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Unterrichtskonzept der Waldschule Bad Bevensen auf der Kippe

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Schüler der Waldschule in Kleingruppenarbeit auf dem Teppich.
Schüler der Klasse Jül C der Bevenser Waldschule beschäftigen sich an verschiedenen Stationen mit Getreide. Lehrerin Ulrike Tusk kann die Kinder individuell unterstützen. © Sternitzke, Gerhard

VON GERHARD STERNITZKE

Bad Bevensen – Vierte Stunde in der Klasse Jül C. Sachunterricht. Die Tafel ist unbenutzt, die meisten Stühle sind verwaist. Die Schüler haben sich in Kleingrüppchen verteilt. Die einen sortieren auf einem Teppich Getreidekörner zu den Ähren verschiedener Arten. Andere nutzen Mörser und Kaffeemühlen, um sie zu Mehl zu verarbeiten. Wieder andere lösen bäuchlings Aufgaben von Arbeitszetteln. Chaos herrscht dennoch nicht beim jahrgangsübergreifenden Lernkonzept (Jül) in der Waldschule Bad Bevensen. Doch die vier Klassen, in der Schüler aller vier Jahrgangsstufen gemeinsam lernen, sind gefährdet. Ab dem nächsten Jahr fehlt eine Lehrerstelle.

Unser Sohn und wir Eltern sind einfach nur begeistert, wie toll Schule sein kann.

Juliane Logemann, Mutter

„Wir haben alles richtig gemacht“, sagt Connor (10) stolz. Mitschülerin Mika (8) steckt ein Korn in den Mund. „Schmeckt lecker“, stellt sie fest. Wie kann Unterricht funktionieren mit Erst- bis Viertklässlern in einem Raum? Lehrerin Ulrike Tusk setzt darauf, dass die jüngeren Schüler von den Älteren lernen. Auf der anderen Seite profitieren diese vom Erklären, weil sie dadurch ihr Wissen und ihre Fertigkeiten festigen.

„Connor liest die Aufgaben den Jüngeren vor und kann dadurch selbst das Lesen üben“, erklärt die Pädagogin. Anschließend wechselt die Gruppe an die Mühlen und Mörser. Ulrike Tusk hat versprochen, dass aus dem Mehl ein Brot gebacken wird. Es lohnt sich also, sich anzustrengen.

Weil die 22 Schüler selbstständig arbeiten, hat die Lehrerin Zeit, von Gruppe zu Gruppe zu gehen und Schüler zu unterstützen. Die Größeren werden beim Ausfüllen ihrer Arbeitsblätter gefordert. Aber auch sie können in ihrem individuellen Tempo arbeiten. „Uns ist wichtig, jedes Kind mitzunehmen“, betont Ulrike Tusk. Auch die Schwächeren bleiben in ihrem Klassenverband.

Schulleiterin Janet Fibik hebt die Vorteile der im Jahr 2010 gestarteten gemischten Klassen hervor. „Jedes Kind wird mit seinen Stärken und Schwächen gesehen. Und man muss nicht so viel erklären, weil die Kinder die Regeln von den Größeren lernen“, hat sie beobachtet. „Unser Ziel ist, dass die Kinder am Ende des vierten Jahrgangs so gut vorbereitet sind wie die aus den konventionellen Klassen.“

Ohne Aufforderung greifen zwei Schülerinnen zum Staubsauger und beseitigen die Spuren ihrer Aktivitäten.

Eltern gründen Bündnis „Ja für Jül“

Eltern setzen sich in dem Bündnis „Ja für Jül“ für den Fortbestand des jahrgangsübergreifenden Lernkonzepts an der Waldschule Bad Bevensen ein. „Es kann nicht sein, dass das Konzept an einer Lehrkraft scheitert. Woanders kriegen die Schulen Preise dafür“, sagt Mutter Juliane Logemann. Gerade die Sozialkompetenz und Selbstständigkeit der Schüler werde gefördert.

„In unseren Augen ist die Wahlmöglichkeit zwischen Jahrgangsklasse und jahrgangsgemischter Klasse ein Schatz und ein Alleinstellungsmerkmal für die Region, das erhalten werden muss“, betont die Mutter. „Unser Sohn und wir Eltern sind einfach nur begeistert, wie toll Schule sein kann.“

Das Jül stand schon vor Schuljahresbeginn auf der Kippe, weil zu wenig Anmeldungen vorlagen. Die Eltern starteten eine erfolgreiche Werbeaktion.

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