Tiere im Nordkreis gerissen: Besitzer in großer Sorge

Schafe schützen

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Frei laufende Hunde und Wölfe werden für Schafe zum Feind: Zäune und spezielle Wachhunde sollen sie schützen.

Bad Bevensen/Klein Bünstorf/Grünhagen. „Dem einen Schaf wurde die Hälfte des Ohres abgerissen – sogar die Marke ist weg. Und einem anderen Tier ist in den Hals gebissen worden“, erklärt Jochen Rehse. Am vergangenen Wochenende griffen zwei frei laufende Hunde seine Schafe an.

Die wertvollen Merino-Fleischschafe – eine vom Aussterben bedrohte Traditionsrasse – weideten nahe des Elbe-Seiten-Kanals bei Klein Bünstorf. Lebensgefährlich sind die Verletzungen der Tiere wohl nicht, Ruhe kehrt bei ihrem Besitzer dennoch nicht ein. „Meine größte Sorge ist gerade, dass die Tiere ihre Lämmer verlieren.“ Denn auf der Weide standen ein Bock und 39 Muttertiere – viele von ihnen trächtig. Verlieren die Muttertiere den Nachwuchs, bedeutet das für Rehse nach dem Schrecken auch noch einen beträchtigen finanziellen Schaden.

Erfahren hatte Rehse von den streunenden Hunden durch einen Nachbarn. Als er an der Weide angekommen war, waren die Hunde bereits von einem Anwohner in die Flucht geschlagen worden. An anderer Stelle wurde Rehses Hilfe aber noch gebraucht: Zwei Schafe hatten die Hunde in die Ilmenau getrieben. „Die Wolle saugt sich natürlich schnell voll Wasser. Und so musste ich die Tiere aus dem Wasser bergen“, erklärt Rehse, der auch Vorsitzender des Landesschafzuchtverbandes Niedersachsens ist. Er fordert mehr Unterstützung für die Schafzüchter – auch finanzieller Art – und Präventivmaßnahmen: „Die Wertschöpfung bei der Schafzucht ist noch viel geringer als bei Milchvieh.“

Frei laufende Hunde werden für den Klein Bünstorfer Schafzüchter immer wieder zum Problem. Vor einigen Jahren sei ein Hund sogar vom Kurpark Bad Bevensens aus bis zur Weide bei Klein Bünstorf gerannt.

Leinenzwang besteht in Niedersachsen nur zur Brut- und Setzzeit, also vom 1. April bis zum 15. Juli. Eine Ausnahmeregelung gilt zudem für die Kurstadt Bad Bevensen, wie Verwaltungsmitarbeiter Dieter Behne auf Nachfrage der AZ mitteilt: „Im Kurpark gilt Anleinpflicht.“ Grundsätzlich sind Hundehalter und Hundeführer für das unter ihrer Aufsicht stehende Tier verantwortlich.

Probleme mit frei laufenden Hunden kennt Schäfer Gerd Jahnke aus Eimke hauptsächlich aus Gebieten in Stadtnähe. Im Landkreis Uelzen mache er die Erfahrung selten. Ein anderer Vierbeiner bereitet ihm und auch Jochen Rehse jedoch mehr Sorgen: der Wolf. Anfang des Jahres hatte ein Wolf fünf von Jahnkes Schafen gerissen. Und auch bei einem Vorfall aus der vergangenen Woche ist Isegrim in Verdacht: Sechs Schafe wurden auf einer Weide bei Grünhagen gerissen. Laut Veterinäramt können die Bisse von einem Hund oder einem Wolf stammen. „Wölfe legen bis zu 50 Kilometer in einer Nacht zurück. Wir sind damit alle in seinem Einzugsgebiet“, erklärt Rehse.

Mit Elektozäunen schützt Schäfer Gerd Jahnke derzeit seine Herde. „Das hilft gerade noch“, erklärt der Eimker. „Wenn der Wolf einmal gemerkt hat, dass da Strom drauf ist, dann weiß er erstmal, dass Schafe keine leichte Beute sind.“ Grundsätzlich, so sagen Experten, sind Schafe aber erst hinter Zäunen von 1,25 Metern Höhe sicher. Ein weiterer Punkt, auf den es zu achten gelte: Die Knotengeflecht-Zäune müssen bis auf die Erde reichen. Sonst schlüpft der Wolf unter der Absperrung durch. Und noch eine Vorkehrung hat der Schäfer getroffen: Spezielle Herdenschützhunde sichern die Schafe nachts ab.

Die Halter der Hunde, die am Wochen-ende die Schafe nahe des Elbe-Seiten-Kanals jagten, sind noch nicht ermittelt. Nach Polizeiangaben hatte ein Hund, der bei Klein Bünstorf die Schafe in die Ilmenau trieb, einen dunklen Kopf und ein helles Hinterteil. Hinweise an die Polizei Bad Bevensen unter (0 58 21) 98 78 10.

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