Abwechslungsreiches Neujahrskonzert des Wendland-Sinfonieorchesters im Bad Bevenser Kurhaus

Zuerst düster, dann mitreißend

Bad Bevensen. Ein Neujahrskonzert fern der gefälligen, schwungvollen Strauß-Dynastie erwartete am Donnerstagabend die Zuhörer im Bad Bevenser Kurhaus.

Das Wendland-Sinfonieorchester mit seinem erst 21-jährigen Dirigenten Friedrich Praetorius sorgte für gute musikalische Unterhaltung beim Neujahrskonzert im Bad Bevenser Kurhaus. Auf dem Programm standen Werke von Wagner, Schostakowitsch und Franck.

Hans-Peter Hellmanzik, Vorsitzender des Kulturvereins, begrüßte dort das Wendland-Sinfonieorchester mit seinen mehr als 70 jungen Musikern aus ganz Deutschland und den neuen Dirigenten, den 21-jährigen Friedrich Praetorius. „Der Name spricht für sich“, sagte Hellmanzik in Anlehnung an den bekannten Komponisten und Musiker Michael Praetorius aus dem Übergang von Renaissance- zur Barockzeit. Wenn die dargebotene Musik von Wagner, Schostakowitsch und Franck einen Vorgeschmack auf das Jahr 2018 geben sollte, dann kämen harte Brocken, eher düstere, intensive Zeiten. Aber auch warme, weiche, schwungvolle, drängende und versöhnliche Momente, zum Beispiel in der Wagner-Ouvertüre. Und nicht zuletzt versunkene, intime, verinnerlichte Zeiten – wie im zweiten Teil von Schostakowitschs Violinsonate Nr. 1 – und sogar aufblühendes Strahlen, erlebbar in den D-Dur-Teilen der Franck-Sinfonie in d-Moll. Für die versöhnliche Zugabe sorgte der mitreißende, temperamentvolle Ungarische Tanz Nr. 6 von Brahms.

Friedrich Praetorius erwies sich als ausgezeichneter Vermittler zwischen Komposition und Orchester. Konzentriert, kompetent mit klaren und eindeutigen Bewegungen leitete er das Orchester. Auch bei der hakeligen Stelle im Parallelspiel mit Zweiunddreißigstel-Triolen zwischen erster und zweiter Geige in der vor Größe, Kraft und Eigensinn strotzenden Wagner‘schen Tannhäuser-Ouvertüre vermochte er wieder für Synchronisation zu sorgen. Wunderbar waren die steigernde Dynamik und die vom Dirigenten leicht variierten Tempi. Richtig locker und entspannt wirkte er jedoch am Schluss.

Herausragend war der Solist des Abends: Cellist Friedrich Thiele, 21 Jahre alt, mit dem etwa 30-minütigen Cellokonzert Es-Dur von Schostakowitsch. Wunderbar gespielt, vor allem auch der Solopart, eine Kadenz mit Monolog-Charakter, mit seinen technischen und emotional gleichermaßen heiklen Raffinessen. Es konnte geradezu atemlos machen, angesichts der Spannung. Das galt auch für den zweiten Satz, eine melancholische Kantilene.

Der musikalische Ausdruck führte teils in Pianissimo-Bereiche des Chordophons. Da störte ein technisches Rauschen ungemein den Hörgenuss. Nach der Pause tauchte es jedoch nicht mehr auf.

Von Ute Bautsch-Ludolfs

Rubriklistenbild: © Bautsch-Ludolfs

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