen. Doch dazu ist dem 61-Jährigen nicht zumute, denn um die Haltung des Papageien ist eine Posse entstanden.

Der Landkreis Uelzen hat dem Bodenteicher nämlich mitgeteilt, dass er Chicco beschlagnahmt und ein Verfügungsverbot angeordnet hat. Zwar verbleibt das zehn Jahre alte Tier bei Brandt, es darf aber nicht zur Zucht eingesetzt werden. Außerdem muss Brandt dafür sorgen, dass der Papagei nicht entflieht. Und das alles nur, weil für Chicco der offizielle Herkunftsnachweis fehlt.

Im Januar hatte Brandt ein Graupapageien-Pärchen – Chicco und dessen 15 Jahre alte Partnerin Buffy – von einer Halterin aus dem Landkreis Kassel übernommen. Wegen einer schweren Erkrankung konnte sich die Frau nicht mehr um die Tiere kümmern. Deshalb sprang Brandt ein. Doch plötzlich begann der Ärger: Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) verlangte von Brandt Herkunftsdokumente für beide Papageien. Im Fall von Buffy konnte nachgewiesen werden, dass sie nicht aus einem illegalen Fang in Afrika stammt, sondern eine deutsche Nachzucht ist, die in Gefangenschaft geboren wurde.

Trotz intensiver Bemühungen gelang es jedoch nicht, entsprechende Unterlagen für das Männchen aufzutreiben. Und so verliert sich die Spur zu seiner Herkunft. Dass aber auch Chicco in Gefangenschaft geboren wurde, liegt für Brandt auf der Hand, denn der Papagei ist sehr zutraulich. Fakt ist aber, dass für Chicco keine Vermarktungsgenehmigung vorliegt.

Brandt kann nicht verstehen, warum der Landkreis Uelzen ihm so strenge Auflagen erteilt hat und er für den schriftlichen Bescheid eine Gebühr von mehr als 72 Euro zahlen muss. „Und jetzt soll ich auch noch verhindern, dass die beiden Papageien sich vermehren. Ich finde das krass“, schimpft er. Mit Blick auf eine mögliche Paarung ahnt Brandt aber schon: „Die Natur findet ihren Weg.“

Hinzu komme, dass es sich bei Kongo-Graupapageien um eine bedrohte Art handele. Jetzt solle er sicherstellen, dass seine beiden Tiere keine Nachkommen in die Welt setzen. „Das verstehe ich nicht. Wo ist da der Menschenverstand?“, fragt sich Brandt.

Dagegen verweist NLWKN-Pressesprecherin Bettina Dörr auf die Rechtsvorschriften. Diese zielten auf den Schutz der Wildpopulationen durch Überwachung des Handels ab. „Der verbotene Handel mit geschützten Tier- und Pflanzenprodukten rangiert weltweit an vierter Stelle in der organisierten Kriminalität hinter Drogenhandel, Menschenhandel und Produktpiraterie“, erklärt Dörr auf AZ-Anfrage.

Das Zuchtverbot für dieses Papageienpaar habe auch keine Auswirkungen auf den Erhalt dieser Art. „Beim Graupapagei handelt es sich um eine gut zu züchtende Art. Der Nachfrage aus dem Heimtiermarkt kann mit den aktuell aus legaler Nachzucht erzielten Jungtieren problemlos begegnet werden“, sagt Dörr. Für die Umsetzung des Zuchtverbots sei es auch nicht notwendig, die Verpaarung zu unterbinden. Es müsse lediglich das Ausbrüten der Eier verhindert werden, zum Beispiel durch deren Austausch gegen Attrappen.

Eine unbürokratische Lösung sei in diesem Fall nicht möglich, betont Dörr: „Die nachträgliche Ausstellung einer Vermarktungsgenehmigung ohne den Nachweis der Legalität wäre in mehrfacher Hinsicht rechtswidrig.“

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