Immer weniger Besucher und Helfer: Brockhöfer Feuerwehr feiert zum letzten Mal im Bauernwald

Tradition stirbt nach 50 Jahren

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Ein Bild aus vergangenen Zeiten – nämlich 1997 bei den Vorbereitungen fürs Sommerfest. Damals stand der Holzbau noch, dessen Dachkonstruktion pünktlich zum Fest mit einer schweren Plane überzogen wurde. Die so entstandene Atmosphäre im Halbdunkel war einmalig und konnte mit Zelten nie wieder erreicht werden.

Brockhöfe. Die Frauen kauften sich schöne Kleider. Und auch die Herren der Schöpfung machten sich schick, damit sie eine gute Figur abgaben, wenn sich die Damen an ihrem Arm unterhakten und sich nach dem Tanz auf ein prickelndes Gläschen zur Sektbar führen ließen.

Die Spuren der Feuer sind noch heute zu sehen: Olaf Venske (links) und Hans-Jürgen Cordes zeigen eine der verkohlten Eichen, die bei den Brandstiftungen gelitten haben. Insgesamt wurden durch die Brandstiftungen zehn Bäume in Mitleidenschaft gezogen.

Das war einmal. Vor 50 Jahren beim Sommerfest im Brockhöfer Bauernwald. Doch so wird es nie wieder. Denn das Sommerfest wird in diesem Jahr am kommenden Wochenende zum letzten Mal veranstaltet. Nach genau 50 Jahren lässt die örtliche Feuerwehr diese Tradition sterben. Denn die Zeiten sind andere geworden. „Seit 2008 sind die Besucherzahlen deutlich zurückgegangen“, bedauert Brockhöfes Ortsbrandmeister Olaf Venske. Einen großen Anteil an dieser Entwicklung hat wohl die Tatsache, dass die Sommersause unter alten Eichen in den vergangenen acht Jahren nicht mehr, wie einst, in dem alten Holzbau mit seiner unverwechselbaren Atmosphäre gefeiert wird, sondern in einem Zelt. Das jedenfalls vermutet Venske. „Insgesamt ist uns der Holzbau im Bauernwald fünf Mal abgebrannt“, sagt er. Jedes Mal war es Brandstiftung. Am 23. Juli 1995, am 19. Juli 1996, am 29. November 1998, am 4. April 1999 und zuletzt am 8. Juni 2008. Drei Mal brannte es kurz vor dem Fest. „Wir haben den Bau immer wieder in Eigenleistung neu aufgebaut“, sagt der Ortsbrandmeister. Aber irgendwann schlug das nicht nur auf die Feuerwehrkasse, sondern auch auf die Motivation der Kameraden.

Hans-Jürgen Cordes (links) und Olaf Venske schwelgen in Erinnerungen und sichten alte Zeitungsartikel über ihre Sommerfeste – allerdings spielen dabei auch die fünf Brände eine Rolle.

Das Sommerfest im Bauernwald war nicht nur bei Einheimischen beliebt. Auch Auswärtige kamen jedes Jahr. „Und viele ehemalige Brockhöfer legten sich ihre Wochenenden so, dass sie in ihre alte Heimat kommen und mitfeiern konnten“, weiß Hans-Jürgen Kammer, Venskes Vorgänger und mit federführend bei der Organisation der Sause. Doch mit dem Zelt scheint es nicht dasselbe für die Gäste zu sein. „In dem Holzbau war es kommodig“, schmunzelt Olaf Venske. Und er wolle auch gar nicht so genau wissen, wie viele neue Brockhöfer während der Sommerfest-Wochenenden über Generationen hinweg gezeugt worden seien, fügt er mit einem Augenzwinkern an. „Das war früher einfach ein anderes Flair.“ Doch nicht nur die Gäste bleiben aus – früher waren es bis zu 900 Feiernde, heute sind es noch 200 –, auch die Reihen der Helfer für Aufbau und Organisation lichten sich. Und vielleicht haben auch ein wenig die vielen Brände die Brockhöfer zermürbt. Schließlich wird seit dem ersten Feuer jedes Festwochenende eine Brandwache im Bauernwald abgestellt. Von Freitag bis Montag, rund um die Uhr.

Dieses Jahr lassen es die Brockhöfer aber noch mal so richtig krachen. Live-Musik, Jahrmarktbuden und Kinderkarussell, Preisschießen, Brotbacken für Kinder und vieles mehr sind organisiert (siehe Programm). „Mit allem Risiko“, sagt Hans-Jürgen Cordes, „und wenn es schief geht, müssen wir eben in die eigene Tasche greifen.“ Aber das ist es den Feuerwehrleuten wert. Das 50. Sommerfest im Brockhöfer Bauernwald soll für alle noch einmal unvergesslich werden. Denn es wird das letzte sein.

Von Ines Bräutigam

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