Züchtung von Bio-Bauer Karsten Ellenberg aus Barum ist „Kartoffel des Jahres 2018“

Verliebt in die „Rote Emmalie“

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Ihre Farbe und die feine Konsistenz haben die Jury überzeugt: Die „Rote Emmalie“ ist Kartoffel des Jahres 2018.

Barum. Die Gekürte ist länglich und lecker, sie hat rotes Fruchtfleisch und kommt aus der Lüneburger Heide. Gezüchtet hat die Kartoffel des Jahres 2018 Bio-Bauer Karsten Ellenberg aus Barum.

Seine „Rote Emmalie“ hat es geschafft, die Jury teilte ihre Entscheidung auf der „Biofach“ mit, der weltgrößten Messe für Naturkost und Naturwaren.

Die Auszeichnung soll auf die Vielfalt bei den beliebten Knollen aufmerksam machen. Zur Wahl stehen nur Sorten, die ohne Sortenschutz-Gebühren angebaut werden können, weil der Züchter darauf verzichtet oder weil die Sorte älter als 30 Jahre ist. Dann ist der Sortenschutz abgelaufen, der, ähnlich einem Patent, das geistige Eigentum an Pflanzenzüchtungen schützen soll.

Wegen seines Einsatzes für die „Linda“ wurde er von manchen auch „Kartoffel-Krieger“ genannt – jetzt hat Karsten Ellenberg aus Barum einen Preis für seine „Rote Emmalie“ bekommen.

Karsten Ellenberg ist kein Unbekannter. Der 55-Jährige mit dem klaren Blick hat als Retter des Kartoffel-Klassikers „Linda“ bundesweit Schlagzeilen gemacht. Und er kennt sich aus: Geschmack, Robustheit, Ertrag und Lagerfähigkeit machten eine gute Kartoffel aus, sagt er. „Die Rote Emmalie wurde gewählt, weil sie aus ökologischer Züchtung stammt und weil sie durch ihre rote Farbe auffällt“, sagt Wilfried Stegmann, Chef des Arbeitskreises, dem zehn Organisationen und Unternehmen angehören, und der Ellenbergs Kartoffel ausgewählt hat. „Sie schmeckt würzig und hat eine ausgesprochen feine Konsistenz.“

Das rote Fruchtfleisch sei dem Pflanzenfarbstoff Anthocyan zu verdanken, der ähnlich auch bei Erdbeeren und Himbeeren vorkomme, erklärt Stegmann. „Anthocyane sind Antioxidative, ihnen wird eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben.“

Karsten Ellenberg, sagt er, sei als bäuerlicher Öko-Kartoffelzüchter in Deutschland etwas ganz Besonderes. „Ich bin mit den Kartoffeln groß geworden, schon mein Vater hat sie angebaut“, berichtet Ellenberg. „Sie lassen sich gut anbauen und sind sehr ertragreich. Das ist nie langweilig.“ Bunte Bratkartoffeln seien seine Leibspeise. „Ich ess’ aber auch gern mal eine Pizza“, lacht er.

Über die Auszeichnung freut sich der Bio-Bauer. Selektion sei nicht einfach, zwei bis drei Millionen Euro könnte die Neuzüchtung einer Sorte kosten. „Die hatten wir nicht“, sagt er. „Als kleiner Bauer wird man oft belächelt, aber wir haben es mit wenig Mitteln und unserem Können hinbekommen.“ Ellenbergs Hof hat 80 Hektar und zehn Angestellte. Ein Viertel der Fläche gehört den Kartoffeln, rund 100 Sorten werden dort angebaut. Ellenberg hat auch Partner in Kanada, als „Red Emmalie“ wird seine prämierte Züchtung auch in den USA angebaut.

In nicht all zu ferner Zukunft sollen die beiden Söhne Hannes und Julius den Hof übernehmen. „Dann hat Vater mehr Zeit für die Zucht“, sagt Julius Ellenberg. Der 26-Jährige hat Agrar-Betriebswirt und Marketing gelernt, er macht den Online-Shop. „Viel geht über Direktvermarktung“, sagt er, rund 80 Prozent der Kartoffeln verkauft der Hof über das Internet und den Hofladen. Und wird es weiter „Linda“ geben? „Unbedingt“, antwortet Julius Ellenberg.

Von Peer Körner (dpa)

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