Mensch 2013: Annegret Boe leitet die Gruppe der Grünen Damen im HGZ

Zuhören ist das Wichtigste

+
Bei ihrer Arbeit als Grüne Dame will Annegret Boe Zuversicht vermitteln und Patienten bei der Bewältigung ihrer Sorgen zur Seite stehen.

Uelzen/Bad Bevensen. Als das Wichtigste in ihrer Tätigkeit sieht Annegret Boe das Zuhören an. „Wir machen das, wozu die anderen, die Ärzte, die Krankenschwestern, keine Zeit mehr haben – wir setzen uns zu den Patienten, reden mit ihnen und hören ihnen zu.“

Wir – das sind die zwölf Grünen Damen im HGZ (Herz- und Gefäßzentrum) Bad Bevensen. Und Annegret Boe ist seit neun Jahren dabei, seit vier Jahren leitet sie diese kleine Gruppe Ehrenamtlicher. Daher wurde sie für „Mensch 2013“ – eine Aktion der AZ und der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg in Zusammenarbeit mit dem Volkswagen Zentrum Uelzen – nominiert.

„Wir wechseln uns ab, jeden Tag sind zwei von uns unterwegs, um einzeln, jeder für sich, den Patienten auf der Akut-Station etwas Zuversicht zu vermitteln, ihnen bei der Bewältigung ihrer psychischen Probleme zur Seite zu stehen, ihnen ein wenig dabei zu helfen, die durch Operationen oder gar Amputationen entstandenen physischen Einschränkungen und Leiden verarbeiten zu können oder auch ganz einfach nur Dinge des täglichen Bedarfs zu besorgen.“ Natürlich können Annegret Boe und ihre Grünen Damen am HGZ keine Wunder vollbringen, oft gehen ihnen diese Begegnungen sehr nahe, werden die „Fälle“ zu einem Teil von ihnen. „Wenn ich vor der Tür stehe und hineingehe zu dem Patienten oder der Patientin, dann ist das immer wieder etwas Neues. Ich kenne die Person nicht, zu der ich mich gleich ans Bett setze, muss mich jedes Mal spontan darauf einlassen, was da auf mich zukommt.“ Doch sie macht es. Stets mit einem Lächeln, stets bedacht, Vertrauen zu wecken, stets mit einem Sinn für die jeweilige Situation. „Das Wichtigste dabei ist, den Patienten zu zeigen: da ist jemand, der dir zuhört, der für dich da ist.“

Den Mangel an persönlicher Zuwendung, der heute in fast jedem Krankenhaus oder Seniorenheim herrscht, auszugleichen, sieht Annegret Boe als eine ihrer Aufgaben an. Dabei macht sie keinerlei Unterschiede in der Konfession, obwohl die Grünen Damen sich, zusammengeschlossen in der „Arbeitsgemeinschaft Evangelische Krankenhaus-Hilfe“ schon zu einer Glaubensrichtung bekennen.

Doch sie sieht – wie bundesweit über 11 000 ehrenamtlichen Grünen Damen und Herren – zuallererst den Menschen mit seinen Schmerzen und Problemen, der sich vielleicht über Zuwendung und ein Lächeln freut. Diese Freude allein, so zaghaft sie möglicherweise auch geäußert wird, kommt bei Annegret Boe als Wertschätzung ihres Ehrenamtes an.

Soviel Engagement für andere, soviel Beschäftigung mit anderen braucht ein Ventil, bei der umtriebigen Annegret Boe sind es gleich mehrere Ventile:

Seit sieben Jahren wirkt sie im Vorstand des Landfrauenvereins Uelzen mit, singt seit 17 Jahren, also von Anbeginn an, im Gospelchor „Sweet Chariots“ mit, ist aktiv in der Wandergruppe des TV Uelzen und in der Sportgruppe „Er und Sie“ in Veerßen. Zudem ging sie bis Ende des vergangenen Jahres voll in ihrem Ehrenamt des Besuchsdienstes in Kirch- und Westerweyhe auf, mit dem Annegret Boe – die in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiern wird – älteren Mitbürgern zu deren Geburtstagen ihre Aufwartung machte.

Viele freie Abende hat Annegret Boe nicht, da sie darüber hinaus Mitglied und Darstellerin bei den Nachtwächter-Führungen unter der Leitung von Harald Meyer ist. Sie beherrscht alle Frauen-Rollen und kann, bei Bedarf, an jeder Station dieser Stadtführung der besonderen Art eingesetzt werden.

Von Folkert Frels

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare