Reinhard Zimmermann aus Seedorf erhält Bundesverdienstkreuz

Wissen, wo der Hammer hängt

Ein Macher bekam gestern im Kreishaus das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland: Landrat Dr. Heiko Blume (rechts) ehrte Reinhard Zimmermann. Foto: Kaiser

Bad Bevensen-Seedorf/Uelzen. Er hatte es, als der Brief kam, für einen Scherz gehalten. „Dat kann doch wohl nich angeh‘n“, dachte sich Reinhard Zimmermann.

Aber mit Orden scherzt man nicht; und alle Anwesenden bei der gestrigen Feierstunde im Kreishaus waren sich sowieso einig: Der hat es verdient, das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Wer ihn letztlich vorschlug, weiß der Geehrte nicht, aber es könnten sowieso sehr viele gewesen sein.

Der Name ist bei Zimmermann quasi Programm: Der gelernte Tischler, Jahrgang 1935, „wusste immer, wo der Hammer hängt“. So jedenfalls sagte es Landrat Dr. Heiko Blume in seiner Laudatio. Mit den typischen Eigenschaften eines Handwerkers, „ruhig, fleißig, pragmatisch“, habe Zimmermann, den der Landrat aus der Arbeit im Kreistag kennt, „sich in Themen verbissen und meist Erfolg gehabt“.

Ausgezeichnet wurde der 76-Jährige für ein vielgestaltiges Engagement, dem man keine Reihenfolge geben kann. Er war Jahrzehnte lang aktiv in der Gewerkschaft, Betriebsratsmitglied der Firma Baucke Bad Bevensen, Mitglied des Vorstandes der IG Metall, Mitglied des Bundesbranchenausschusses Holz und Kunststoff, wo er maßgeblich in Sachen der Berufsausbildung wirkte. Zimmermann, seit 1975 Mitglied der SPD, arbeitete beharrlich für sein Dorf Seedorf – unter anderem als Sprecher des Arbeitskreises „Unser Dorf soll schöner werden“ – im Rahmen vieler Dorferneuerungsprogramme. Er besetzte Fachausschüsse in Stadt und Samtgemeinde Bevensen, war Mitglied der Feuerwehr, des Sportvereins Jelmstorf, dessen Ehrennadeln in Silber und Gold er bereits besitzt.

Bad Bevensens Bürgermeister Martin Feller versuchte, all dieses Wirken auf den Punkt zu bringen, indem er aus den Asterix-Comics zitierte und Seedorf „ein von unbeugsamen Gesellen besetztes Dorf“ nannte. „In Seedorf wird ganze Arbeit geleistet“, ist sich Feller sicher und nennt Zimmermann einen, der „Klartext redet und hinter dem die gesamte Seedorfer Dorfgemeinschaft steht“.

„Er war immer ein Antreiber“, kommt es aus dem Publikum, als die Gesellschaft nach der Ordensanheftung bei der Rubrik „Schnurren von damals“ angekommen ist. „Er war eine gute, aber auch kritische Seele, der Motor“, heißt es weiter. Reinhard Zimmermann fühlt sich sichtbar geehrt, jedoch auch ein wenig unwohl bei so viel Lob. Er ist immer ein Macher gewesen. Jetzt lässt er es langsamer angehen. Er schneidet zurzeit in seinem Garten die Bäume, guckt nach den Vögeln, beringt mit dem NABU Eulen und kümmert sich um Nistkästen. In den Urlaub fahren will er auch. Seine Frau wird’s freuen, denn er habe, so ihr Zwischenruf beim Dank an die Familie, „nie gefragt“, ob er alle Aufgaben machen darf. Die Frage, ,Musst du schon wieder los?’ gehörte in der Familie Zimmermann in den vergangenen Jahrzehnten zur meist gestellten…

Von Barbara Kaiser

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