40 Grad von oben, 160 von unten: Straßenbauer leisten schweißtreibende Arbeit

„Da wirst du gegrillt“

+
Eine im wahrsten Sinne des Wortes schweißtreibende Arbeit: Die Straßenbauer der Bad Bevenser Firma Ewald Kalinowsky sind momentan in Hamburg im Einsatz. Nicht nur die Temperaturen um 40 Grad, sondern auch die Hitze des rund 160 Grad heißen Asphaltgemischs setzen ihnen zu.

Bad Bevensen/Hamburg. Unaufhaltsam bewegt sich der Fertiger voran und trägt Schicht für Schicht den heißen Asphalt auf der A 24 in Hamburg auf. Kurz dahinter folgt eine kleine Armada von Walzen, die für eine plane Oberfläche sorgen.

An verzwickten Stellen wie Abfahrten oder Brücken ist besondere Präzisionsarbeit gefragt.

Dort wird zur Schaufel gegriffen, Muskelkraft ist angesagt. Von unten schlagen den Männern der Bad Bevenser Straßenbaufirma Ewald Kalinowsky dabei wahre Extremtemperaturen entgegen. 160 bis 180 Grad ist das Mischgut heiß. Von oben brennt ihnen in diesen Tagen zusätzlich die Sonne mit fast 40 Grad auf Kopf und Körper – Ober- und Unterhitze, Arbeitsumstände beinahe wie im Backofen. „Da wirst du gegrillt“, sagt Thomas Mohr, Kalkulator und Ingenieur des Bauunternehmens mit einem Augenzwinkern, aber auch mit viel Respekt vor den Arbeitern der sogenannten Schwarzdecken-Kolonne.

Während der Hitzewelle in dieser Woche hat so gut wie jeder sein Päckchen zu tragen, doch kaum eine Berufsgruppe ist dabei wahrscheinlich so gefordert, wie die Straßenbauer. „Wenn ich hier im Büro sitze und mich über die Hitze beklagen will, denke ich einfach an unsere Jungs da draußen“, sagt deshalb auch Christine Eggers.

Denn auch abseits der Hitze von unten, haben es die Männer im Straßenbau, insbesondere die der Schwarzdecken-Kolonne, dieser Tage schwer. Während viele Arbeitnehmer sich in klimatisierten Büros oder zumindest sonnengeschützten Räumen aufhalten, hin und wieder den Schatten aufsuchen oder sich vielleicht sogar in der Mittagspause abkühlen können, sind die Straßenbauer fast ununterbrochen der Sonne ausgesetzt. Denn wo lässt sich an der Autobahn Schatten finden? Wo eine kalte Dusche oder Klimaanlage? Hinzu kommt die Schutzkleidung. „Oberkörper oder kurze Hose gibt es da nicht, 80 Prozent des Körpers müssen bedeckt sein“, klärt Eggers auf.

Und während die Arbeit in einem solchen Hochsommer für viele Menschen nur eine Momentaufnahme bleibt, ist es für die Straßenbauer mehr Regel als Ausnahme. „Viele braten momentan im Urlaub am Strand, unsere Männer am Straßenrand“, erklärt Eggers. Denn in der Ferienzeit hat der Straßenbau Hochkonjunktur. Baustellen sollen Berufs- und Schulverkehr so wenig wie möglich behindern. „Auch die Ausführungszeiten werden deshalb immer kürzer“, weiß die Prokuristin. An besonders heißen Tagen eher Feierabend machen, wie es früher auch mal möglich war, sei deshalb heutzutage nicht mehr drin.

Die Firma Kalinowsky versucht dennoch alles, um ihre Angestellten so gut es geht zu entlasten. Die Arbeitszeiten etwa wurden angepasst. „Die fangen jetzt schon um 6 Uhr an, da ist es noch kühler“, erklärt Eggers. Von der Firma gestellte Hautschutzmittel und Sonnenhüte sind schon lange Standard, genauso wie eine stets ausreichende Wasserversorgung. „Das geht kistenweise weg, und wenn es doch mal leer ist, fährt der Bauleiter neues holen“, berichtet Eggers. Weil sich der Fertiger nicht mal eben anhalten lässt, und Pausen deswegen schwierig sind, wird bei der Arbeit zudem durchgewechselt.

Angesichts der hohen Belastungen ist die Leistung der Straßenbauer kaum hoch genug einzuschätzen. Gerade erst stellte die Firma Kalinowsky die B 4 bei Uelzen noch deutlich vor der Zeit fertig. Öffentliche Anerkennung gebe es aber nur selten. „Oft wird sich nur über Baustellen beschwert und nie wird von den Menschen, die die Arbeit leisten, geredet“, ärgert sich Eggers. Vielleicht ändert sich das bei dem ein oder anderen ja dieser Tage, wenn er mit laufender Klimaanlage auf der Autobahn gen Urlaub fährt und die Männer der Schwarzdecken-Kolonnen am Straßenrand schwitzen sieht.

Von Steffen Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare