Aufgelöster Demenzdorf-Verein überträgt Vermögen an Hospizverein / Finanzierung stets schwierig

Ein unbezahlbarer Einsatz

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Hans-Peter Hellmanzik (l.) und Heinz Meierhoff (2.v.r.) überreichen Monika Robel und Martin Bruck-Peters den symbolischen Scheck.

Bad Bevensen. „Sie nehmen den Menschen so viele Sorgen und Nöte ab. Wir möchten Ihnen hiermit nun auch einige Sorgen und Nöte abnehmen – finanzieller Art.“

Mit diesen Worten überreichen Heinz Meierhoff und Hans-Peter Hellmanzik gestern Morgen einen symbolischen Scheck über 6200 Euro an den Hospizverein im Landkreis Uelzen, der seinen Sitz im Kloster Medingen hat. Das Geld ist das, was vom Verein Demenzdorf Bad Bevensen übrig geblieben ist.

Wie berichtet, hatte sich der Verein im vergangenen Sommer aufgelöst, weil sein Ziel – die Einrichtung eines Demenzdorfes auf dem Gelände der DRK-Villa an der Ebstorfer Straße in Bad Bevensen – sich nicht realisieren ließ. Meierhoff und Hellmanzik waren Vorsitzende des Vereins und freuen sich gestern, das verbleibende Vermögen „an eine Einrichtung, die Gutes tut“, weitergeben zu können.

Hans-Peter Hellmanzik (l.) und Heinz Meierhoff (2.v.r.) überreichen Monika Robel und Martin Bruck-Peters den symbolischen Scheck.

Nicht nur Schatzmeister Martin Bruck-Peters bekommt bei der kleinen Feierstunde leuchtende Augen. Auch die hauptamtliche Koordinatorin des Hospizdienstes im Landkreis, Monika Robel, sowie der Vorsitzende Martin Boyken und die Mitarbeiterinnen Ulrike Ahrens und Renate Klages betonen, das Geld gut gebrauchen zu können. Denn wenn die rund 30 Begleiter des Vereins mit sterbenden Menschen das letzte Stück ihrer Lebenswege gemeinsam gehen, ist noch längst nicht die Finanzierung von Maßnahmen gesichert, die dieses ehrenamtliche Engagement überhaupt ermöglichen.

Dazu gehören Fortbildungen. Und die sind nicht nur für die Arbeit der Mitarbeiter wichtig, sondern auch eine Wertschätzung für sie selbst. „Es ist ja kein Zufall, dass die Begleiter hier sind“, gibt Martin Bruck-Peters zu bedenken, „die meisten ziehen auch einen persönlichen Nutzen aus ihrer Arbeit.“

Und nicht zuletzt dieser Idealismus ist es, von dem das Gesundheitssystem an der Stelle profitiert, wo es dem hauptamtlichen Wirken – meist aus finanziellen Gründen – seine Grenzen setzt. In gewisser Weise, so sind sich gestern die Anwesenden einig, müsse man gar von einem „Missbrauch“ des Ehrenamts reden.

Doch darüber denken die Sterbebegleiter nicht nach. Im kommenden Herbst sollen vier von ihnen mit dem Schwerpunkt Begleitung von an Demenz Erkrankten geschult werden. Ein Teil des überreichten Geldes, sagt Martin Boyken, könne dafür gut verwendet werden. Doch auch Fahrtkosten und andere Ausgaben müssen bestritten werden. Und eine Refinanzierung steht auf wackeligen Beinen, erklärt Martin Bruck-Peters. Denn die ist an zwei labile Größen geknüpft: die Anzahl von Begleitungen pro Jahr sowie die Anzahl der Begleiter. „Beides sind weiche Faktoren“, sagt der Schatzmeister, „denn beides kann sich von einem auf den anderen Tag ändern. Jeder Ehrenamtliche kann von jetzt auf gleich sagen: Ich höre auf.“ Dass der Hospizverein sich für seine Aufwendungen überhaupt Geld von den Krankenkassen wiederholen kann, ist übrigens nur deswegen möglich, weil er sich eine hauptamtliche Koordinatorin leistet.

„Vielleicht“, sagt Heinz Meierhoff, „wird das Geld ja auch einfach für ein besonderes Dankeschön an die Ehrenamtlichen verwendet.“ Denn ab und zu müsse das unentgeltliche Tun auch einfach mal außer der Reihe gewürdigt werden.

Von Ines Bräutigam

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