Zwei Stunden am Sonnabend

Bad Bevensen. Keine Frage: Mit dem Angebot und den Leistungen der Bibliotheksmannschaft sei man überaus zufrieden, schickte Jürgen Hinrichs, Sprecher der SPD/WBB/Grünen-Gruppe des Bevenser Samtgemeinderates in der Sitzung des Bibliotheksausschusses am Mittwoch vorweg. Doch man wolle das Angebot der Bibliothek im Griepe-Haus gern erweitern und eine Sonnabend-Öffnung forcieren. Einem entsprechenden Antrag der Ratsgruppe stimmten die Ausschussmitglieder nach eingehender Beratung zu.

Der gleiche Antrag wurde noch im Mai vergangenen Jahres abgelehnt (die AZ berichtete). Und auch dieses Mal tat man sich nicht ganz leicht mit der Entscheidung. Denn einerseits soll die Öffnungszeit am Sonnabend keine Mehrkosten verursachen, andererseits aber mehr Besucher in die Bibliothek holen. Letzteres aber würde langfristig Mehrkosten verursachen, gab stellvertretender Samtgemeindebürgermeister Hans-Jürgen Kammer den Politikern zu bedenken, denn die Personaldecke in der Bibliothek sei schon jetzt „am unteren Level“ angesiedelt.

Die Politik aber will dennoch einen Versuch starten und damit Kundenfreundlichkeit demonstrieren, denn mit der Öffnung am Sonnabend hätten auch Bürger aus dem Samtgemeindegebiet die Chance, das Angebot der Bibliothek zu nutzen – schließlich ist selbige eine Einrichtung der Samtgemeinde, gab die Ausschussvorsitzende Erika Logemann zu bedenken (SPD). Eckhard Warnecke (CDU) forderte allerdings, dass auch geprüft werden muss, ob an den Sonnabenden tatsächlich neues Publikum kommt oder ob sich nur Besuchszeiten von Stammkunden verlagern.

Für eine Probezeit von maximal zwei Jahren soll die Bibliothek also sonnabends von 10 bis 12 Uhr geöffnet sein, montags ist dafür geschlossen. Insgesamt wäre das Griepe-Haus damit eine Stunde weniger pro Woche geöffnet. Wo da die Kundenfreundlichkeit sein soll, wollte eine Zuhörerin wissen und fügte, erzürnt über das geplante Konzept, hinzu: „In so einem kleinen Kaff hier ist das völlig überflüssig!“

Dennoch: Die Verwaltung wird jetzt versuchen, die neuen Öffnungszeiten mit einem Schichtsystem für die Mitarbeiter zu organisieren, kündigte Hans-Jürgen Kammer an. Und nach Meinung von SPD, WBB und Grünen sollten auch Ehrenamtliche eingebunden werden. Allerdings, so wurde in der Diskussion deutlich, könne man nie sicher sein, dass Ehrenamtliche überhaupt gefunden werden und diese dann auch noch einsatzbereit sind, wenn man sie braucht.

Bibliotheksleiterin Ina Heuer jedenfalls war ihr Missfallen deutlich anzumerken. Sie wies die Politik darauf hin, dass laut Büchereizentrale mit dem derzeitigen Personalstand von 2,5 Stellen 15 Öffnungsstunden empfohlen werden. Tatsächlich aber ist die Bibliothek 28 Stunden in der Woche für ihre Besucher da.

Und zu dem Wunsch der Politik, die Ausleih- und Besucherzahlen mögen mit den neuen Öffnungszeiten steigen, sagte Heuer einen Satz, der ihr als Büchereileiterin äußerst schwer fiel: „Glücklicherweise steigen die Zahlen im Moment nicht, denn wir schaffen es jetzt schon nicht mehr...“

Von Ines Bräutigam

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