Joachim Bismarck aus Himbergen gewinnt bei Geschichten-Wettbewerb von Mercedes Benz

Ein Truck als Seelentröster

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Ein Modell „seines“ Krupp erinnert Joachim Bismarck an die Zeit, in der das Fahrzeug sein Ein und Alles war. Die Einsamkeit ließ ihn damals eine innige Beziehung zu dem Vehikel aufbauen.

Himbergen. „Können von Menschen geschaffene Maschinen eine Seele haben? Wenn ich nicht das wahre Erlebnis, das ich hier schildern möchte, gehabt hätte, würde ich es vehement verneinen.

“ Mit diesen Worten beginnt die Geschichte von Joachim „Achim“ Bismarck, die ihm einen der fünf Preise beim Mercedes-Benz-Wettbewerb für die besten Trucker-Geschichten Deutschlands eingebracht hat. Der Himberger hat auf eindringliche Weise seine Beziehung zu einem stählernen Weggefährten erzählt, der so viel mehr war als nur eine schnöde Karosse mit einem 3-Zylinder-Dieselzweitaktaggregat unter der Haube. Denn Bismarcks Herz gehörte 1967 seinem Krupp.

Als 21-Jähriger hatte Joachim Bismarck damals eine Kartoffel-Firma übernommen, für die er Tag ein, Tag aus mit seinem blauen Lkw unterwegs war. „Ich bin auch nachts mit dem Dicken gefahren“, erinnert er sich. Und er weiß: „Wahrscheinlich können das nur wenige nachvollziehen, dass man zu einem Fahrzeug eine so innige Beziehung hat.“ Denn der junge Unternehmer war immer allein unterwegs, sprach mit seinem Vehikel, strich ihm über das gigantische Lenkrad, wenn es seine Sache gut machte und bergauf wie bergab konstant seine 72 Stundenkilometer lief. „Ich war einsam“, versucht Joachim Bismarck eine Erklärung, und plötzlich liegt in seinen Augen so ein melancholischer Glanz. „Da fängt man dann an, mit einem Auto zu sprechen...“

Und der blaue „Saurier“, wie Bismarck ihn nennt, sprach auch mit ihm. „Wenn der so lief, war das ein ganz gemütliches Geräusch, der konnte seinen Namen sagen: krupp-krupp-krupp“, lächelt der 65-Jährige, „und wenn Sie dann richtig Gas gegeben haben, dann sind einem fast die Ohren abgefallen – so ein Getöse machte der.“

Sein Krupp, sagt Bismarck, der sei damals schon veraltet gewesen. Dafür aber unverwüstlich. – Bis zu dem Tag, an dem sich die Wege von Fahrer und Fahrzeug trennen sollten, weil der Kartoffelbetrieb aufgegeben wurde. Der wuchtige Lastwagen mit seinen 15.5 Tonnen Eigengewicht war plötzlich über. Und sein großes Herz, der Motor, brach, als er einem neuen Herrn dienen sollte... – Doch wer wissen will, wie Joachim Bismarcks Geschichte „Ein Fraund namens Krupp“ ausgeht, der muss sie selber lesen (siehe Kasten).

Seinen Trucker-Job hat der Himbergener längst an den Nagel gehängt. Doch die Leidenschaft für bullige Fahrzeuge blieb: Mit seinem RMB-Wohnmobil durchkreuzt Bismarck heute die Lande, vor allem die nordischen Regionen.

Doch sein Begleiter ist längst nicht mehr die Einsamkeit. War es damals eine kraftvolle Maschine auf vier Reifen, die dem jungen Joachim Bismarck ein vertrautes Gefühl vermittelt hatte, ist heute ein Herz erweichender Blick auf vier Pfoten seine treueste Gefährtin: Ohne die 15-jährige Hundedame Emma fährt Joachim Bismarck nämlich nirgendwo hin. „Sie war sogar schon mit in Murmansk und hat einen russischen Stempel im Pass“, lacht er und streichelt dem schwarzen hund über den Kopf. Und dennoch: Das mit seinem Krupp, das war etwas ganz Großes. Und so wird es auch bleiben, glaubt Bismarck: „Ich habe zu keinem anderem Fahrzeug eine so innige Beziehung gehabt.“

Von Ines Bräutigam

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