Organisationen rufen zu Mahnwache und Demo auf / Bürgermeister appelliert an Zusammenhalt

Zeichen gegen Fremdenhass in der Kurstadt

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Abgesperrt: Noch immer laufen die Ermittlungen im ehemaligen Intermarché-Markt in Bad Bevensen.

Bad Bevensen. Während Kriminalpolizei, Staatsschutz und spezielle Sachverständige noch immer mit Hochdruck daran arbeiten, die genauen Umstände des Feuers im ehemaligen Intermarché-Markt in Bad Bevensen zu ergründen, schlagen die Wellen in der Bevölkerung bereits hoch.

Gleich zwei Veranstaltungen wurden binnen weniger Stunden nach Bekanntwerden des mutmaßlichen Brandanschlags auf das Gebäude im Gewerbegebiet Kurze Bülten organisiert. Wie berichtet, soll der ehemalige Supermarkt ab kommendem Jahr als Flüchtlingsnotunterkunft dienen.

So hat die Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen (Antifa) für diesen Sonnabend, 19. Dezember, 11 Uhr, eine Demonstration am Bad Bevenser Bahnhof organisiert, die unter anderem vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), von Grünen und SPD unterstützt wird. Bereits für Freitag, 18. Dezember, ist von 17 bis 18 Uhr eine Mahnwache in der Bevenser Fußgängerzone (Ecke Lüneburger Straße/Krummer Arm) vorgesehen – getragen wird das von der SPD initiierte Bündnis unter anderem von den Jusos, DGB, AWO, vom Verein „Bevensen inklusiv“, von den Grünen, dem Diakonieverband Nordostniedersachsen, der Dreikönigs-Kirchengemeinde Bad Bevensen sowie dem Sozialverband auf Kreis- und Ortsverbandsebene. Die Botschaft dieses Bündnisses lautet: „In unserer ganzen Gesellschaft ist kein Platz für Gewalt und Fremdenhass.“

Bad Bevensens Bürgermeister Martin Feller bestätigt auf AZ-Nachfrage, dass kurz hintereinander zwei Kundgebungen angemeldet worden seien: Gleich am Montagmorgen habe die Antifa die Demo am Bahnhof angekündigt, mittags lag dann auch die Anmeldung von den Jusos vor. Feller macht keinen Hehl daraus, dass ihm eine konzertierte Aktion lieber gewesen wäre. „Wir wollten eigentlich ein breites, ein gemeinsames Bündnis auf die Beine stellen“, sagt er. Denn letztendlich sei es „völlig egal, wer der Veranstalter ist“, betont der Bürgermeister. Was zähle, sei die gemeinsame Botschaft. Er werde daher sowohl bei der Mahnwache am Freitag als auch bei der Demonstration am Sonnabend dabei sein, um deutliche Zeichen zu setzen. „Weil es mir stinkt, dass sowas hier in Bad Bevensen passiert“, findet das Stadtoberhaupt deutliche Worte für den mutmaßlichen Brandanschlag auf die geplante Flüchtlingsunterkunft. Man könne über Flüchtlingszahlen und alles, was dieses Thema mit sich bringe, sicher diskutieren. „Aber Gewalt ist ein absolutes ‘no-go’!“ verurteilt Martin Feller das Geschehene. Er werde darüber hinaus nicht zulassen, dass die Kurstadt oder deren Bevölkerung in eine rechte Ecke gedrängt werden: „Wir haben hier keine rechten Strukturen!“ fährt der Bürgermeister, der sich selbst täglich in der ehrenamtlichen Betreuung von Flüchtlingen engagiert, dazu eine ganz klare Linie.

Von Ines Bräutigam

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