„Überfinanziert und nicht ausgelastet“: Ebstorfs Politik bemängelt Angebot im Mehrgenerationenhaus

Zu wenig Leistung für zu viel Geld

+
Die Aktivitäten im Ebstorfer Mehrgenerationenhaus müssen ausgebaut werden, fordert die Politik.

Bad Bevensen. Die Nachricht aus Hannover hörten die Ebstorfer gern: Das Mehrgenerationenhaus (MGH) am Domänenplatz soll auch in den kommenden vier Jahren gefördert werden.

30 000 Euro wird der Bund und 5000 Euro das Land Niedersachsen jährlich für die vom DRK betriebene Einrichtung zur Verfügung stellen. Weitere 40 000 Euro pro Jahr steuert der Klosterflecken bei. Finanziell steht das Mehrgenerationenhaus damit auf stabilem Fundament. Konzeptionell gibt es aus Sicht der Kommunalpolitik noch jede Menge Luft nach oben, wie jetzt in der Sitzung des Ausschusses Familie, Freizeit, Kultur, Tourismus und Wirtschaft deutlich wurde.

So hatten sich die Fraktionsvertreter auf einen Bericht von MGH-Leiter Guido Wrage eingestellt. Den Jahresrückblick auf 2015 fanden sie jedoch lediglich in Papierform vor, vom DRK als Betreiber war zur Sitzung niemand erschienen. Bei Catharina Förster (CDU) kam das gar nicht gut an. „Ich bin enttäuscht, dass Herr Wrage heute nicht hier ist.“ Man habe so keine Gelegenheit, Antworten auf Fragen zu erhalten oder Themen zu diskutieren. Sie habe den Eindruck, dass im Mehrgenerationenhaus nicht viel los sei.

Heiko Senking (UWG) war der gleichen Meinung: „Der Bericht ist ja ganz schön. Aber so wird es nicht möglich sein, die Förderung aufrecht zu erhalten.“ In der Jahreszusammenfassung für 2015 hatten Guido Wrage als Leiter des MGH und der zuständige Bereichsleiter beim DRK, Peter Vogt, einen Überblick über die personelle Situation und Aktivitäten aufgelistet: Bei wöchentlich 50 Stunden Öffnungszeit wurden Gesundheits- und Bildungsangebote ebenso vorgehalten wie Aktionen für Kinder und Jugendliche sowie Aktivitäten zur Integration und Unterstützung von Flüchtlingen. Heiko Senking zog für sich den Schluss: „Man kann nicht sagen, dass da das Leben tobt.“

Wenn man auch in Zukunft Gelder in Anspruch nehmen wolle, dann müsse der Klosterflecken mehr Einfluss auf die Einrichtung nehmen, appellierte der UWG-Ratsherr. Seine Sicht der Dinge sei: „Die Jugendlichen in Ebstorf nutzen da das kostenfreie W-Lan, aber es geht da keiner rein.“

Gudrun Klippe (Grüne) bestätigte Senkings Eindruck. Sie sei sehr oft im Mehrgenerationenhaus, gebe dort Kurse. „Da läuft nicht wirklich was Neues“, lautete ihre Einschätzung. Und auch mit dem eingereichten Bericht hatte sie so ihre Probleme. „Da wird jedes Jahr das gleiche Papier verschickt.“ Sie wolle stattdessen, dass das MGH viel mehr die Werbetrommel für sich und seine Aktivitäten rühre. Auch wolle sie konkrete Kennzahlen für die Einrichtung einführen: Wann waren wie viele Besucher bei welchem Angebot? Was genau wurde wie beworben? Gudrun Klippe sprach Klartext: „Ich sehe dieses Haus überfinanziert und nicht ausgelastet.“

Ebstorfs Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf schaltete sich vermittelnd ein. „Mit anderen Betreibern hat es ähnliche Diskussionen gegeben“, erinnerte er und gab zu bedenken, dass die Arbeit mit Jugendlichen nicht so einfach sei. Dennoch halte er das MGH für eine wichtige Einrichtung: „Da wird Aggressionspotenzial abgebaut“, lautete Oelstorfs Einschätzung, denn Ebstorf sei längst nicht so von Vandalismus und ähnlichen Ausschreitungen Jugendlicher heimgesucht wie andere Kommunen. „Das MGH sorgt dafür, dass die Jugendlichen hier nicht auf dumme Gedanken kommen.“

Von Ines Bräutigam

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare