Wölfe haben 90 Zentimeter hohes Elektroknotengitter übersprungen / Scholing schaltet sich ein

Wolfssicher war nicht genug

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Ein Wolf kehrt an den Ort der gerissenen Schafe zurück. 

Oetzendorf/Hohnstorf. Fünf Schafe haben Wölfe am Montag auf einer Weide bei Oetzendorf gerissen. Ungewöhnlich daran ist weder, dass im Landkreis Uelzen Weidetiere getötet werden, noch ihre Zahl - die AZ berichtete mehrfach.

Bislang hieß es regelmäßig, die Tiere seien nicht ausreichend eingezäunt gewesen. 

Der Halter der Oetzendorfer Tiere dagegen hatte seine Herde mit einem 90 Zentimeter hohen Elektro-Knotengitter eingezäunt, also „wolfssicher“ nach den Entschädigungsregeln des Landes. Das berichtet Wolfsberater Klaus Bullerjahn, der den Fall aufgenommen und DNA-Proben gezogen hat. Auch der grüne Landtagsabgeordnete Heiner Scholing hat sich gestern in den Fall eingeschaltet.

„Der Wolfsriss in Oetzendorf hat Tierhalter und die Menschen in der Region erneut verunsichert. Schon aufgrund eigener Betroffenheit kann ich diese Verunsicherung gut verstehen“, teilt der Hohnstorfer Politiker mit, auf dessen Weide ebenfalls Schafe gerissen worden sind, und kündigt an: „Ich werde mich um den Vorfall kümmern.“ So hat er bereits mit Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) sowie mit dem zuständigen Landesbetrieb (NLWKN) und dem dort angesiedelten Wolfsbüro in Hannover Kontakt aufgenommen. Kompetente Mitarbeiter sollen sich in einem gemeinsamen Gespräch vor Ort informieren. Darin soll es um Konsequenzen aus diesem und den vorangegangenen Vorfällen gehen.

„Hier zeigt sich, dass Handlungsbedarf besteht“, sagt Scholing auf AZ-Nachfrage mit. „Die Definition ‘wolfssicherer Zaun’ ist dadurch in Frage gestellt. Und wir stellen fest, dass bestimmte Vorgänge nicht gut genug gesteuert, zu bürokratisch sind.“ Welche Konsequenzen zu ziehen wären, lässt er zunächst offen. Sicher sei nur, dass sowohl bei der Bevölkerung als auch bei der Behörde Informationsbedarf bestehe.

„Ich kann nicht von heute auf morgen Maßnahmen veranlassen, die den Landkreis Uelzen von dem Problem entledigen“, dämpft Scholing zu hohe Erwartungen. Die Möglichkeit, den Wolf unter Jagdrecht zu stellen, wie von dem Kreistagsabgeordneten Rainer Fabel (FDP) vorgeschlagen, bestehe jedenfalls aufgrund des strengen Schutzstatus’ für den Wolf nicht.

In Oetzendorf soll ein Rudel von vier Wölfen die Schafherde angegriffen haben. Diese Zahl bestätigt Wolfsberater Bullerjahn nicht. Fest steht, dass die getöteten Schafe über eine Strecke von 800 Metern verteilt lagen. Die übrigen zehn Tiere waren in Panik auf den Hof des Eigentümers geflüchtet. Einzige gute Nachricht: Aufgrund der „wolfssicheren“ Einzäunung hat der Mann Anspruch auf Entschädigung, die beim Land „Billigkeitsleistung“ heißt.

Für Klaus Bullerjahn steht fest, dass alle gerissenen Schafe entschädigt werden müssen: „Wenn die Gesellschaft den Wolf will, dann kann sie das nicht auf dem Rücken der Nutztierhalter austragen.“

Von Gerhard Sternitzke

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