Kreisjägerversammlung: „Dreibeine“ erzielen Wirkung / Infos zum Wolf

100 Wildunfälle weniger

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Bad Bevensen/Landkreis. Rückschau hielt die Jägerschaft im Landkreis Uelzen vor Anbruch des neuen Jagdjahres.

Vor einer reich bestückten Trophäenwand im großen Saal des Bad Bevenser Kurhauses wies der Vorsitzende Gernot Magyar auf die erfolgreiche Aktion der „Dreibeine“ hin, die Autofahrer anzeigt, dass es an dieser Stelle zu Wildunfällen kam. „Im letzten Jahr gab es durch diese Warnung 100 Wildunfälle weniger“, so Magyar.

Insgesamt blickt die Kreisjägerschaft, in der 1525 Jäger organisiert sind, auf ein erfolgreiches Jahr der Öffentlichkeitsarbeit zurück. Magyar erinnerte an diverse Aktivitäten und versicherte: „Die ehrenamtliche Arbeit machen wir gern!“ Bürgermeister Martin Feller betonte, dass sich auch die Kurstadt dem Naturschutz verpflichtet fühle und dankte der Kreisjägerschaft für ihr Engagement, Wald und Flur in Einklang zu bringen. Dr. Heiko Blume, selbst Jäger, fand persönliche Worte nicht nur als Mitglied, sondern auch als Landrat, in dem er den Mitgliedern für ihren ehrenamtlichen Einsatz in ihrer Freizeit dankte. Im Hinblick auf die Jagdsteuer redete er nicht um den heißen Brei herum: „So gern ich sie abschaffen oder senken würde – dafür ist durch den Entschuldungsvertrag des Landkreises mit dem Land kein Spielraum.“ MdB Henning Otte (CDU) sprach die Einführung eines nationalen Waffenregisters an und den Vorstoß des Landes Bremen zur Einführung einer Waffensteuer oder Waffenüberprüfungssteuer.

„Der Abschlussplan wurde durch den milden Winter erschwert“, sagte Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge. Das Rot- und Schwarzwild verzog sich durch die Trockenheit in feuchtere Gebiete. Beim Rotwild kamen mit 515 Stück nicht zuletzt durch die regional unterschiedlich Bestandsdichte weniger zur Strecke. Hellbrügge: „Es werden zu viele Hirsche in der Jugendklasse gestreckt.“

Die Damwildvorkommen sind gering in der Region von Himbergen bis Rosche. Um Bienenbüttel hat sich ein kleines Rudel von 40 Stück etabliert. Ebenfalls nur ein kleiner Bestand von Muffelwild ist in Himbergen zu finden. Dagegen ist der Bestand in der Göhrde angewachsen. Von den 2659 Stück Schwarzwild waren 62 Prozent Frischlinge. „80 Prozent und mehr sollten wir kriegen, dort ist noch Handlungsbedarf“, so Hellbrügge.

Beim Rehwild wurden von den 4587 Stück 726 Tiere Opfer von Verkehrsunfällen. Die Rehwildstrecke sei stabil, und auch bei den Hasen gebe es im Landkreis genügend Besatz. „In fast jedem größeren fließenden Gewässer sind Nutria zu Hause und machen gewaltige Schäden“, so Hellbrügge.

Andreas Preuss informierte ausführlich über die Ausbildung und Prüfungen von Welpen zu Jagdhunden. Ein hoher Stellenwert für die Jäger komme den Begleithunden zu, betonte er. 89 aktive Bläser sind in verschiedenen Gruppen der Hegeringe organisiert, die zu verschiedenen Anlässen auftraten, gab Uwe Schlichting bekannt. Über das Schießwesen berichtete Wolfgang Schütte und rief die Jägerschaft auf, jährlich die Büchsen einzuschießen. Bei nationalen Meisterschaften wurde erfolgreich teilgenommen. Auf hohem Niveau sei besonders die Senioren-Mannschaft.

Die Zeit war schon fortgeschritten, als der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Dammann-Tamke, ausführlich den Wald-Wild-Konflikt und die 13 Kernpunkte der Wald-Wild-Erklärung sowie bleifreie Munition und die Rückkehr des Wolfs nach Niedersachsen ansprach.

Die Wolfsexpertin Britta Habbe referierte über die derzeitige Verbreitung des Tieres, das erstmals seit 100 Jahren auch in Niedersachsen aufgetaucht ist. Zunächst habe Aufregung deswegen geherrscht, so Habbe. „Nicht zuletzt wegen der ihm nachgesagten angeblichen Gefährlichkeit.“ Dieses Vorurteil räumte die Diplom-Biologin vom Institut für Wildtiererforschung jedoch aus.

In Niedersachsen gibt es 42 Wolfsberater. In diesem Jahr wurden bereits 15 Nachweise von Wölfen erfasst – um den Truppenübungsplatz bei Munster und im Wendland seien die meisten dokumentiert worden. Rund um Uelzen sei noch kein definitiver Beweis für ein Wolfsvorkommen erbracht worden.

Inzwischen sind außer in Sachsen Rudel auch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt bestätigt worden. Ein mit einem Sender versehenes Tier war über die Elbe geschwommen und im Wendland und der Göhrde geortet worden, doch danach verliert sich die Spur. Seit drei Wochen gebe es kein Signal mehr, so Britta Habbe.

Die Landesjägerschaft Niedersachsen begleitet die natürliche Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen, in dem sie die wissenschaftliche Erfassung des Wolfsvorkommen koordiniert. Wo und in welchen Abständen Fährten, Losung oder Schweiß von Wölfen auf den Truppenübungsplätzen in Muster Nord und Süd, in Lintzel, Kienmoor und Soderstorf gefunden wurden, wird in drei Kategorien bewertet. In Munster sind zwei Tiere an einem Tag in eine Fotofalle gelaufen. Es gibt auch eine Bilddokumentation von einem Wolf, der in Behringen in eine Fotofalle tappte.

Bei Fragen und Informationen können sich Jäger und Naturschutzfreunde unter Telefon (05 11) 8 56 77 91 oder per Mail, bhabbe@ljn.de, an Britta Habbe wenden.

Von Gudrun Kiriczi

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