Gefährlich nur auf dem Papier

Ärger um Minibullterrier Heidi: Kuckstorferin soll zehnfache Hundesteuer zahlen

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Sandie Massa spielt gern mit ihrer Minibullterrierhündin Heidi. Die Kuckstorferin kann nicht verstehen, warum Heidi pauschal als gefährlich eingestuft wird und sie deshalb 600 statt 60 Euro Hundesteuer pro Jahr zahlen muss.

Kuckstorf – Ihren orangen Ball hat Heidi ins Herz geschlossen. Begeistert jagt die Minibullterrierhündin dem Gummispielzeug hinterher. Sie ist ein verspieltes Tier mit freundlichem Wesen. „Heidi ist zu lieb“, sagt ihr Frauchen Sandie Massa aus Kuckstorf.

Noch nie hat die 20 Monate alte Hündin jemanden gebissen. Umso unverständlicher ist für Sandie Massa, dass Heidi vom Flecken Bad Bodenteich als gefährlicher Hund eingestuft worden ist. Die Folge: Die Kuckstorferin muss nicht 60 Euro, wie es die Satzung für den ersten Hund vorsieht, sondern 600 Euro Hundesteuer pro Jahr zahlen.

„Wie kann das sein? Das darf nicht sein“, ärgert sich Sandie Massa, die als Hundefrisörin arbeitet. Die Einstufung Heidis beruht auf einer Liste des Landes Niedersachsen aus dem Jahr 2004, auf der einige Hunderassen pauschal als gefährlich deklariert sind. Seit 2011 gibt es diese Liste landesweit nicht mehr, doch der Flecken Bad Bodenteich bezieht sich noch immer darauf. „Damit bin ich nicht einverstanden“, sagt Sandie Massa. „Es kann nicht sein, dass ein Minibullterrier nur aufgrund seiner Optik als gefährlich eingestuft wird.“

Die gebürtige Französin ist vor drei Monaten aus Hamburg, wo sie 17 Jahre gelebt hat, nach Kuckstorf gezogen. In der Hansestadt hat sie jährlich 90 Euro Hundesteuer gezahlt. Der um 510 Euro höhere Steuersatz in Bad Bodenteich reißt bei Sandie Massa ein Loch in die Kasse. „Einen zweiten Minibullterrier, meinen Traum, kann ich mir damit nicht mehr leisten“, beklagt sie.

Das Ganze sei aber keine Verwaltungswillkür, sondern eine politische Entscheidung, betont Bad Bodenteichs Gemeindedirektor Hendrik Kunitz im AZ-Gespräch. Der Fleckenrat habe – ebenso wie die Räte in Soltendieck und Lüder – seinerzeit entschieden, sich bei der Hundesteuersatzung an der Rassenliste des Landes zu orientieren. „Bullterrier werden dort explizit als gefährlich genannt“, erklärt Kunitz. Dass Niedersachsen diese Liste inzwischen abgeschafft hat, sei unerheblich – die Satzung des Fleckens sei weiterhin rechtsgültig und könne nur durch einen Ratsbeschluss geändert werden. Die Verwaltung habe keinen Ermessensspielraum.

Anders sieht das in der Nachbargemeinde Wrestedt aus. Dort orientiert sich die Satzung nicht an einer Liste. Vielmehr gilt ein Hund dann als gefährlich, wenn ein Veterinär ihn begutachtet und als solches eingestuft hat, erläutert Kämmerer Frank Burmester. Doch jeder Tierarzt würde Heidi für ungefährlich halten, ist Sandie Massa überzeugt. Sollte ein Hund, egal welcher Rasse, vom Charakter und Verhalten her aber tatsächlich als gefährlich bewertet werden, müsste dessen Halter in Wrestedt sogar 840 Euro pro Jahr zahlen.

Sandie Massa kann die Ungleichbehandlung bei der Hundesteuer nicht nachvollziehen. „Ich habe schon etliche bissige Yorkshire und West Highland Terrier erlebt, aber die stehen nicht auf der Rassenliste“, sagt sie. Deshalb hat sie jetzt einen Anwalt eingeschaltet und Klage gegen den Flecken eingereicht.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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