Historische Fotografien zeigen das Leben in dem Bauerndorf in der Klei von 1890 bis 1990

Zeitreise ins alte Barum

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Der inzwischen verstorbene Wilhelm Strampe in den 1940er-Jahren bei der Feldbestellung mit Deutz-Traktor.

Barum. Ein Bild aus alten Zeiten: Drei Frauen in Kleid und Schürze an einem Brunnen. An einer Kette hat eine von ihnen den Schöpfeimer hochgezogen, eine andere trägt den vollen Blecheimer.

Der Brunnen auf dem Barumer Gutshof war im Sommer die einzige Wasserstelle im Dorf. Fotos: privat

Die Szene hat der Fotograf sorgfältig gestellt, bevor er sie auf die Fotoplatte belichtete. Der Brunnen stand auf dem Hof des Barumer Guts. Die Aufnahme findet sich in der „Zeitenreise Barum 1890 bis 1990“. Die Bilderchronik von Horst Noeske und Jürgen Ritter soll bis Ostern erscheinen. „Der Gutsbrunnen war für das Dorf sehr wichtig. In Dürrezeiten war er die einzige Wasserstelle“, erklärt Noeske, der mit vielen alten Barumern über ihre Erinnerungen gesprochen hat. Das Wasser aus dem Mühlenbach, der früher Stahnbeke hieß, war im Sommer nicht genießbar. Der Grund war der Flachsanbau auf den Kleiböden rund um das Dorf. Die Pflanzen, aus deren Fasern Leinen hergestellt wurde, wurde zum „Rotten“ in den Bach gelegt – eine frühe Form von Umweltverschmutzung. „Das Wasser ist im Sommer sehr rot gewesen, sodass es nicht einmal das Vieh trinken wollte“, weiß der Chronist.

Getreide wird auf dem Hof Lindemann um 1935 mit der Dreschmaschine ausgedroschen.

Aufgenommen wurde das Bild um das Jahr 1910. Nach dem Bau des Wasserwerks 1912 verlor der Brunnen seine Bedeutung. Kurz darauf ist er nach Noeskes Informationen eingestürzt – bei einem der Hochwasser, die in Barum bis 1940 nicht selten waren. Das Dorf liegt in der Senke. „Vor allem bei der Schneeschmelze konnte das Wasser einen halben Meter hoch stehen, und auf dem Gutshof noch höher“, erzählt der 66-jährige Rentner. Insgesamt 250 alte Fotos zeigt die „Zeitenreise“. Ein Jahr lang hat er gemeinsam mit Grenz-Fotograf Jürgen Ritter gesammelt, bearbeitet und das Buch gestaltet. „Das war eigentlich gar nicht mein ursprüngliches Ziel“, sagt der Chronist, der seit 1970 in Barum lebt. „Eigentlich wollte ich die Alten befragen, wie es früher war. Und das hat so eine Eigendynamik bekommen.“

Wichtig ist ihm, daran zu erinnern, wie sich das Dorf verändert hat. „Es gab mal Gasthäuser, Lebensmittelläden, Tankstellen, Schuster, Geflügelhof, Mühle, Schule, Post, Sparkasse, Ziegelei, Tischlerei und vieles mehr“, zählt Noeske auf. „Die Jüngeren sollen sehen, wie viel Leben einem im Dorf war.“

• „Zeitenreise Barum 1890 bis 1990. Bilderchronik aus einem Kirchdorf in der Klei“, 25 Euro, voraussichtlich erhältlich ab Ostern: (0 58 06) 4 40 oder (0 58 06) 2 06. Der Gewinn soll für die Unterhaltung des neuen MTV-Vereinsheims genutzt werden.

Von Gerhard Sternitzke

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