Stephanie Blume, Leiterin der Grundschule Altenmedingen, erklärt Vorgehen bei hoher Schülerzahl

Klasse wird nicht geteilt

Schüler in einer Grundschule
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Unterricht in der Grundschule. Ab 27 Schülern müssen Klassen gemäß Erlass geteilt werden. Allerdings werden die Schüler nicht zwischen der ersten und zweiten Klasse auseinandergerissen. Das gilt auch für die zweite Klasse der Grundschule Altenmedingen.
  • Gerhard Sternitzke
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Wie viele Schüler passen in eine Klasse? Laut Erlass in der Grundschule 26. Rein rechnerisch sind es in der Klasse zwei der Grundschule Altenmedingen 27. Dennoch wird die Klasse nicht geteilt.

Altenmedingen – Erfolgsmodell Ganztagsschule: Als erste Grundschule in der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf hat die Grundschule Altenmedingen vor vier Jahren auf den offenen Ganztagsbetrieb umgestellt. Von Montag bis Donnerstag gibt es ein Nachmittagsangebot bis 15 Uhr. Seitdem sind die Schülerzahlen auf 70 Kinder gestiegen. 40 von ihnen nehmen laut Schulleitung inzwischen die Betreuung in Anspruch. Die Kehrseite der Entwicklung: In der jetzigen zweiten Klasse ist die maximale Schülerzahl bereits seit dem vorigen Schuljahr überschritten.

Wie viele Schüler passen in eine Klasse? Wie viele Kinder kann eine Lehrerin unterrichten? Wie alles in der Schule ist diese Frage in einem Erlass des niedersächsischen Kultusministeriums zur Klassenbildung geregelt. Demnach sind in der Grundschule maximal 26 Kinder pro Klasse zulässig, ab 27 muss die Klasse geteilt werden. Stichtag ist der erste Schultag. Schüler mit erhöhtem Betreuungsbedarf werden doppelt gezählt. Damit kommt die Klasse zwei rechnerisch auf 27 Schüler und müsste eigentlich geteilt werden.

Stephanie Blume, Leiterin der Grundschule Altenmedingen, erklärt, warum eine Klasse mit rechnerisch 27 Schülern nicht geteilt wird.

„Wir sind an der Grenze“, räumt Schulleiterin Stephanie Blume ein. „Es ist eine sehr große Klasse. Natürlich ist es lauter, und es ist weniger Platz verfügbar.“ So lasse sich etwa ein Sitzkreis mit 26 Schülern plus Betreuerin nicht mehr realisieren. Von Elternseite gab es im vorigen Schuljahr nach ihren Angaben beide Wünsche: den Wunsch, die Klasse zu teilen, und den Wunsch, den Klassenlehrer zu behalten.

Bestandsschutz für das gewohnte Sozialgefüge einer Klasse

Dennoch betont die Schulleiterin: „Es ist alles den Vorschriften entsprechend. Es ist kein Skandal.“ Der Grund ist eine weitere Bestimmung im Erlass. Demnach sollen Klassen nur nach der zweiten, vierten, sechsten und achten Klasse geteilt werden. „Klassen sollen nicht permanent auseinandergerissen werden. Das ist ein Bestandsschutz, um ein bisschen Ruhe reinzubringen“, erklärt Stephanie Blume. Die Schüler bräuchten für ihre Entwicklung eine feste Bezugsgruppe.

In der Einzügigkeit haben kleine Veränderungen in der Schülerzahl große Folgen. „Wenn es nur eine Klasse pro Jahrgang gibt, ist ein Schüler das Zünglein an der Waage“, macht die Schulleiterin deutlich. Gleichzeitig rät sie zur Gelassenheit. Gerade angesichts von Corona könne sich die Schülerzahl der zweiten Klasse durch Wegzug oder freiwilliges Wiederholen einzelner Kinder wieder verändern.

Hinzu kommt das Raumproblem der Grundschule Altenmedingen. Durch den Ganztagsbetrieb ist der Raumbedarf erhöht. Verwaltung und Schulleitung sind bereits ins Dachgeschoss umgezogen, das Lehrerzimmer soll folgen, um Platz für einen Gruppenraum zu schaffen. Klassenräume sind im Obergeschoss nicht möglich, weil eine Feuertreppe fehlt, betont Stephanie Blume. „Es wird schwierig bleiben, weil wir auf Kante genäht sind.“

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