Nur die Unken freuen sich

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Sorgenkind A 39: Bürgermeister Bernd Lüder (links) trug den Abgeordneten die Bedenken und Wünsche der Römstedter vor.

Römstedt - Von Ines Bräutigam. „Dem Frosch wollen wir ja nicht ans Leder“, gab Bernd Lüders zu verstehen. „Nur ist bei dieser Variante der Frosch der Lachende und der Mensch der Weinende.“ Bevor aber wirklich noch Tränen fließen wegen der so genannten optimierten Vorzugsvariante für die Autobahn 39, wollte der Römstedter Bürgermeister gestern Nachmittag die beiden CDU-Abgeordneten für Bund, Henning Otte, und Land, Jörg Hillmer, über die Sorgen und Nöte seiner Gemeinde informieren.

 Denn mit der im Dezember überraschend vorgestellten neuen Planung wurden die Römstedter plötzlich damit konfrontiert, dass die Autobahn statt bisher in mindestens einem Kilometer Entfernung nun in etwa 700 Meter Entfernung am westlichen Rand ihres Heimatortes vorbei führen soll.

Und nicht nur das, wie Bernd Lüders im Beisein des Rates und einiger betroffener Landwirte feststellte. Hätte die bisherige Linienführung dafür gesorgt, dass die A 39 hinter einer Anhöhe verschwindet, liegt sie nun davor und wäre somit nicht nur in Hör-, sondern auch noch in Sichtweite. Von Optimierung, betonte Lüders mehrmals, könne zumindest für die Gemeinde Römstedt wohl keine Rede sein. Die Einzigen, die einen Vorteil von der neuen Linienführung hätten, seien die Secklendorfer, von denen die Trasse nämlich abgerückt ist, und Kammmolch, Moorfrosch und Knoblauchkröte, denen ihr Weg zwischen Wald und Laichtümpel „Münzenpaul“ nicht mehr von der Autobahn abgeschnitten wird.

Für die Römstedter wäre außerdem auf dem Medinger Weg an der Autobahn Schluss. Eine Brücke wird nach neuer Planung hier nämlich nicht mehr vorgesehen. Wertvolle Ackerflächen würden durch die nach Osten verschwenkte Autobahn zerschnitten, gab Bürgermeister Lüders zu bedenken. Und ein betroffener Landwirt sprach aus, was andere wohl auch denken mögen: „Ich finde es schon sonderbar, warum die Trasse jetzt so verläuft, dass sie nur noch die großen Ackerschläge in der Gemeinde Römstedt zerschneidet und die in der Gemeinde Altenmedingen nicht mehr.“ In der bisherigen Planung nämlich waren vor allem die Felder rund um Secklendorf betroffen.

Henning Otte betonte, dass zum Bewertungskriterium „Natur und Umwelt“ selbstredend auch der Mensch gehöre und versprach, alle Anregungen und Sorgen der Römstedter aufzunehmen und bei der Straßenbaubehörde nachzuhaken, welche Grundlagen es für die jetzige Vorzugsvariante gibt. Jörg Hillmer sprach derweil eine ganz klare Empfehlung aus: „Nehmen Sie mit der Gemeinde Altenmedingen Kontakt auf und sprechen Sie sich ab, damit sich Ihre Stellungnahmen nicht widersprechen.“ Denn logischerweise sehe jede Gemeinde ihr Wohl bei den Argumentationen für oder gegen Trassenverläufe. „Dieser Einfluss“, so Hillmer, „neutralisiert sich dann wieder auf Null. Und dann kann ein Tümpel zum entscheidenden Kriterium werden, weil er objektiv bewertbar ist.“

Gespräche mit der Nachbargemeinde ziehen die Römstedter in Erwägung. Fest steht aber für Bernd Lüders: „Diese Variante werden wir so nicht hinnehmen, wir wollen unsere Vorzugstrasse wiederhaben.“ Denn die Römstedter stecken in einem weiteren Dilemma: In ihrer Gemeinde treffen sich die Autobahn-Planungsabschnitte 2 und 3. Während der zweite Abschnitt derzeit geplant wird, soll der dritte im ersten Quartal dieses Jahres in Angriff genommen werden.

„Was uns da erwartet, wissen wir nicht“, bedauert Lüders und ihm schwant Böses. Wenn nämlich das Ende des zweiten Planungsabschnittes auch ein – aus welchen Gründen auch immer – vorläufiges Ende beim Autobahnbau sein sollte, dann schwant ihm Böses. Denn dann würde der gesamte Autobahnverkehr auf den nachgeordneten Straßen rollen und endgültig alle Orte der Gemeinde Römstedt beeinträchtigen.

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