Es sollte das größte und beste Hotel der Stadt werden

Urteil im Hotelbetrug: Landgericht Stade verurteilt Bevenser zu fast drei Jahren Haft

Mehr als einen Briefkasten gab es nicht. Das Bevenser Luxushotel wurde nie gebaut. archivfoto: sternitzke
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Mehr als einen Briefkasten gab es nicht. Das Bevenser Luxushotel wurde nie gebaut. archivfoto: sternitzke

Bad Bevensen – Es sollte das größte und beste Hotel der Stadt werden. Bescheidenheit war nicht die Sache von Thomas R. 100 Zimmer sowie 25 Bungalows sollten auf dem Gelände des ehemaligen Hamburger Feriendorfs entstehen.

Geld von Anlegern wurde für das 20-Millionen-Euro-Projekt eingesammelt. Doch gebaut wurde nie (AZ berichte). Nun verurteilte die sechste große Strafkammer des Landgerichts Stade den 63-Jährigen wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 18 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Das teilte das Gericht auf AZ-Nachfrage mit.

Insgesamt soll R. zusammen mit einem Lüneburger Finanzberater und einer weiteren Angeklagten arbeitsteilig 55 Anleger um ihr Geld gebracht haben. Die Opfer sollen für den Aufbau des Hotelresorts im Nordosten der Kurstadt verzinsliche Darlehen von 25 000 bis 350 000 Euro gegeben haben. Tatsächlich, so das Gericht, sei das Geld zur Unterhaltung von R.s Lokalen in Bevensen und Lüneburg, zur Begleichung älterer Schulden und teilweise für private Zwecke verwendet worden. Der Gesamtschaden beläuft sich auf über 1,59 Millionen Euro. Rückzahlungen oder Zinsen gab es nur in Einzelfällen.

Nicht einmal ein Bauantrag wurde laut Bevenser Bauamt gestellt. Allerdings wurden 52 asbesthaltige Bungalows abgerissen und 2400 Bäume gefällt, wie R. 2015 gegenüber der AZ betonte. Er belastete schon damals seinen Geschäftspartner.

Das Verfahren gegen den 52-jährigen Finanzberater ist wegen Erkrankung abgetrennt worden. Er soll durch einen Sachverständigen begutachtet werden. Wann er sich verantworten muss, ist offen. Die 53-jährige Frau war wegen Beihilfe in einem Fall angeklagt. Ihr Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldauflage vorläufig eingestellt.

Das Urteil gegen Thomas R. ist noch nicht rechtskräftig. Laut Landgericht hat er Revision eingelegt.

VON GERHARD STERNITZKE

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