Sönke Strampe und Reiner Bohnhorst geben ihre Erfahrungen weiter

Wie wird man Biobauer?

Die Biobauern Reiner Bohnhorst (links) und Sönke Strampe beim Feldtag der Landwirtschaftskammer
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Die Biobauern Reiner Bohnhorst (links) und Sönke Strampe erklären, wie man auf Ökolandwirtschaft umstellt.
  • Gerhard Sternitzke
    VonGerhard Sternitzke
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Viele Bauern interessieren sich für die Umstellung auf Öko-Landbau. Das Land fördert den Wechsel. Die Biobauern Reiner Bohnhorst und Sönke Strampe gaben ihre Erfahrungen bei einem Feldtag der Landwirtschaftskammer am 16. Juni in Rieste und Oldendorf II weiter.

Bad Bevensen/Oldendorf II/Rieste – Bio boomt. Der Umsatz von Bio-Produkten ist im vergangenen Jahr um 20 Prozent gestiegen. Selbst in den Discountern ist der Trend angekommen. Nach dem niedersächsischen Aktionsplan Ökolandbau sollen bis 2025 zehn Prozent der Landesfläche biologisch bewirtschaftet werden, bis 2030 sollen es 15 Prozent sein. Derzeit erreicht der Ökolandbau nach Angaben der Ökomodellregion im Landkreis Uelzen 5,2 Prozent, etwas mehr als im Landesschnitt. 64 Betriebe wirtschaften biologisch. Aber wie wird man Biobauer?

Ökolandbau ist ein interessanter Weg mit viel Potenzial.

Sönke Strampe, Biobauer

„Ökolandbau ist ein interessanter Weg mit viel Potenzial“, meint Sönke Strampe. Der Bevenser Landwirt, der einen Hof mit 240 Hektar Land in Rieste bewirtschaftet, hat vor vier Jahren auf Bio umgestellt – und den Schritt bislang nicht bereut. In der Produktion von Süßkartoffeln hat er eine Marktnische gefunden (AZ berichtete). Sein Getreide nimmt die Bohlsener Mühle ab. Die Drei-Jahres-Verträge geben ihm Planungssicherheit.

„Man muss sich intensiver mit der Vermarktung auseinandersetzen“, berichtet Strampe. „Das ist mehr Kopfarbeit.“ Das gilt auch für die Bewirtschaftung des Landes selbst. Biobauern haben meist kompliziertere Fruchtfolgen. Die Vielfalt der Anbaufrüchte senkt aber das Risiko von Ausfällen. Und immer geht es um die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Strampe hält kein Vieh, deshalb baut er Klee, Bohnen und Erbsen an, sogenannte Leguminosen, die Stickstoff aus der Luft in den Boden bringen.

Investitionen in Maschinen und Lagerkapazitäten

Hart ist die Umstellung. In den ersten zwei Jahren bis zur Anerkennung erntet der Umsteller deutlich weniger, erhält aber nicht mehr Geld für seine Produkte. Die Umstellungsprämie gleicht das nicht aus. Es stehen auch Investitionen an. Die Spritze hat ausgedient. Dafür müssen neue Maschinen wie Hacke und Striegel angeschafft werden. Lagerkapazitäten wie Kartoffelscheunen mit Temperatursteuerung müssen geschaffen werden, um liefern zu können, wenn der Handel die Ware braucht. „Die Investitionen sind gut angelegt, weil man sich eine gewisse Unabhängigkeit verschafft“, betont Strampe.

Grundsätzlich seien die leichten Böden in der Heide gut für den Bioanbau geeignet, erklärt Strampe. Sie erwärmen sich im Frühjahr schnell und lassen sich gut maschinell bearbeiten. „Eigentlich kann das jeder machen, aber man muss gut planen und im Vorfeld mit Beratern und Handel sprechen.“

Reiner Bohnhorst sieht eine gewisse Offenheit vieler Landwirte für den Ökolandbau. Das habe natürlich auch mit dem gesellschaftlichen Klima zu tun. „Wenn einer mit der Spritze losfährt, muss er sich komische Blicke gefallen lassen oder hat selber ein komisches Gefühl“, sagt der Oldendorfer Biolandwirt, der gemeinsam mit seinem Nachbarn 480 Hektar Land bewirtschaftet und unter anderem das Trend-Nahrungsmittel Quinoa anbaut. Viele suchten auch wegen der Unsicherheit über zukünftige Auflagen nach Alternativen.

Es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um die Zufriedenheit.

Reiner Bohnhorst, Biobauer

Der wachsende Absatz von Bioprodukten biete umstellungswilligen Landwirten Chancen. „Das ganze Wachstum des Ökosektors geht aber nur weiter, wenn er auch bei der Vermarktung und den Verbrauchern mitwächst“, stellt Bohnhorst klar, der 18 Jahre lang Mitglied im Bioland-Vorstand war. Da seien Politik und Verbraucher gefordert. Viele Biobauern betreiben Hofläden. „Aber die Grenze zur Selbstausbeutung ist schmal“, warnt Bohnhorst.

Auch Nordzucker hat inzwischen eine Bio-Schiene. Allerdings sind Rüben besonders arbeitsaufwendig. Obwohl Bohnhorst sogar einen Hackroboter einsetzt, braucht er Saisonkräfte aus Rumänien.

Die Natur dankt die Umstellung auf jeden Fall. „Die Artenvielfalt hat zugenommen“, stellt Strampe fest. So gibt es bei ihm wieder mehr Kiebitze und Rebhühner. Bohnhorst sagt: „Es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um die Zufriedenheit.“

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