Wirtschaftsdüngerlager bei Tätendorf-Eppensen

Viele Fragen zum Wasserschutz

Kurhaus Bad Bevensen ein Mann stellt die Pläne für ein Wirtschaftsdüngelager bei Tätendorf-Eppensen vor
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Im Kurhaus in Bad Bevensen wurden die Pläne für das Wirtschaftsdüngerlager bei Tätendorf-Eppensen vorgestellt. Rund 40 Besucher nahmen teil und hinterfragten kritisch die Pläne.
  • Lars Lohmann
    vonLars Lohmann
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Der Andrang war groß. Mehr als 40 Zuhörer waren im Kurhaus in Bad Bevensen versammelt, um der Ratssitzung der Gemeinde Barum zu folgen. Denn der geplante Bau eines Wirtschaftsdüngerlagers – rund 500 Meter von Tätendorf-Eppensen entfernt – bewegt das ganze Dorf.

Tätendorf-Eppensen – Der Gemeinderat erteilte bei zwei Gegenstimmen unter bestimmten Bedingungen sein Einvernehmen. Darunter zählen eine Tonnagebegrenzung der Straße, eine Verpflichtung zum Rückbau, falls das Lager nicht mehr genutzt wird, und eine Begrenzung der Jahresmenge auf 6400 Kubikmeter.

Betrieben werden soll das Wirtschaftdüngersilo von der HaWeKo GbR der Landwirtsfamilien Geyso-Hagelberg, Westermann und Koehler sowie den Landwirten Jan-Wilhelm Strampe sowie Max und Paul Alvermann. Ein Bauantrag ist laut Karl Koehler vor rund sechs Wochen beim Landkreis gestellt worden. Geplant sei die Lagerung von Gärsubstrat. Dazu sei man in Verhandlung mit einem lokalen Biogasanlagen-Betreiber. „Total ausschließen kann ich den Einsatz von Gülle für die Felder unseres Betriebs in Zukunft aber nicht“, sagte dann Koehler auf Nachfrage aus dem Publikum.

Kritisch wurde vom Großteil der Tätendorfer die Verkehrsbelastung gesehen. So fragte Alexander Reinhart, Geschäftsführer der örtlichen Obstscheune, konkret nach, ob die Landesstraßenbaubehörde mit ins Boot geholt worden sei. Er verwies auf einen Vertrag, der die Gemeinde bei Baumaßnahmen wie einer Ampelanlage am Abbieger zur Obstscheune verpflichtet, wenn die Zufahrt auf die B 4 nicht mehr problemlos vonstattengeht, die Kosten zu übernehmen. Denn über diesen Weg soll auch das Silo angefahren werden. Laut dem anwesenden Malte Bläring vom Bauamt des Landkreises Uelzen ist die Landesstraßenbaubehörde noch nicht involviert.

Auch die Frage nach der Häufigkeit und wann die Lkw das Gärsubstrat ausliefern werden, wurde gestellt. Laut den zukünftigen Betreibern werden werktags bis zu vier Lkw täglich während des Gülleausbringungsverbots vom 1. November bis 31. Januar das Silo befüllen. Die Lieferung solle tagsüber erfolgen.

Das Gärsubstrat soll über die sogenannte Verschlauchung ausgebracht werden. Dazu sollen vom zentral gelegenen Lager Schläuche verlegt werden, um das Substrat zu den umliegenden Feldern in einem Radius von bis zu drei Kilometern zu pumpen und dann dort auszubringen. „Das ist eine bodenschonende Ausbringungsmethode und spart Fahrten“, erklärte Strampe. Ziel sei es, Mineraldünger durch Wirtschaftsdünger zu ersetzen und so CO2 einzusparen sowie eine Kreislaufwirtschaft zu betreiben.

Dass die Anlage gebaut wird, ist aber keineswegs sicher, denn der Bauantrag ist noch nicht vom Landkreis genehmigt worden. Denn es gibt einen Knackpunkt: Das geplante Silo liegt in einem Wasserschutzgebiet, was auch von mehreren Anwohnern während der Sitzung thematisiert wurde. „Warum wird die Anlage ausgerechnet in einem Trinkwasserschutzgebiet gebaut?“, fragte zum Beispiel Petra Vollmer. Sie fühlte sich zwar nach der Sitzung besser informiert, habe aber immer noch große Bauchschmerzen, was den Wasserschutz angeht und welche Schäden im Fall einer Leckage angerichtet werden könnten.

Die Nachricht, dass Gärsubstrat statt Gülle eingesetzt werden soll, sei zwar eine gute. „Trotzdem bin ich nach wie vor nicht für das Projekt. Ich finde, dass hier private Interessen mal wieder öffentlichen Interessen vorgezogen werden“, sagte sie im AZ-Gespräch. Die Auswirkungen auf das Wasserschutzgebiet werden zurzeit noch von der unteren Naturschutzbehörde untersucht.

„Wir planen ein Silo, das den höchstens Sicherheitsanforderungen gerecht wird und das für 60 Jahre laut Hersteller dichthält“, erklärte hingegen Koehler. Die Schläuche sollen auf den Feldern verlegt werden und hielten einen hohen Druck aus. „Beim Ausbringen wird das Ganze kontrolliert, weil immer zwei Personen beteiligt sind“, so Strampe. Durch das Verlegen auf den Feldern solle zudem im Fall eines lecken Schlauchs verhindert werden, dass das Gärsubstrat in Gräben läuft. Wenn der Landkreis den Bau genehmigt, soll das Lager den Sommer über errichtet und noch im November in Betrieb gehen.

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