Unruhiger Schweinemarkt

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Tierhaltung wird zusehends kritisch gesehen.

Bad Bevensen. - Von Jürgen Köhler-Götze. „Brauchen wir höhere Produktionsauflagen?“ Diese rhetorische Frage stellte Conrad Welp, Geschäftsführer des Vereins zur Förderung der bäuerlichen Veredelungswirtschaft (VzF), auf der Mitgliederversammlung im Kurhaus, und er beantwortete sie mit einem klaren Nein.

Die VzF GmbH mit Sitz in Uelzen ist mit ihren 1168 Mitgliedern einer der großen Vermarkter von Schweinen. 3,5 Millionen Schweine wurden von ihr im vergangenen Wirtschaftsjahr vermarktet. Der Jahresumsatz der VzF lag bei gut 198 Millionen Euro, der Gewinn bei gut 117 000 Euro.

Der Erzeugerpreis für Schweinefleisch dümpelt seit Jahren auf einem wenig befriedigenden Niveau und sank von 1,57 Euro pro Kilo im Jahr 2008 auf zuletzt 1,40 Euro pro Kilo im Durchschnitt in den ersten Monaten dieses Jahres. Inzwischen sei aber wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen, der Erzeugerpreis in den vergangenen Wochen auf 1,48 Euro geklettert und durch die sinkenden Futtermittelpreise sei auch wieder ein auskömmliches Einkommen der Landwirte möglich.

Die Frage nach den höheren Produktionsauflagen stellte Welp vor dem Hintergrund der Tierschutz-Nutztierhaltungsver-ordnung, die 2013 kommen wird. Gleichzeitig sei die gesellschaftliche Akzeptanz der Tierhaltung in den vergangenen Jahren geschwunden. „Mittlerweile kann jeder ungestraft und unwidersprochen über deutsche Tierhalter und deren Produkte herziehen“, sagte Welp. Rückstandskontrollen bei Schweinen hätten jedoch ergeben, dass 99,8 Prozent der Proben unauffällig waren.

Man brauche keine höheren Auflagen, „die Branche leidet nicht an einem Qualitätsproblem, sondern an einem massiven Kommunikationsproblem“. Einmal im Jahr einen Tag des offenen Hofes zu veranstalten, reiche nicht aus. „Die Schweinehalter müssen sich gegenüber Kunden offen zeigen und die die Diskussion aktiv mitgestalten“, so Welp, auch durch die transparente Darstellung ihrer Produktionsweisen und -methoden. Die Schweinehaltung sei „in ein sehr engmaschiges Korsett aus gesetzlichen Auflagen, Verordnungen und Erlassen eingeschnürt“. Auch der Forderung nach einem neuen, freiwilligen Tierschutzlabel erteilte Welp eine Absage. Schon mit dem QS-System dokumentierten die Schweineproduzenten die Einhaltung der gesetzlichen Auflagen. Mit einem neuen Label würden die Produzenten in „gut und böse“ geteilt.

„Die Diskussion um Schrumpfkotletts in der Pfanne muss ein Ende haben“, forderte Welp, der deutliche Mängel in der Fleischqualität anprangerte, die die Vermarktung erschweren. Die aber seien genetisch bedingt, weil immer noch stresspositive Eber eingesetzt würden. Als Alternative zu Pietrain-Ebern zweifelhafter Herkunft setzt die VzF auf die Neuzüchtung Viktoria.

Auch auf eine weitere Änderung werden sich die Produzenten einstellen müssen: Ab 2012 werden die Fastfood-Ketten nur noch Fleisch von unkastrierten Schweinen einsetzen, eine Reaktion auf Kampagnen von Tierschutzorganisationen gegen „Kastratenburger“. Die Ebermast als Produktionsschiene wird kommen, sind sich die Produzenten sicher. Das Problem: Der Lebensmitteleinzelhandel akzeptiert in Deutschland die so genannten „Stinker“ nicht – Eber, die einen ausgeprägten Geruch haben. In Großbritannien hingegen werden auch diese Tiere vom Verbraucher anstandslos akzeptiert.

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