Kochen gegen die Einsamkeit

Witwer treffen sich in Bad Bevensen zum gemeinsamen Brutzeln

+
Die Kartoffel-Profis Rudolf Scheele (links) und Lothar Geißler in Aktion.

Bad Bevensen – In der Pfanne brutzelt das Fleisch. Die Messer klappern beim Zerschneiden der Zutaten. Langsam breitet sich der Geruch frisch gekochten Essens aus.

In der Küche des Sportheims des MTV Bad Bevensen sieht man sie mit ihren bunten Schürzen: Acht Männer – sieben davon Witwer – kochen hier gemeinsam gegen die Einsamkeit.

Nachdem vorhandene „Trauercafés“ sich nicht als richtiger Ort für Witwer herausstellten, rief Martin Boyken, ehemaliger Pastor in Bad Bevensen, 2013 die Kochgruppe als Aktion des Hospizdienstes ins Leben. Mit einer Gruppe von vier bis acht Männern sollte in Staffeln gekocht werden. Doch das reichte den Witwern nicht mehr: Nun treffen sie sich alle zwei Wochen.

„Es geht nicht nur um das Kochen, sondern darum, seine Einsamkeit zu teilen“, erklärt Dieter Morawietz. Der gelernte Koch ist selbst kein Witwer. Mit dem Ziel, dass die Männer eine preiswerte, vernünftige Mahlzeit kochen können, wollte er die Gruppe eigentlich nur für ein paar Monate unterstützen. Doch nach drei Jahren ist er immer noch dabei. Nicht nur das Kochen halte ihn bei der Gruppe: „Ich bin den Menschen näher gekommen. Das macht wirklich Spaß“, sagt er. Es gehe weit über das Kochen hinaus, denn auch außerhalb der Küche treffen sich die 71- bis 94-Jährigen und unternehmen zum Beispiel Ausflüge nach Hamburg zusammen. „Die Gemeinschaft ist schön. Wir sind Leidensgenossen“, beschreibt Harald Obitz.

Mit acht Mitgliedern sind die kochenden Witwer gut gefüllt. Doch Boyken möchte nun zusammen mit Karl Heinz Seifert eine weitere Gruppe gründen. „Sobald wir erste Interessenten haben, legen wir los“, sagt Seifert. Die Treffen sollen dann im Philiahaus in Oldenstadt stattfinden.

Bei der Kochgruppe in Bad Bevensen ist jeder Mal an der Reihe, Rezepte vorzuschlagen und einzukaufen. Beim Kochen wird die Arbeit dann aufgeteilt. „Völlig missraten ist noch nichts“, sagt Hans Jürgen Meyerhoff. Lediglich bei der Art des Würzens gebe es mal unterschiedliche Meinungen.

Heute auf der Karte: Malzbier-Rindergulasch mit Gurkensalat und zum Nachtisch Vanille-Espresso-Quarkspeise. Doch in der Küche muss manchmal improvisiert werden: Erst fehlt der Espresso, dann wird das Rezept falsch gelesen. Hans-Peter Lamprecht nimmt es mit Humor: „Kochen ist ein Experiment“, sagt er – und das fasst es wohl am besten zusammen.

• Informationen und Anmeldungen für die neue Gruppe in Oldenstadt: Martin Boyken, (05 8 21) 47 77 73.

VON LEA-SOPHIE PENNER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare