Bad Bevensen: Kurstadt diskutiert Austritt aus Tourismusorganisation / Kammer hält an LHG fest

Umstrittene Lüneburger Heide

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Gesundheit und Natur sind zwei Pfunde, mit denen Bad Bevensen wuchern kann und möchte. Von der Lüneburger Heide GmbH erwarten Teile des Stadtrates mehr Unterstützung.

Bad Bevensen. „Wir sind mit Ihnen unzufrieden“, nahm Johann-Henrich Vietor (WBB) bei der vergangenen Stadtratssitzung in Bad Bevensen kein Blatt vor den Mund.

Seine scharfen Worte gelten Ulrich von dem Bruch und damit der Lüneburger Heide GmbH (LHG), in die die Stadt Bad Bevensen als Gesellschafter jedes Jahr 50 000 Euro einzahlt.

Kern der Kritik: Das Preis-Leistungsverhältnis stimme nicht. „Wir kommen bei Ihnen einfach nicht vor. Wir fallen durch das Raster“, konkretisiert Vietor und spricht damit eine Schwachstelle der LHG an, die deren Geschäftsführer zumindest in Teilen selber bestätigt: Gesundheitstourismus – also das Steckenpferd der Kurstadt Bad Bevensen – sei bei der Werbung der LHG bisher zu kurz gekommen. „In diesem Bereich sind wir noch am Anfang“, bestätigte von dem Bruch. Der Grund: Gesundheit habe in dem Masterplan, zu dessen Umsetzung sich die LHG bei ihrer Gründung 2008 verpflichtet hat, keine Rolle gespielt. Inzwischen habe die LHG aber neue, lifestyle-orientierte Zielgruppen erarbeitet (die AZ berichtete), der Trend „Gesundheit und Natur“ sei nachgewiesen.

„Nun kann auch Geld in die Vermarktung solcher Angebote gesteckt werden“, erklärte von dem Bruch. Zudem ist eine Arbeitsgruppe gegründet worden, die sich ausschließlich mit dem Thema Gesundheit befasst – und zwar unter dem Vorsitz von Uwe Winter, Geschäftsführer der Bad Bevenser Kurgesellschaft und der Bad Bevensen Marketing GmbH (BBM). „Wir haben das bewusst unter die Leitung der Bad Bevenser gestellt“, versucht von dem Bruch die skeptischen Ratsleute der Kurstadt von der neuen touristischen Schwerpunktsetzung zu überzeugen, um im nächsten Atemzug den Ball zu den Bevensern zurückzuspielen. „Wir sind das Schaufenster – aber Sie müssen uns auch nutzen.“ Im Klartext: Wenn die Bad Bevenser der LHG keine Informationen zukommen lassen, könne die LHG auch nichts bewerben. Positiv hob er den Ilmenau-Radweg hervor: Dieser sei inzwischen eines der nachgefragtesten Projekte der LHG. Zudem betonte er die herausragende Stellung der Kurstadt innerhalb der Lüneburger Heide und das Bestreben der LHG, dem Status der Stadt gerecht zu werden: „Bad Bevensen ist aktuell die Nummer zwei bei den gebuchten Objekte.“

In den vergangenen Wochen war der Austritt der Stadt Bad Bevensen aus der LHG öffentlich diskutiert worden (die AZ berichtete). Die Fraktion Bürger für Bad Bevensen (BfB) hat inzwischen einen entsprechenden Antrag bei der Verwaltung eingereicht.

Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammer, der Bad Bevensen im Aufsichtsrat der LHG vertritt, rät davon ab, der LHG den Rücken zu kehren: „Die Forderung, dass das Thema Gesundheit stärker berücksichtigt werden muss, ist berechtigt. Aber man muss auch bedenken, dass die LHG die Dachmarke Lüneburger Heide und nicht die Kurstadt Bad Bevensen an sich vermarkten soll – dafür haben wir die Bad Bevensen Marketing. Wenn das Image der Lüneburger Heide besser wird, was der LHG ohne Zweifel gelungen ist, profitiert auch Bad Bevensen davon. Wenn wir die LHG aufgeben, geben wir auch die Lüneburger Heide auf“, sagt Hans-Jürgen Kammer. „Leider sind Image-Fragen immer schwer messbar. Aber dass man nicht 50 000 Euro im Jahr einzahlt und die dann eins zu eins wieder herausbekommt, sollte klar sein.“

Von Wiebke Brütt

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