Asylbewerberunterkunft in Medingen: Gustav-Stresemann-Institut will unterstützen / Landkreis informiert heute über Pläne für „Vier Linden“

„Wir sind an dem Thema dran“

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Bis zu 120 Asylbewerber könnten in dem ehemaligen Hotel „Vier Linden“ in Medingen untergebracht werden.

Bad Bevensen-Medingen. Bis zu 120 Asylbewerber könnten im Laufe dieses Jahres in das ehemalige Medinger Hotel „Vier Linden“ einziehen – heute informiert der Landkreis Uelzen über die Pläne.

Beginn der öffentlichen Veranstaltung ist um 19 Uhr in der Mensa der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Bad Bevensen. Im Publikum wird auch Bad Bevensens Bürgermeister Martin Feller sitzen. Seit bekannt geworden ist, dass in dem Hotelgebäude in direkter Nachbarschaft zum Medinger Kloster und dem Gustav-Stresemann-Institut (GSI) nicht das von Inhaber Igor Grygiel beworbene Behinderten-Tourismus-Projekt umgesetzt wird, melden sich immer wieder besorgte Bürger bei Feller.

Mit Unterschriftenlisten haben die Medinger ihre Bedenken formuliert. Die Ballung der Asylbewerberunterkünfte in Bevensen West bereitet ihnen Sorgen – wenige hundert Meter von dem „Vier Linden“ entfernt ist in der Villa im Park an der Ebstorfer Straße für 50 Asylbewerber Platz geschaffen worden. Einige Häuser weiter können bis zu 20 Asylbewerber untergebracht werden. „Eigentlich war es politischer Konsens, dass wir dezentrale Unterbringungen wollen – jetzt kommen doch Gemeinschaftsunterkünfte“, sagt Feller. Seit Oktober engagiert er sich mit einer Gruppe Ehrenamtlicher für die Integration der Asylbewerber in der Kurstadt.

Das GSI hat angekündigt, unterstützen zu wollen – in dem Rahmen, der einer Bildungseinrichtung möglich ist. „Es gibt eine Menge Berührungspunkte. Wir sind an dem Thema dran“, betont Institutsleiter Martin Kaiser gestern auf AZ-Nachfrage. Der Weg der Bildungseinrichtung führe vor allem über Kommunikation und Information. So werden beispielsweise im Rahmen eines Projektes – dieses Jahr steht im GSI übrigens unter dem Thema „Migration, Flucht und Asyl“ – Asylbewerber zu ihren Hintergründen und Lebensumständen befragt. Außerdem hat ein Mitarbeiter des Instituts bereits Übersetzungsarbeit geleistet. „Wenn, dann stellen wir uns das so vor, dass wir die Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit unterstützen“, sagt Kaiser. Die Ideen gehen aber nicht so weit, dass das Institut grundsätzlich für die Asylbewerber geöffnet werde.

Feller betont indes, dass die angekündigte Vervielfältigung der Asylbewerberzahlen nicht leicht aufzufangen sein werde: „Das wird uns viel Kraft und Arbeit kosten. Jeder dieser Asylbewerber hat sein Päckchen, das er mitbringt“, sagt Feller. Nur ein Beispiel: Junge Afrikaner, die heute den Weg nach Deutschland finden, seien teilweise in ihrer Heimat als Kindersoldaten missbraucht worden. Feller: „Das sind Leute, die in der wichtigsten Entwicklungsphase – der Pubertät – keine Fürsorge erlebt haben. Das ist problematisch und das kann man auch nicht wegreden.“

Von Wiebke Brütt

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