Mensch 2013: Ulrike Ahrens steht beim Hospizdienst jederzeit bereit

Begleiten mit dem Herzen

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Sie kümmert sich beim ambulanten Hospizdienst im Landkreis Uelzen um Schwerstkranke und Sterbende: Ulrike Ahrens aus Jelmstorf – mit dem Tröst-Stofftier Maximilian Löwenherz.

Jelmstorf. Vor etwa 15 Jahren war Ulrike Ahrens bereits als Gründungsmitglied des ambulanten Hospizdienstes im Landkreis Uelzen dabei. Seitdem ist sie in dem gemeinnützigen Verein, der seinen Sitz im Kloster Medingen hat, aktiv.

Die Jelmstorferin ist eine der zehn Nominierten für „Mensch 2013“, eine Aktion der AZ und der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg in Zusammenarbeit mit dem Volkswagen Zentrum Uelzen.

Angefangen, sich über den Tod und das Sterben Gedanken zu machen, hat Ulrike Ahrens, als sie ihre Mutter im Sterben begleitete. Danach bekam sie zufällig eine Stelle im Kloster Medingen und war erst für die Verwaltung und Hauswirtschaft verantwortlich. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Altäbtissin Gisela Rothbart die Idee, ein überkonfessionelles Hospiz zu gründen. Da war Ahrens sofort dabei. Im Jahre 2008 kam dann noch das Angebot des Kinderhospiz-Dienstes dazu.

In der Zwischenzeit haben sie und die anderen vorwiegend weiblichen Begleiter an einigen Ausbildungsmaßnahmen, Lehrgängen und Supervisionen teilgenommen. Letztere finden einmal im Monat im Gruppenraum im Kloster statt. Die Anzahl der Begleiter ist im Laufe der Jahre auf aktuell 30 gestiegen. Weitere 13 Begleiter befinden sich gerade in Ausbildung.

„In der Erwachsenenbegleitung läuft es meist so ab, dass die Angehörigen des Erkrankten beim Hospizdienst anrufen und so einen ersten Kontakt aufnehmen“, schildert Ulrike Ahrens. Der Erstbesuch findet dann regelmäßig durch die Koordinatorin Monika Robel statt, deren Stellvertreterin Ahrens seit einem Jahr nun auch offiziell ist. Die Koordinatorin sucht dann eine Begleitung aus, die häufig etwa drei Monate andauert, jedoch auch weit darüber liegen kann.

In der schweren Situation des Abschiednehmens und Loslassens kümmert sich Ulrike Ahrens immer sowohl um die Schwerstkranken und Sterbenden als auch um die Familienmitglieder. Häufig sitzt sie stundenlang am Bett bei den Familien zuhause, im Krankenhaus oder im Pflegeheim und hört zu oder ist einfach nur da und spendet Nähe. „In der Kinderbegleitung liegt der Schwerpunkt bei den Eltern und Geschwisterkindern. Die sterbenskranken Kinder selber sind meistens sehr tapfer“, sagt Ulrike Ahrens.

In der Regel hat jede betroffene Familie feste Wochentage und Zeiten mit Ahrens und ihren Mitstreitern ausgemacht. „So können sich beide Seiten darauf einstellen. Die Familie hat dann Zeit zum Einkaufen oder für Ämterbesuche“, erläutert die Jelmstorferin. Aber häufig gibt es auch sehr kurzfristige Anrufe, auch sonntags, feiertags oder abends. Dann lässt Ulrike Ahrens alles stehen und liegen, denn sie wird gebraucht. Und sie möchte helfen. „Ich könnte dann gar nicht warten. Ich muss sofort los“, gesteht Ahrens, „man wächst auch in seine Aufgabe hinein. Man muss mit dem Herzen begleiten, sich reinfühlen und reinspüren können.“

Ulrike Ahrens selbst ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und vier Enkelkinder. Die Familie sei begeistert von ihrem Engagement und stehe voll hinter ihr.

Heute arbeitet Ulrike Ahrens als Küsterin im Kloster. Außerdem organisiert sie mit Pastor Martin Boyken, Vorsitzender des Hospizdienstes im Landkreis Uelzen, und dem DRK Bad Bevensen zusammen das jeden dritten Dienstag im Monat stattfindende „Trauercafé“ im Mehrgenerationenhaus in Bad Bevensen.

Selber belastet fühlt Ulrike Ahrens sich nach eigenen Worten nicht. Sie steht mit beiden Beinen im Leben, ist gefestigt. „In der Ausbildung lernen wir, wo und wie wir uns entlasten können“, erklärt sie mit einer überzeugenden inneren Ruhe. Etwas schüchtern gibt sie dann noch zu, dass alle ehrenamtlich arbeiten und es gerne tun. Ohne Herz würde es nicht gehen. Und sie wolle eigentlich keine Aufmerksamkeit, sondern nur da helfen, wo ihre Hilfe dringend benötigt wird: beim Finden des inneren Friedens und beim Loslassen. Bei all dem, was sie mit dem Kloster verbindet, wundert es nicht, dass dieses ihr Lieblingsplatz ist.

Von Sabine Liedtke

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