Anwohnerin wirft Gemeinde Barum Geheimniskrämerei vor

Zwist um geplantes Güllesilo in Tätendorf-Eppensen

Landwirte in der Region nutzen Gülle als Dünger, gleichzeitig soll eine Humusschicht aufgebaut werden. Der geplante Bau eines Güllesilos bei Tätendorf-Eppensen soll heute im Gemeinderat Barum vorgestellt werden.
+
Landwirte in der Region nutzen Gülle als Dünger, gleichzeitig soll eine Humusschicht aufgebaut werden. Der geplante Bau eines Güllesilos bei Tätendorf-Eppensen soll heute im Gemeinderat Barum vorgestellt werden.
  • Lars Lohmann
    vonLars Lohmann
    schließen

Ein von mehreren Landwirten geplantes Güllesilo bei Tätendorf-Eppensen sorgt jetzt für Diskussionen innerhalb der Gemeinde Barum. Das Silo soll rund 500 Meter entfernt von der Obstscheune entstehen und 6500 Kubikmeter fassen.

In einem offenen Brief mit dem Titel „Das Güllesilo oder die Geheimniskrämerei stinkt zum Himmel“ wirft die Eppenserin Petra Vollmer der Gemeinde und den Ratsmitgliedern vor, das Vorhaben der Landwirte durchwinken zu wollen, ohne die betroffenen Bürger zu informieren.

„Ich bin enttäuscht, dass es keine frühzeitige Information der Bevölkerung gab. Das Vorhaben sollte klammheimlich durchgewunken werden“, sagt Petra Vollmer im AZ-Gespräch. Dabei gehe es ihr nicht um die pauschale Beschimpfung von Landwirten, sondern um aus ihrer Sicht noch ungeklärte Fragen. Zum Beispiel, wer den erforderlichen Ausbau der Straßen bezahlt, wer die Haftung bei Unfällen übernimmt und was mit Emissionen ist.

„Rechtlich mag zwar alles in Ordnung sein, aber es gehört doch in die Öffentlichkeit und sollte nicht hinter verschlossenen Türen verabschiedet werden“, meint Vollmer. Sie persönlich hält das Vorhaben für einen falschen Weg der Landwirtschaft. „Mit Schwerlasttransporten wird Gülle aus Massentierhaltung über hunderte Kilometer über Land gekarrt, um sie auf hiesigen Feldern auszubringen“, schildert sie. Das sei ökologischer Wahnsinn.

Barums Bürgermeister Hermann Kalinowski weist den Vorwurf, die Öffentlichkeit nicht informieren zu wollen, von sich. „Es ist ein Thema von großem Interesse und deshalb gehen wir ja extra ins Kurhaus nach Bevensen“, sagt er und verweist auf die heute ab 19 Uhr stattfindende Ratssitzung. Man habe auch extra eine Testmöglichkeit im Testzentrum im Wandelgang ab 18 Uhr organisiert. „Niemand, der die Sitzung besuchen will, ist zum Testen verpflichtet. Wünschenswert wäre es aber“, sagt Kalinowski. Früher Auskunft habe er auch aus Gründen der Verschwiegenheitspflicht von Amtspersonen nicht geben können. Da helfe es auch nicht, ihn und die anderen Ratsmitglieder an den Pranger zu stellen.

Ansonsten schenkt der Bürgermeister reinen Wein ein: „Als Gemeinde können wir den Bau nicht verhindern.“ Es handele sich um privilegiertes Bauen im Außenbereich, bei dem alle Genehmigungen von Seiten des Landkreises gegeben würden. Die Gemeinde könne zwar ihr Einvernehmen verweigern, aber der Landkreis dies einfach ersetzen.

„Da darf ich den Menschen nichts suggerieren, was unmöglich ist“, erklärt Kalinowski und verweist auf das Beispiel des Streits um den Bau eines Schweinestalls in Melzingen, bei dem die Gemeinde Schwienau das Einvernehmen verweigert hatte und es am Ende vom Landkreis ersetzt wurde. „Da muss ich dann auch den Popo in der Hose haben und den Menschen sagen, dass es hier genauso laufen würde“, betont Barums Bürgermeister. Dass das Silo nicht gerade Begeisterungsstürme auslöse, könne er nachvollziehen. „Aber Recht und Gesetz sind so und wir können es nicht einfach ignorieren, wenn es einem nicht passt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare