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Stabsstelle im Bevenser Rathaus bereitet sich auf den Katastrophenfall vor

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Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks tragen ein Notstromaggregat.
Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks tragen ein Notstromaggregat. Mit solchen Geräten werden fünf Feuerwehrhäuser und das Rathaus in Bad Bevensen ausgestattet. © Symbolfoto: Imago

Starkregen mit Überschwemmungen, Stürme, die Verkehrswege versperren und die Stromversorgung unterbrechen, Unfälle und Ausfälle auf der B 4 und der Bahnstrecke – auf solche Szenarien bereitet sich die vor drei Jahren in der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf eingerichtete Stabsstelle für Brandschutz und Großschadenslagen vor.

VON GERHARD STERNITZKE

Bad Bevensen – „Wir werden so etwas wie an der Ahr nicht erleben“, sagt Samtgemeindebürgermeister Martin Feller. Dennoch könnten hohe Pegelstände, überlastete Kanalisationen oder die Folgen eines Sturms fatale Folgen haben. Wenn zahlreiche Häuser durch abgedeckte Dächer unbewohnbar werden, wenn die Heizungen bei Stromausfall kalt bleiben oder Hunderte von Reisenden in Bad Bevensen stranden, müssen die Menschen in Turnhallen oder Feuerwehrhäusern untergebracht werden. Im Ratssaal des Bevenser Rathauses würde die Einsatzleitstelle entstehen.

Satellitentelefone und Notstromaggregate

Noch laufen in der Stabsstelle, die mit zwei Vollzeitstellen besetzt ist, die Analysen. Kartenmaterial, auch auf Papier, ist zu beschaffen. Beim Landkreis werden Hochwasserprognosen erstellt. Auch die kritische Infrastruktur und Betriebe sind zu bedenken: Strom, Wasserversorgung und Kliniken etwa.

Die Samtgemeinde zieht zudem Konsequenzen aus den Ereignissen im Ahrtal. „Wir haben gelernt, dass die Mobilfunknetze zusammenbrechen können“, betont Feller. Deshalb werden in diesem Jahr zwei Satellitentelefone angeschafft, weitere sollen folgen. Für fünf Feuerwehrhäuser und das Rathaus werden Notstromaggregate geordert (AZ berichtete).

Lautsprecher an Mannschaftswagen, analoge Nachrüstung von Sirenen

Eine weitere Lehre aus dem Ahrtal: Mannschaftstransportwagen der Feuerwehr werden mit Lautsprechern ausgestattet. „So dass wir die Bevölkerung auch akustisch informieren können“, wie der Bürgermeister erklärt. Sirenen, die erst vor wenigen Jahren auf digitale Technik umgerüstet wurden, erhalten nun analoge Zugänge, so dass sie auch bei einem Ausfall der Funknetze betätigt werden können, um die Bevölkerung zu warnen. Die Umrüstung läuft derzeit.

Allerdings ist die Bedeutung der Sirenen-Signale kaum bekannt. „Was wir brauchen, sind Übungen und Informationen für die Bevölkerung“, stellt Feller klar. Eine Broschüre zum Thema liegt bereits im Rathaus aus. Es sind jedoch auch öffentliche Informationsveranstaltungen geplant.

THW kann in kürzester Zeit Notunterkunft einrichten

Die Vorsorge für den Katastrophenfall liegt zunächst in der Zuständigkeit des Landkreises. Bevensen-Ebstorf ist die einzige Samtgemeinde im Kreisgebiet, die in diesem Bereich unterstützend tätig wird. „Wir wollen nichts doppelt machen“, betont Feller. Mit dem Landkreis stehe man im Austausch. Auch mit Polizei, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk (THW) habe es Gespräche gegeben. Erstes Ergebnis: Im Einsatzfall könnte das THW in kürzester Zeit in einer Turnhalle eine Notunterkunft mit Betten und Küche einrichten.

Inzwischen haben Bund und Land den lange Zeit vernachlässigten Katastrophenschutz wiederentdeckt. Das Land hat Anfang April zusätzliche Investitionen von über 40 Millionen Euro angekündigt (AZ berichtete). Feller hofft, dass es auch Fördermittel gibt, obwohl es um vergleichsweise kleine Investitionen geht.

„Wir sind alle gewöhnt, dass nichts passiert“, weiß der Bürgermeister. Für den Fall, dass es doch anders kommt, will er vorbereitet sein.

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