Zuschüsse reichen nicht aus

Dieser Kurhaus-Entwurf sollte eigentlich umgesetzt werden: ein Solitärgebäude in Nachbarschaft zur Therme. Mit den geschrumpften Zuschüssen ist er allerdings in dieser Form nicht mehr umzusetzen. Skizze: Lüderwaldt Architekten, Köln

Bad Bevensen. Ende April war es noch ein vages Bangen um die Höhe der Zuschüsse für einen Kurhaus-Neubau. Inzwischen sind die Bad Bevenser Stadtväter ein Stückchen schlauer: Nachdem die Förderrichtlinien des Landes, wie berichtet, dahingehend geändert wurden, dass es statt 75 nunmehr noch 50 Prozent Zuschüsse gibt und die auch noch auf eine Million Euro gedeckelt sind, hat den stellvertretenden Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammer die Nachricht ereilt, dass die Bevenser mit lediglich einer Million Euro Förderung der N-Bank rechnen dürfen.

„Mit einer Million Euro ist das Projekt unterfinanziert“, sagt Kammer. Im Klartext: Ein Kurhaus-Neubau ist mit dieser Fördersumme nicht realisierbar. Noch habe man zwar nichts schriftlich, sagt der Vize-Rathauschef, über den Antrag der Stadt wurde noch nicht entschieden. Die Marschrichtung wurde aus Hannover aber bereits mündlich mitgeteilt. Seitens der N-Bank gebe es eine entsprechende Empfehlung an das Wirtschaftsministerium, weiß Hans-Jürgen Kammer.

Das Bad Bevenser Kurhaus soll und muss moderner und vor allem energiesparender gestaltet werden. Foto: Ph. Schulze

Auch wenn ein Neubau des Kurhauses nun erstmal in die weitere Zukunft gerückt ist, wollen die Bevenser keine Katerstimmung aufkommen lassen. „Unser Förderantrag bleibt jetzt weiter in Hannover“, kündigt Hans-Jürgen Kammer an. Denn die Bevenser haben Signale vernommen, nach denen die Änderung der Förderrichtlinien möglicherweise zurückgenommen werden könnte. Denn offensichtlich gibt es noch reichlich Fördermittel, die bis zum Ende der Förderperiode 2013 ausgegeben sein müssen. „Unser Antrag geht dann in die nächste Runde“, so Kammer. Parallel dazu prüft die Verwaltung nun Alternativen zu dem geplanten Neubau. So hat ihr die Politik den Auftrag erteilt, andere Neubau-Entwürfe genauer unter die Lupe zu nehmen. Und zwar solche, die im Rahmen des Architekten-Wettbewerbs eingegangen waren und kostengünstiger zu realisieren sind als der Entwurf, der von einer Jury den ersten Preis bekommen hatte. Die Netto-Kosten eines Neubauprojektes, so wurde festgesetzt, sollen 5,5 Millionen Euro nicht überschreiten.

Eine weitere Alternative wäre eine Instandsetzung des jetzigen Kurhauses. Diese Option wird derzeit ebenfalls geprüft, die hierfür erforderlichen Ko-sten werden ermittelt „Eine Instandsetzung wäre aber die schlechteste Lösung“, betont Hans-Jürgen Kammer, denn auch hierfür müsse man mit „einem hohen siebenstelligen Betrag“ rechnen.

Obendrein muss für den Fall einer Sanierung rechtlich geprüft werden, ob und zu welchen Konditionen die Stadt Bad Bevensen das Kurhaus übernehmen kann. Denn Eigentümerin des Kurhauses ist die Kurgesellschaft Bad Bevensen, deren Gesellschafter zu 58 Prozent der Landkreis Uelzen und zu 42 Prozent die Stadt Bad Bevensen sind. Will ein Gesellschafter das Gebäude übernehmen, müssen vor allem steuerliche Dinge geklärt werden, sagt Hans-Jürgen Kammer. Und: „Die Politik befindet sich in der Willensfindung“, ergänzt stellvertretender Bürgermeister Martin Feller, denn erst einmal müsse grundsätzlich entschieden werden, ob die Stadt überhaupt das Kurhaus übernehmen will. Keine Tür ist zugeschlagen, „alles ist im Fluss“, schätzt Feller die Situation optimistisch und positiv ein.

Doch bei allen Optionen machen er und Kammer keinen Hehl daraus, dass die Stadt an einem Neubauplan festhält. „Schließlich ist ein Kurhaus-Neubau eine der Konsolidierungsmaßnahmen im Entschuldungsvertrag für die Fusion mit der Samtgemeinde Altes Amt Ebstorf“, sagen beide und hoffen, „dass auch Hannover dazu steht“. Denn ein Neubau würde unterm Strich jährliche Einsparungen von rund 270 000 Euro bringen.

„Wir befinden uns jetzt an einem Wendepunkt“, fasst Hans-Jürgen Kammer es pragmatisch zusammen: „Entweder wir stellen jetzt die Weichen für die nächsten 40 Jahre oder wir bauen weiter ab.“ Das letzteres eintreten wird, daran glauben weder er noch Martin Feller. „Schließlich hat uns das Land Niedersachsen bis hierher auch begleitet.“

Von Ines Bräutigam

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